BR Fernsehen - Welt der Tiere


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Welt der Tiere Sumpfschildkröten in Bayern

Die Europäische Sumpfschildkröte, die einzige Schildkrötenart Mitteleuropas, ist eine der am meisten gefährdeten Wirbeltierarten Deutschlands. Die Zerstörung ihrer Lebensräume sowie Fang und Handel minderten schon in den vergangenen Jahrhunderten den Bestand der Sumpfschildkröten erheblich. Doch es gibt sie noch in Bayern, wenn auch in einem ungewöhnlichen Biotop.

Stand: 30.07.2018

Europäische Sumpfschildkröte  | Bild: BR/Markus Schmidbauer

Die wilden Flusslandschaften von Donau und Isar waren nach der Eiszeit die Heimat der Europäischen Sumpfschildkröte in Bayern. Heute ist Emys orbicularis, wie die Europäische Sumpfschildkröte wissenschaftlich heißt, in Bayern nur noch einzeln anzutreffen.

Das Aus für die Sumpfschildkröte in Bayern

Bis ins Mittelalter gab es sie wohl noch sehr zahlreich. Sie galt als Fisch und war deshalb eine begehrte Fastenspeise. Die Nachstellungen und die zunehmende Zerstörung der Flussauen ließen die einzige einheimische Schildkröte bei uns zu einem seltenen Tier werden.

Bayer oder Nicht-Bayer?

Im Laufe der Zeit wurden dann immer wieder Europäische Sumpfschildkröten bei uns ausgesetzt oder sie entkamen aus Gartenteichen. Diese Tiere stammten meist aus Südost-Europa - sie waren keine "echten Bayern". Europäische Sumpfschildkröten leben auch in der Reptilienauffangstation in München. Die vermeintlich einheimischen Tiere dürfen nicht mehr freigelassen werden, weil sie in Bayern  offiziell für ausgestorben erklärt wurden. Zudem sei nicht hundertprozentig klar, ob die Tiere von der ursprünglichen bayerischen Population abstammen.

"In der Schweiz haben wir Populationen, die genetisch sehr gut passen würden. Wir haben in Österreich Populationen, die gut passen würden bis runter nach Ungarn. Und es wäre eigentlich ja seltsam, wäre jetzt gerade Bayern so zwischendrin ausgespart."

Dr. Markus Baur, Leiter der Reptilienauffangstation in München

Auch genetische Test bei den Europäischen Sumpfschildkröten  der Reptilienauffangstation zeigen, dass viele davon "echte Bayern" sein könnten. Doch es hilft nichts, sie müssen ihr Leben weiter im Aquarium verbringen.

Exotik im Westpark

Der Westpark in München: Statt einheimischer Sumpfschildkröten leben hier verschiedenste Schmuck- und Zierschildkröten. Der Grund: Ende der 70er-Jahre gab es Babys der Rotwangen -Schmuckschildkröte billig bei uns kaufen. Zu Hunderttausenden wurden sie aus Nordamerika importiert und - nach kurzem Aufenthalt im Aquarium - ausgesetzt. Für die Tiere ist das ein Problem - sie benötigen kontinentales Klima mit trockenen Sommern und kalten Wintern.

"Im Winter, wenn wir Föhnwetter haben, wachen die Tiere oft aus der Winterruhe auf und werden dann abends von der Kälte überrascht und gehen einfach zugrunde."

Dr. Markus Baur

Heute ist die Einfuhr der Rotwangen-Schmuckschildkröte verboten. Doch es kommen jede Menge anderer Exoten nach - die, ausgewildert, bei uns jämmerlich zugrunde gehen.

Reptilien-Vermittlung

Wer ein Tier Zuhause halten möchte, sollte sich vorher genau informieren, wie man es richtig hält, und vor allem, ob man auch dem ausgewachsenen Tier den Platz bieten kann, den es braucht. Die meisten Reptilien der Auffangstation warten darauf, an geeignete Halter weitervermittelt zu werden. Wer interessiert ist, kann sich mit der Reptilienauffangstation München in Verbindung setzen.

Weitere Informationen

Auffangstation für Reptilien, München e.V..
Kaulbachstr. 37
80539 München

Sendehinweis

"Sumpfschildkröten in Bayern" sehen Sie am Samstag, 18.08.2018 um 09.30 Uhr in "Welt der Tiere" im BR Fernsehen.


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