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Unbeliebte Gäste Wildgänse werden zur Landschafts-Plage

Wildgänse breiten sich rasant aus, vor allem in Gegenden mit vielen Wasserflächen, wie in der Oberpfalz oder in Mittelfranken. Dort fühlen sich die Tiere so wohl, dass sie sesshaft werden, das ganze Jahr über bleiben - und ihre Exkremente hinterlassen.

Von: Norbert Haberger

Stand: 19.08.2015

In Bayern gibt es heute 14-mal mehr Wildgänse als noch vor zehn Jahren. In manchen Gegenden wie bei Schwandorf in der Oberpfalz sind die Tiere zum echten Problem für die Landwirte geworden, denn sie fressen große Teile der Getreideernte. Oft bleibt kein Korn mehr am Halm.

Fraßschäden und verkotete Wiesen

Vor allem die Randbereiche der Getreidefelder sind betroffen. Doch nicht nur die Fressschäden sind ein Problem. Auf den Wiesen ist es der Kot, den die Gänse hinterlassen. Er kann zu einer ernsten Gefahr für die Kühe werden, die dieses Gras fressen. Wie vor zwei Jahren auf dem Betrieb von Hans Sieß: Durch die Verkotung in der Silage gab es bei zwei Kühen Fehlgeburten, die nachweislich auf Fäkalkeime zurückzuführen waren, sagt der Landwirt.

Auch Badegäste bleiben aus

Doch nicht nur Wiesen und Felder werden von den Wildgänsen heimgesucht. Die Tiere vereinnahmten in den letzten Jahren auch immer mehr Badeseen. Mit ihren Duftmarken vertreiben sie die Gäste. Beispiel Teublitz im Landkreis Schwandorf: Im dortigen Naturbad blieben in den  vergangenen Jahren immer mehr Besucher weg.

Tägliche Sisyphusarbeit

"Gerade im Uferbereich hatten wir sehr viel Kotablagerungen. Da musste dann der Bauhof jeden Morgen schon um sechs kommen und mit einem Laubsauger den Kot aus den Steinen blasen oder saugen, damit das wieder einigermaßen annehmbar für die Badegäste war."

Maria Steger, Bürgermeisterin von Teublitz, Lkr. Schwandorf

Woher kommen die Gänse?

Konrad Lorenz | Bild: picture-alliance/dpa zum Thema Konrad Lorenz Vom Blick in die Seele der Tiere

Er redete mit den Tieren, das Gänsekind Martina wurde durch ihn weltberühmt. Konard Lorenz selbst bekam für seine Arbeit 1973 den Nobelpreis. [mehr]

Wildtierbiologe Dr. Andreas König von der TU München hat sich in einer Studie mit dieser Frage beschäftigt. Es sind vor allem Graugänse, die sich bei uns ausbreiten. Und die sind die Nachkommen jener Gänse, mit denen der Verhaltensforscher Konrad Lorenz in den 50er Jahren am Ammersee seine Versuche gemacht hat. Er brachte ihnen bei, dass sie ihm folgen - und nebenbei auch, dass sie im Winter nicht mehr wegfliegen müssen. Inzwischen haben sich die Gänse so stark vermehrt, dass sie in ihrer Masse kaum mehr in den Griff zu bekommen sind. Jagdmethoden wie bei Rehen oder Wildschweinen funktionieren bei Gänsen nicht.

3 Gänse sterben, 200 Gänse lernen dazu

"Wenn ich als Jäger hingehe und möglicherweise ein, zwei, drei Gänse schieße und erlege, dann habe ich 200 Tiere, die zugeschaut haben und genau wissen: Wenn der mit diesem Auto kommt, so ausschaut, dann wird’s gefährlich."

Dr. Andreas König, TU München

Badeseen: Zäune können helfen

In seiner Studie testete Andreas König Methoden, wie die Gänse von bestimmten Flächen ferngehalten werden könnte - zum Beispiel mit einem Zaun. Denn die Jungtiere können noch nicht fliegen. Tatsächlich hat sich solche ein Zaun in Teublitz bewährt, der Badeplatz blieb dieses Jahr gänse- und kotfrei.

Gänse in Bayern

85% der Wildgänse in Bayern sind Graugänse, 10 bis 12% Kanadagänse. Der Rest sind Nonnengänse, Streifengänse und ein paar Exoten. Die Graugans (die sogenannte Lorenz-Gans) kommt ursprünglich aus Nord- und Osteuropa, die Kanadagans wurde bei uns ursprünglich von den Wittelsbacher Herrschern ausgesetzt.

Was können Landwirte unternehmen?

Für Landwirte wären die Zäune zu aufwendig. Außerdem dürfen laut Gesetz die Gänse von Mitte Januar bis Anfang August nicht gejagt werden. In dieser Zeit kann man sie nur vergrämen, also vertreiben.

"Wir haben das schon alles ausprobiert, mit dem Auto hinfahren und in die Hand klatschen und laut rufen. Mit Vogelscheuchen haben wir es auch schon probiert, aber es ist alles nicht nachhaltig, weil der Vogel, der sieht beim dritten, vierten Mal: Es droht keine Gefahr."

Hans Sieß, Landwirt und Jäger aus Klardorf, Lkr. Schwandorf

Letzlich hilft doch nur die Jagd

Auch wenn es sehr mühsam ist, letztlich hilft doch nur die Jagd, und das möglichst revierübergreifend. Heuer bekamen die Jäger in Schwandorf zudem eine Ausnahmegenehmigung zur Verlängerung der Jagdzeit, der Abschuss begann schon einen Monat früher, im Juli. 100 Gänse wurden bereits erlegt.

Das Fleisch der Tiere wird übrigens in Schwandorf nicht weggeworfen. Metzger Max Obermeier, der selbst Jäger ist, macht daraus echte Delikatessen, zum Beispiel Streichwurst oder Leberpastete. So haben die Gänse für die Schwandorfer wenigstens einen kulinarischen Vorteil. Dass die Tiere aber wieder zu Zugvögeln werden und aus Bayern verschwinden, ist eher nicht anzunehmen.


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