BR Fernsehen - Unser Land


3

Ungeliebte Pflanze Das Orientalische Zackenschötchen

Indisches Springkraut, Riesenbärenklau oder Ambrosie: All das sind Neophyten, also Pflanzen, die ursprünglich nicht in Bayern heimisch waren, sich hierzulande in den vergangenen Jahren jedoch zum Teil rasend schnell verbreitet haben und nun andere Pflanzen bedrohen. Jüngster Vertreter in dieser Reihe: das Orientalische Zackenschötchen.

Von: Wolfgang Jandl

Stand: 29.05.2015

Zarte Blüten, feine Stängel, löwenzahnartige Blätter: Das Orientalische Zackenschötchen (Bunias orientalis) ist eine robuste Pflanze mit niedlichem Namen, die jedoch mannshoch werden kann. Es gehört zu den Kreuzblütlern und ist mit Raps, Kohl und Ackersenf verwandt. Über Brachflächen, Straßenränder und Böschungen kann sich die Pflanze rasend schnell verbreiten, vor allem auf Kalkböden. Ursprünglich stammt sie aus Sibirien, Ost- und Südeuropa.

Das Zackenschötchen blüht im Mai und verbreitet einen unangenehm-süßlichen Geruch. Besonders mit dem Raps kann es auf den ersten Blick verwechselt werden. Doch im Gegensatz zu diesem ist das Zackenschötchen deutlich hartnäckiger. Die Samen verbreiten sich im Juli und können mehrere Jahre überstehen, bevor sie auskeimen. Auch im Weinberg von Bio-Winzer Ralf Baldauf aus Ramsthal im Lkr. Bad Kissingen hat es sich inzwischen breit gemacht:

Wassermangel im Weinberg

"Die nimmt der Rebe das Wasser, wo sie wächst. Dann ist die Belüftung deutlich schlechter im Weinberg, weil sie rasend schnell hochwächst, bis zu 1,60 Meter. Da sie stört, muss sie raus."

Bio-Winzer Ralf Baldauf aus Ramsthal im Lkr. Bad Kissingen

Möglichkeiten der Bekämpfung

Zackenschötchen in Ralf Baldaufs Weinberg.

Hacken, mähen, Samen absammeln: Das sind die mühevollen Möglichkeiten, die Ralf Baldauf als Bio-Winzer zur Verfügung stehen. Einfach drübermähen bringt nichts, da die Pflanze immer wieder durchtreibt: Die Wurzeln reichen bis zu zwei Meter tief. Immerhin: Wird im Frühjahr rechtzeitig gemäht, bilden sich keine Blüten und somit auch keine Samen. In der konventionellen Landwirtschaft könnte man zwar Chemie einsetzen. Ob es hilft, ist eine andere Frage. Früher, als Baldauf noch konventionell anbaute, war der Erfolg gleich null.

Radikale Lösungsansätze

Ortswechsel: Um die Zackenschötchen mit Stumpf und Stiel platt zu machen, rollt am Sodenberg im Saaletal ein Schaufellader an. Eigentlich sind Erdarbeiten im dortigen Naturschutzgebiet streng verboten. Doch diese hat  Roland Lenhart vom Landratsamt Bad Kissingen, Sachgebiet Umweltschutz, selbst angeordnet, damit das Zackenschötchen sich nicht im benachbarten Magerrasen ausbreitet. Dort blühen seltene und gefährdete Pflanzen: Waldanemonen und Adonisröschen, Küchenschellen und Knabenkräuter. Sie alle würden erstickt, wenn das Orientalische Zackenschötchen dort Fuß fassen könnte.

Manche Zackenschötchen überleben selbst den Schaufellader.

Damit die Pflanzen nicht aussamen können, lässt sie Roland Lenhart während der Blüte im Mai abschieben. Auch die Wurzeln müssen restlos aus der Erde. Denn selbst ein kleiner Teil der Wurzel würde reichen, um das Zackenschötchen wieder austreiben zu lassen. Doch manche Zackenschötchen überleben selbst den Schaufellader. Die lässt Roland Lenhart ein Jahr später mit dem Bagger ausgraben.

Schmeckt wie Broccoli

Trotz der Schwierigkeiten hat Roland Lenhart auch einen Vorteil entdeckt. Die Knospen des Zackenschötchens sehen nicht nur aus wie Broccoli, sie schmecken auch so. Wenn die Blüten offen sind, geht das nicht mehr. Man mag es kaum glauben: Sogar Saatgut vom Zackenschötchen gibt es zu kaufen. Ob eine Aussaat wirklich sinnvoll ist, sollte man sich jedoch gründlich überlegen - vielleicht doch lieber der gute alte Broccoli ...


3