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UNKRAUT-Test Wie gefährlich ist Mikroplastik?

UNKRAUT war dem Mikroplastik schon vor einem Jahr auf der Spur. Inzwischen haben erste Hersteller die winzigen Kunststoffteilchen aus ihren Produkten verbannt, aber es sind erst wenige. Dabei sind die Langzeitwirkungen auf Mensch und Natur noch nicht erforscht. Wir meinen: Egal, ob makro oder mikro, Plastik gehört nicht in die Umwelt.

Von: Florian Kienast

Stand: 20.04.2015

Plastikteilchen auf einem Teller | Bild: BR

Vor etwa einem Jahr wurden Meldungen bekannt, dass die mikroskopisch kleinen Plastikteilchen inzwischen in Flüssen gefunden wurden. Sogar in Milch und in Honig sind sie nachgewiesen worden. Mikroplastik kommt, grobgesagt, aus zwei Quellen: zum einen aus Pflegeprodukten, zum anderen aus Fleece-Kleidung.

Von der Dusche in Flüsse und Seen

In Duschgels, Zahnpasta und in Kosmetika wird Mikroplastik verwendet.

Selbst in Zahnpasta kann Mikroplastik stecken.

Wer etwa mit einem solchen Produkt duscht, der schwemmt das ganze Plastik in das Abwasser. Da Kläranlagen die kleinen Teilchen bisher kaum aus dem Abwasser herausfiltern können, landen sie so in den Flüssen und Seen.

Dagegen hat der Verbraucherservice Bayern vergangenes Jahr eine Unterschriftenaktion gestartet. 46.143 Bürger haben unterschrieben. Und das ganze hat etwas bewirkt. Erste Hersteller haben Mikroplastik aus ihren Produkten verbannt und eine freiwillige Selbstverpflichtung abgegeben, in Zukunft darauf zu verzichten. Vor allem in Kosmetika bleibt Mikroplastik allerdings ein Problem.

Von der Waschmaschine auf die Felder

Schwierig auch die zweite Quelle für Mikroplastik: Fleece-Kleidung. Ein Fleece-Pulli verliert pro Waschgang bis zu 1.900 Plastikfasern. Auch die können von den Kläranlagen kaum herausgefiltert werden. Wenn doch - dann landen sie häufig mit dem Klärschlamm auf den Feldern und Äckern und so wieder in der Natur.

Eigentlich also kein Wunder, dass die Uni Bayreuth bei ihren Untersuchungen der Bayerischen Seen und Flüsse überall Mikroplastik gefunden hat - nach eigenen Angaben in geringer bis mittlerer Konzentration.

Was bewirkt Mikroplastik in Lebewesen?

Muschel im Versuchsglas

Die Frage ist natürlich: Ist Mikroplastik gefährlich? Denn über die Nahrungskette kann es auch im Magen der Menschen landen. Erste Versuche haben gezeigt: Wasserlebewesen wie Wasserflöhe nehmen das Mikroplastik in sich auf. So kann es in die Nahrungskette eindringen. Und Versuche mit Muscheln haben gezeigt: Es ist möglich, dass das Mikroplastik sogar ins Gewebe der Tiere eintritt und dort zu Entzündungen führt.

Was bewirkt Mikroplastik in der Umwelt?

Welchen Einfluss das Mikroplastik bisher auf die Ökologie in den bayerischen Gewässern hat, das wird zur Zeit auch am Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie der Technischen Universität München erforscht. Nach Ansicht von Professor Jürgen Geist sind die Auswirkungen des Mikroplastiks bisher eher gering. Grund dafür ist die relativ niedrige Konzentration. Dennoch ist das Mikroplastik ein weiteres Problem, das zu den sowieso schon bestehenden hinzukommt.

Nach jetzigem Stand scheint es für Mensch und Natur noch keine Gefahr zu sein. Darauf weist die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf hin. Aber die Langzeitwirkungen sind noch nicht erforscht. Und es lohnt sich auf jeden Fall dafür zu kämpfen, dass Produkte, die die Natur mit Mikroplastik verschmutzen, nicht weiter produziert werden. Denn klar ist: Plastik, egal ob makro oder mikro, gehört nicht in die Natur.

Weitere Informationen:

Verbraucherservice Bayern

Ottmarsgäßchen 8, 86152 Augsburg
Tel.: 0821 / 157031

Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie

Technischen Universität München

BUND

Mikroplastik - die unsichtbare Gefahr


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