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Religiöse Toleranz Vom Islamisten zum Brückenbauer

Yassir Eric aus dem Nord-Sudan kämpfte früher gegen Christen und Juden, Religionsfreiheit war für ihn ein Fremdwort. Doch eine Begegnung mit Christen verändert sein Leben. Der Moslem konvertiert, zieht nach Deutschland und lehrt hier Migranten religiöse Toleranz.

Von: Annekathrin Wetzel

Stand: 19.02.2018

Eric Yassir im Gespräch mit Jugendlichen in einer Kirche | Bild: BR/ Annekathrin Wetzel

Kindheit in der Koranschule

Yassir Eric wächst als Sohn eines hochrangigen Militäroffiziers und Politikers im Nordsudan auf. Sein Großvater, Mitbegründer der Muslimbruderschaft, sorgt dafür, dass er streng muslimisch erzogen wird. Bereits als kleiner Junge wird ihm zwei Jahre lang in einer Koranschule eingetrichtert, dass Juden und Christen Ungläubige sind. Regelmäßig betete er für ihre Vernichtung. Heute ist der gebürtige Nordsudanese evangelischer Theologe. Kulturelle und religiöse Verständigung sind sein Lebensprojekt. Außerdem reist er regelmäßig in den Nahen Osten, um sich für Menschenrechte und die Glaubensfreiheit von Minderheiten einzusetzen.

"In der Koranschule, der Moschee und zu Hause wurde ich dazu erzogen, Andersgläubige zu hassen. Ich war bereit, sie zu töten. Mir ist heute klar, dass nicht jedes muslimische Kind so geprägt wurde wie ich. Doch es sollte keinen Platz in dieser Gesellschaft für Ausgrenzung und Hass gegenüber Andersgläubigen geben. Für mich ist es ein Vorrecht, in einem Land wie Deutschland zu leben, wo man seinen Glauben ausüben kann, ohne den anderen auszugrenzen."

Yassir Eric, evangelischer Theologe und Buchautor

Es blieb nicht nur bei Gedanken und Worten: Gemeinsam mit Freunden versucht er, seinen christlichen Mitschüler zu töten, weil er denkt, dass dies Allah von ihm will. Doch dann stellt sich sein Leben auf den Kopf: Nach einer schicksalhaften Begegnung mit Christen am Krankenbett seines sterbenden Cousins, konvertiert Yassir Eric zum Christentum. Mit schwerwiegenden Folgen: Er wird enterbt, sein Vater und sein Familien-Clan erklären ihn für tot und lassen ihn öffentlich beerdigen. Immer wieder wird er verhaftet, erlebt wochenlange Dunkelzellen-Folter, weil er seinem neuen Glauben nicht abschwören will. Yassir Eric muss aus dem Nordsudan fliehen. Heute ist er evangelischer Theologe und Leiter des Europäischen Instituts für Migration, Integration und Islamthemen (EIMI). Als Konvertit weiß er, wie wichtig Toleranz und Religionsfreiheit sind.

Hass gelernt, Liebe erfahren

Yassir Eric mit einer Gruppe Migranten vor der Synagoge in München. Die Jugendlichen treffen zum ersten Mal einen Juden.

Yassir Eric kennt die Prägung der jungen muslimischen Migranten aus arabischen Ländern. "Wenn ich damals mit meinem Denken nach Deutschland gekommen wäre, hätte ich mich hier sehr schwer getan". Deshalb hat er gemeinsam mit einem Team das "Projekt Saatkorn" gegründet, das unbegleiteten jugendlichen Migranten ein Zwei-Jahres-Programm bietet, um in Deutschland Fuß zu fassen. Bei einem Praktikum in einer Nudelmanufaktur und dem Umgang mit den Gästen in dem dazugehörigen Café erlangen die jungen Männer wichtige sprachliche und berufliche Fertigkeiten.

Buchtipp:

Yassir Eric: Hass gelernt, Liebe erfahren. Vom Islamisten zum Brückenbauer. Verlag adeo


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