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Sommersonnenwende Johanni 2020

Am 21. Juni hat die Sonne ihren höchsten Stand erreicht. Viele feiern jetzt nach alter Tradition die Sommersonnenwende. In den Alpen werden Bergfeuer entzündet, aber auch unten im Tal gibt es Freudenfeuer, die Dämonen abwehren und Unwetter bannen sollen. Warum aber feiern Christen gerade in dieser Zeit Johanni?

Von: Andrea Kammhuber

Stand: 18.06.2020

Benedikt Schregle und Astrid Süssmuth | Bild: BR / Andrea Kammhuber

Mitten im Sommer feiern Christen Johanni. Sie erinnern am 24. Juni, sechs Monate vor Weihnachten, an Johannes den Täufer, der die Geburt Jesu angekündigt hat. Johannes hat die Menschen aufgerufen, das Dunkle hinter sich zu lassen und sich dem Hellen und Guten zuzuwenden. Der Tag steht in enger Verbindung mit der Sommersonnenwende. Schon in vorchristlicher Zeit verehrte man nämlich Ende Juni die Leben spendende Sonne und das Licht. Manches ist geblieben.

Johannifeuer und heilsame Bräuche

Auch heute entzünden Menschen in der Johannisnacht Feuer, tanzen um die Flammen und spüren ihre Verbindung mit der Natur. Denn seit jeher ist Johanni mit Bräuchen verknüpft. In manchen Gegenden sammeln Mädchen neun verschiedene Blumen und Heilkräuter und binden sich daraus einen Kranz. STATIONEN ist mit Astrid Süßmuth oberhalb von Oberaudorf auf der Suche nach heilsamen Kräutern. Die  Heilpraktikerin, Ingenieurin und passionierte Bergsteigerin bindet einen Kranz aus Beifuß. Der Beifuß wächst hier häufig am Wegesrand und wird meistens gar nicht als wertvolle Heilpflanze wahrgenommen. In früheren Jahrhunderten galt er als die Mutter aller Kräuter und  wurde gegen zahlreiche Frauenbeschwerden und Verdauungsprobleme eingesetzt.

Die Heilkraft der Alpenpflanzen

Oberhalb des Brünnsteinhauses findet sie aber noch ganz andere heilkräftige Pflanzen. Aus Thymian, Hornklee und Quendel lassen sich Tees und Tinkturen ansetzen. Der Johannistag gilt auch als "Tag der Heilkräfte", an dem die "Johanniskräuter", also die Blumen für die Hausapotheke, gesammelt werden. Manches Pflänzlein ist allerdings nur zum Anschauen, so etwa das sumpfblättrige Herzblatt. „Die weißen Blütenblätter wirken wie ein Parabolspiegel. Die zarte Blüte auf dem hohen Stängel verleiht der Pflanze ein elfenhaftes, ätherisches Auftreten. Wachstumsorte des Herzblatts sind oft Kultplätze, kaum einer kann sich dem Zauber entziehen“, so Astrid Süßmuth.

Vom Sommer- und vom Winterhansl

Für den Berger Hans, einen der erfolgreichsten Komponisten der bayerischen Volksmusik, ist der 24. Juni sein Festtag. Er feiert seit jeher lieber seinen Namenstag als den Geburtstag. Und das ist der Johannistag, der Tag Johannes des Täufers. In diesem Jahr trifft er sich mit der Verwandtschaft in der barocken Wallfahrtskirche St. Johann Baptist in Westerndorf am Wasen bei Rosenheim. Eine auffällige Kirche mit einem riesigen Zwiebelturm.

Hier stehen sie beide: Johannes der Täufer mit Lamm und Kreuzstab, auf den die Kirche geweiht ist, und Johannes, der Evangelist mit dem Kelch, dessen Fest am 27. Dezember gefeiert wird: der Sommer- und der Winterhansl. Freilich gibt´s zu ihren Ehren in diesem Jahr auch ein spezielles Lied – komponiert von Hans Berger.

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