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Wetterfühligkeit Ist der Föhn an allem schuld?

Mysterium Föhn: die einen fürchten ihn, die anderen bemerken ihn gar nicht. Man kann allerdings etwas gegen Wetterfühligkeit tun.

Stand: 14.11.2019

Baum in Voralpenlandschaft. Der Blick reicht bis zur Alpenkette | Bild: BR

Mattheit, Müdigkeit, gereizte Stimmung und dazu ein Kopfweh, das sie schachmatt setzt. So beschreiben Wetterfühlige ihr Befinden bei Föhnwetter. Darüber, ob das wirklich am lauen Südwind liegt, wird in Bayern seit jeher gestritten und in den letzten Jahren auch geforscht. So hat etwa eine Untersuchung an der LMU München mit über 1000 föhnempfindlichen Menschen ergeben: sie hatten zwar Beschwerden, aber durchaus nicht an jedem Föhntag. Die Wahrscheinlichkeit, an Kopfschmerzen zu leiden, sei an Föhntagen lediglich etwas höher als sonst, so das Ergebnis der Studie.

Unlogisch ist das nicht. Denn zwischen Wetterwechsel und Kopfschmerzen gibt es einen Zusammenhang. Der Druckwechsel kann Durchblutungsstörungen im Gehirn verursachen, und die wiederum lösen häufig Kopfweh aus. Dass wir immer mehr Zeit in wohltemperierten Innenräumen verbringen, macht es nicht besser: unser Körper ist nicht mehr an Wetterumschwünge gewöhnt.

Wind- und Wettertraining

Simone Reiter ist Gesundheitsmanagerin in Garmisch-Partenkirchen, im Voralpenland. Dort also, wo der Föhn besonders heftig zuschlägt. Gerade ältere oder kranke Menschen leiden darunter, stellt Reiter fest. Ihr Therapieansatz: mindestens dreimal die Woche geht sie mit den Patienten raus zum Wandern. Egal, bei welchem Wetter.

"Der Körper lernt mit der Zeit auch wieder, aufs Wetter zu reagieren und sich anzupassen und dementsprechend werden dann die Überreaktionen, die man bei Föhnlage eben hat, abgeschwächt, und der Mensch empfindet es nicht mehr als so belastend."

Simone Reiter, Gesundheitsmanagerin

Vom Föhn zur Kunst

Ganz abtranieren wollen wir uns das Jammern aber nicht, denn ohne Föhn, Zupfwolken und die dazugehörigen Grantler ist Bayern kaum vorstellbar, um nicht zu sagen: es wäre um ein Nationalgut ärmer. Und auch der Kunst scheint der Föhn zuträglich zu sein. Jörg Maurer zum Beispiel hat er zur neuen Karriere verholfen. Vor zehn Jahren erschien sein erster Krimi. Titel: Föhnlage. Es ist das Diffuse am Föhn, das Unklare, das ihn als Autor interessiert.

"Wie dieser alpine Fallwind genau funktioniert, und warum er all diese Symptome bewirkt, ist auch in unseren erleuchteten Zeiten immer noch nicht ganz erforscht. Aber vielleicht umgibt ihn gerade deshalb die Aura des Mysteriums.."

Krimi-Autor Jörg Maurer

Es gibt also noch viel zu lernen über den Föhn. Vor allem aber können wir lernen, mit ihm zu leben. So wie es Menschen überall auf der Welt tun. Denn der Föhn mag aus Bayern nicht wegzudenken sein, aber es gibt ihn auch woanders. Etwa am norwegischen Küstengebirge, in den Pyrenäen, den Anden und den Rocky Mountains. Dort nennt man ihn übrigens auch Teufelshauch. Aber - wir wollen nichts gesagt haben...


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