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Gegen Rassismus "Herz zeigen" für Geflüchtete

Das Projekt "Herz zeigen" des Katholischen Frauenbunds Augsburg wird am 12. Mai mit dem Aggiornamento-Preis, dem Preis der Deutschen Katholikentage, ausgezeichnet. Die Flucht der eigenen Mutter aus dem Sudetenland ist für Maria Tyroller nur einer der Gründe, dabei mitzumachen.

Von: Astrid Uhr

Stand: 02.05.2018

Ausflug im Rahmen des Flüchtlings-Projektes„Herz zeigen“ in Augsburg | Bild: BR/Astrid Uhr

Maria Tyroller und ihr Mann Herbert sind wie Großeltern für Fatima und Hevti. Vor zwei Jahren sind die Mädchen aus Syrien geflohen und leben nun mit ihren Familien in Augsburg. Dazugehören, nicht auffallen wegen ihrer Sprache – davon träumen die beiden und Maria Tyroller hilft ihnen dabei. Ihre eigenen Töchter sind schon erwachsen, also nimmt sie sich Zeit für die Flüchtlingskinder. Sich laut einmischen in die Politik, ist nicht ihr Ding, sie hilft lieber im Hintergrund und engagiert sich schon lange beim Katholischen Frauenbund und zeigt hier ein Herz für geflüchtete Menschen.

Als Christ Verantwortung übernehmen

Sich einsetzen für Geflüchtete, als Christin Verantwortung übernehmen: Genau dazu ruft die Aktion "Herz zeigen" des Katholischen Frauenbundes auf. Auf dem Katholikentag in Münster wird es mit dem Aggiornamento-Preis ausgezeichnet.

"Als 2015 über eine Million Menschen auf der Flucht waren und nach Deutschland kamen, haben wir uns vom Katholischen Frauenbund hier in der Diözese Augsburg gedacht, wir müssen was machen gegen diesen offen gezeigten Rassismus und ein Zeichen setzen. Deswegen haben wir eine Kampagne gestartet und sagen: Wir haben ein Herz."

Ulrike Stowasser, KDFB, Diözesanvorsitzende Augsburg

In diesem Rahmen haben Frauen verschiedene Projekte in der Flüchtlingshilfe angestoßen: Miteinander kochen, tanzen, lachen. Im Vordergrund steht die Begegnung. Wie viel Gewalt die Familien auf der Flucht vor Krieg und Terror erlebt haben, darüber reden sie kaum.

Mutter aus dem Sudetenland geflohen

Etwa einen Tag pro Woche hilft auch Maria Tyroller ehrenamtlich, übt mit den Kindern Deutsch, begleitet Familien zum Arzt und auf Ämter.

"Meine Mutter ist ja selbst aus dem Sudetenland geflohen, hat ihre Heimat verlassen, und mir erzählt, wie sie mit 17 diese guten und schlechten Erfahrungen auf der Flucht gemacht hat. Und das kommt dann wieder in Erinnerung, wenn man sieht, wie es den Menschen heute geht- und da möchte man ihnen eine kleine Freude bereiten."

Maria Tyroller, Katholischer Frauenbund, Augsburg

Heute besucht sie mit einer Gruppe Geflüchteter den "Plärrer", das Augsburger Frühlingsfest. Für den Ausflug hat sie bei den Frauen in ihrer Pfarrei Augsburg-Kriegshaber Spenden gesammelt. Die syrischen Familien haben sich extra schick gemacht – die Buben sogar mit frischem Haarschnitt. Endlich mal rauskommen aus der engen Unterkunft: Heute ist für sie ein Festtag, vor allem weil die Kinder umsonst die Fahrgeschäfte benutzen dürfen. Der schwäbische Schausteller-Verband lädt regelmäßig Benachteiligte ein. Fatima und ihre Freunde wollen das Karussell am liebsten gar nicht mehr verlassen und drehen drei Extra-Runden. Trotz aller Ablenkung auf dem Plärrer: Suryia vermisst ihren großen Bruder, der noch in Syrien lebt. Manchmal telefoniert die 12-Jährige mit ihm. Vom Frühlingsfest in Augsburg wird sie ihm Fotos schicken.

Aktion Herz zeigen


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