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Die Aschekünstlerin Ina Pause-Noack Erinnerungsbilder an Verstorbene

Die Aschekünstlerin Ina Pause-Noack arbeitet in ihre Ölgemälde nicht nur Asche aus Holz oder Kohle ein, sondern auch die Asche Verstorbener. Die Künstlerin bewegt sich damit in einer juristischen Grauzone, denn eigentlich besteht in Deutschland Bestattungszwang.

Von: Iris Tsakiridis

Stand: 13.02.2018

Ein Kunstwerk aus Öl und Asche von der Aschekünstlerin Ina Pause-Noack. | Bild: BR

Die meisten Menschen sehen in Asche lediglich ein Abfallprodukt aus Holz oder Kohle, viele verbinden Asche auch mit dem Tod. Ina Pause-Noack aber lässt sich durch sie zu Gemälden inspirieren. Hauptsächlich arbeitet die Künstlerin mit Holz- und Kohleasche. Mit einem Bindemittel verflüssigt sie die Asche und setzt sie als "erdigen Akzent", wie sie sagt, in ihre Ölbildern ein.

Spirituelle Porträts

Eines Tages meldet sich ein Witwer aus der Schweiz bei Pause-Noack. Er bittet sie, ein Bild für ihn zu malen, mit einem Teil der Asche seiner Frau. Das Bild einer Blume verbunden mit ihrer Asche als Erinnerung. Es kostet die Künstlerin zunächst Überwindung, sich darauf einzulassen. Doch schließlich akzeptiert sie den Wunsch des Witwers. Mittlerweile hat sie schon mehrere solcher Auftragsarbeiten angenommen und bietet diese spirituellen Porträts auch aktiv an. Denn Vergänglichkeit und Neubeginn sind immer wiederkehrende Themen der Künstlerin.

"In meinen Bildern ist sehr viel Spiritualität vorhanden, weil ich mich bewusst oder unbewusst mit Lebensprozessen auseinandersetze."

Ina Pause-Noack, Aschekünstlerin

Die Asche der Toten - eine juristische Grauzone

Juristisch gesehen bewegt sich Ina Pause-Noack mit ihren Aschebildern in einer Grauzone. Die Angelegenheit ist kompliziert. Eigentlich herrscht in Deutschland ein sogenannter Bestattungszwang: Es ist nicht erlaubt, Kremationsasche zu Hause aufzubewahren. Nur in ganz besonderen Fällen sind Ausnahmegenehmigungen möglich. Deshalb arbeitet Pause-Noack mit einem Bestattungsdienst in der Schweiz zusammen.

Tabubruch oder Trauerarbeit?

Die Reaktionen auf diese ungewöhnliche Form der Bestattungskultur sind sehr unterschiedlich. Manche Bestatter und Krematorien sind durchaus bereit, den Angehörigen einen Teil der Asche ihrer Verstorbenen zu geben. Der Bundesverband Deutscher Bestatter hat sich dagegen ausgesprochen. Der Verband unabhängiger Bestatter wiederum ist gegenteiliger Ansicht und unterstützt die Kunst von Pause-Noack.

"Meine Botschaft ist, dass ich gerne möchte, dass die Menschen selbst entscheiden können, wie sie mit der Asche ihrer Hinterbliebenen umgehen können."

Ina Pause-Noack, Aschekünstlerin


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