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Politikwissenschaftlerin Ursula Münch

„Die CSU hat das Gespür für die Menschen verloren“. So lautete das nüchterne Urteil von Ursula Münch schon kurz vor der Bayerischen Landtagswahl. Aber auch andere etablierte Parteien hätten längst den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern verloren, sagt sie. Und die Politikwissenschaftlerin weiß, wovon sie spricht: Vor sieben Jahren trat Ursula Münch als Direktorin der Politischen Akademie in Tutzing in die Fußstapfen von Heinrich Oberreuter. Seitdem ist sie eine viel gefragte Fachfrau in Sachen Politik und zudem Professorin an der Bundeswehruniversität in München.

Stand: 07.11.2018

portrait | Bild: picture-alliance/dpa

Das historisch schlechte Ergebnis der CSU kam für Ursula Münch, die übrigens eine bekennende Wechselwählerin ist, nicht überraschend:

"Die CSU hat es nicht mehr geschafft, den Leuten klarzumachen, warum sie allein regieren soll. Das ständige `Bayern ist das Beste´ und `Ohne uns ist Bayern nix´ hat nicht mehr verfangen."

(Mainpost, 14.10.18)

Schwieriges Verhältnis Seehofer/Söder

Das ewige Hin-und Her zwischen Bayern und Berlin, zwischen Markus Söder und Horst Seehofer, habe die Wählerinnen und Wähler genervt. Denn es sei nicht mehr um Inhalte gegangen, sondern nur noch um Personen:

"Ich hatte gedacht, die sind Profis genug, um damit zurecht zu kommen. Aber anscheinend klappt es zwischenmenschlich zwischen den beiden überhaupt nicht."

(euronews, 12.10.18)

Gründe für das Starkwerden der AfD

Aber auch andere etablierte Parteien wie die SPD zerfleischten sich immer mehr – eine tragische Abwärtsspirale. Die AfD dagegen setzte ihren Siegeszug fort und ist nun in allen Länderparlamenten vertreten. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr, meint Ursula Münch:

"Der Hauptfehler war, dass man zu lange die Interessen eines Teils der Bevölkerung zu wenig geachtet und zu wenig wahrgenommen hat. (..) Wir haben, so meine Diagnose, aufgrund von Ignoranz die Interessen vieler, die jetzt zur AfD gehen, übersehen."

(The European, 13.10.18)

Orangefarbene Akzente im Koalitionsvertrag

Eine Koalition aus CSU und Freien Wählern war bereits kurz nach der Wahl der Tipp der 57-Jährigen. Und sie sollte Recht behalten. Auch wenn viele im Koalitionsvertrag vor allem die Handschrift der CSU erkennen wollen, sind für die Politikwissenschaftlerin die Akzente der Freien Wähler durchaus sichtbar:

"Die Freien Wähler lese ich dort heraus, wo es um eine Stärkung der Kommunen geht; wo man sagt, man möchte über die Kommunen eine Verbindung und einen direkteren Kontakt zwischen der Politik und den Bürgern. Das hat die CSU vielleicht in den letzten Jahren vernachlässigt, es ist aber eigentlich mal ihr Kerngeschäft gewesen."

(dpa, 05.11.18)


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