BR Fernsehen - Sonntags-Stammtisch


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ehem. Chefredakteur BR Fernsehen Sigmund Gottlieb

Den Mauerfall bezeichnet er bis heute als einen der Höhepunkte seiner journalistischen Laufbahn. Als „heute journal“-Moderator des wurde Sigmund Gottlieb Zeitzeuge der Öffnung der innerdeutschen Grenze. Fast 22 Jahre lang war er Chefredakteur des BR Fernsehens. Auch nach seiner beruflichen Karriere gilt der preisgekrönte Journalist als exzellenter Netzwerker und Analytiker.

Stand: 08.11.2019

portrait | Bild: picture-alliance/dpa

Schon als Schüler interessierte sich der gebürtige Nürnberger für den Journalismus und schrieb erste Zeitungsartikel für die Lokalpresse. Sein erklärtes Vorbild damals wie heute: Peter Scholl-Latour. Nach dem Studium ging es dann Schlag auf Schlag: Volontariat beim „Münchner Merkur“, Nachrichtensprecher bei der „Rundschau“ und schließlich der Wechsel zum ZDF.

"Für einen politischen Journalisten konnte es kaum eine spannendere Aufgabe geben: Die ersten Live-Auftritte vor dem Kanzleramt, Koalitionsverhandlungen bis spät in die Nacht, Hintergrundzirkel und Reisen mit Ministern, Kanzler und Bundespräsident um die ganze Welt."

(Münchner Runde, 20.12.13)

Karriere beim ZDF

1988 wurde er stellvertretender Redaktionsleiter beim ZDF „heute journal“. Neben Hanns Joachim Friedrichs, Peter Voß und Ruprecht Eser war er der mit Abstand jüngste unter den vier Nachrichten-'Anchorman' in ARD und ZDF. Seine Gelassenheit und seine beharrliche Gesprächsführung wurden zu seinem Markenzeichen.

Geschichtsträchtiger Moment

„Was macht die Mauer dann noch für einen Sinn“. Mit diesen Worten begrüßte Sigmund Gottlieb die Zuschauer am geschichtsträchtigen Abend des 9. November 1989 im ZDF „heute journal“. Dass er gerade zum Augenzeugen einer Revolution wurde, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Neben der Papstwahl von Benedikt dem XVI. ist für ihn der Mauerfall bis heute einer der prägendsten Momente als Journalist.

Rückkehr zum Bayerischen Rundfunk

Nach erfolgreichen Jahren beim ZDF kehrte Sigmund Gottlieb 1995 in seine Heimat zurück und wurde Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens. Die Zuschauer kannten ihn besonders als Moderator von Sendungen wie dem „Brennpunkt“ in der ARD, der „Münchner Runde“ und als Kommentator in den „Tagesthemen“.

"Streitbar war ich immer, weil ich wusste: wir brauchen zu bestimmten Themen eine klare Haltung."

(WiWo, 30.03.17)

Klarer Standpunkt

Als er den Chefsessel an seinen Nachfolger Christian Nitsche übergab, bedeutete dies aber keineswegs den Rückzug ins ruhige Rentnerleben. Er ist ein gefragter Talkshowgast, Ehrenprofessor und Buchautor. Die Schärfe in seinen politischen Analysen ist geblieben, so twitterte er etwa vor den Landtagswahlen in Sachen und Brandenburg:

"Meine Meinung: Sachsen und Brandenburg sind auf einem guten Weg! Sie brauchen alles mehr als die AfD. Für eine Protestpartei mit brauner Grundierung zu stimmen, verbietet sich eigentlich, oder?"

(per Twitter, 01.09.19)


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