BR Fernsehen - Sonntags-Stammtisch


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Schauspieler und Regisseur Michael Lerchenberg

Egal ob als Schauspieler, Sänger, Regisseur, Autor oder Theaterleiter – Michael Lerchenberg gehört zu den vielseitigsten Bühnenkünstlern Deutschlands. Mehr als 20 Jahre lang war der Nockherberg so etwas wie sein zweites Zuhause. Aktuell tourt er mit Texten von Ludwig Thoma und Karl Valentin durch Bayern.

Stand: 07.11.2019

portrait | Bild: Michael Lerchenberg

Die Theaterwelt faszinierte den gebürtigen Dachauer bereits ganz früh:

"Die Kasperlfigur war das Idol meiner frühen Kindheit. Der kräftig austeilende, freche Kasperl ist ja auch der Urahn des politischen Kabaretts."

(Aus seinem Buch 'Donner und Blitz auf dem Nockherberg', 2011)

Bretter, die die Welt bedeuten

Nach dem Studium der Theaterwissenschaften legte er an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule das Fundament für seine schauspielerische Karriere. Danach spielte er an Theatern in Hamburg, Berlin, dem Münchner Volkstheater und an allen drei Münchner Staatstheatern. Und auch im Fernsehen war sein Erfolg unaufhaltsam. Unvergessen beispielsweise seine Rolle als Prälat Hinter im „Bullen von Tölz“ an der Seite von Ottfried Fischer und Ruth Drexel.

Karriere und Sturz am Nockherberg

Als Edmund Stoiber-Double schrieb er 23 Jahre lang Geschichte im Singspiel auf dem Nockherberg. Später wechselte er als Bruder Barnabas in Mönchskutte auf die Kanzel und las der bayerischen Politprominenz die Leviten. Zuerst viel umjubelt, sorgte er 2010 für einen handfesten Skandal: Er verglich den damaligen FDP-Chef Guido Westerwelle wegen dessen umstrittenen Äußerungen über Hartz-IV-Empfänger mit einem KZ-Aufseher. Nach der heftigen Kritik an seiner Rede trat er als Fastenprediger zurück. Über diese Zeit sagt er rückblickend:

"Aus genau diesem Grunde, was sich nach der Rede ereignet hat, könnte ich nie Politiker sein. Für diesen Job bin ich einfach zu ehrlich."

(tz, 24.02.11)

Mystische Theaterspiele in Oberfranken

Von 2004 bis 2017 verhalf er als Intendant – und immer wieder auch als Darsteller und Regisseur – den Luisenburg-Festspielen im oberfränkischen Wunsiedel zu neuem Glanz und Besucherrekorden. Für Michael Lerchenberg hat die Felsenkulisse der ältesten Freilichtbühne Deutschlands eine besondere Anziehungskraft:

Liebe zur bayerischen Literatur

Eine weitere Leidenschaft von Michael Lerchenberg: Den Menschen den Dialekt wieder näherzubringen. Gerne tut er das, wenn er den Texten bekannter bayerischer Dichter und Persönlichkeiten Leben einhaucht. Neben Karl Valentin hat es ihm dabei besonders Ludwig Thoma angetan:

"Ludwig Thoma war ein Zerrissener, ein königlich-bayerischer Monarchist, ein rauflustiger Anarchist, ein literarischer Sprengkörper, ein verletzlicher Mensch, der zuerst zuschlägt, weil er Angst hat, geschlagen zu werden."

(Gasteig, 19.01.17)


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