BR Fernsehen - Sonntags-Stammtisch


62

Volkssänger und Kabarettist Jürgen Kirner

Er ist in München und darüber hinaus „bekannt wie ein bunter Hund“: Jürgen Kirner, Frontmann der „Couplet-AG“ und Gründer der „Brettlbühne“ in München. Mit den „Brettl-Spitzen“ hat er sogar eine eigene Fernsehsendung. „Leben und Leben lassen“ heißt die sechste Ausgabe, die diesen Sonntag um 20.15 Uhr im BR-Fernsehen ausgestrahlt wird.

Stand: 14.03.2018

portrait | Bild: picture-alliance/dpa

Weil das Geld für den Besuch des Gymnasiums fehlte, lernte Jürgen Kirner, der 1960 im oberpfälzischen Hemau geboren wurde, Schaufensterdekorateur. Trotzdem zog es ihn schon immer auf die Bühne. Mit 15 Jahren gründete er die „Hemauer Rathaus-Gnauzn“ – die Lokalpolitik war eine dankbare Spielwiese für seine ersten Kabarettversuche.

Von der Oberpfalz ins liberale München

Aber irgendwann war das nicht mehr genug. Zumal das Leben als Homosexueller in der oberpfälzischen Provinz in den 80er Jahren einem Spießrutenlauf glich. In München fand er dann die private und künstlerische Freiheit, die er suchte. Er gründete im Wirtshaus zum Isartal die „Brettlbühne“, wurde „Turmschreiber“ und Chef der „Münchner Vorstadthochzeit anno 1905“, Münchens schönstem Künstlerball –  nicht zu vergessen, die legendäre „Couplet-AG“.

Aus Liebe zum Kehrvers: Die Couplet-AG

Sie gehört seit 25 Jahren zu den beliebtesten Musikkabarettgruppen Süddeutschlands – ausgezeichnet mit dem Bayerischen Kabarettpreis, dem Bayerischen Poetentaler und demnächst mit dem Dialektpreis Bayern. Dabei nehmen die Mitglieder der „Arterhaltungsgesellschaft“ des Kehrverses hinterfotzig und geistreich zugleich die tagesaktuelle Politik auf die Schippe. Aktuell touren sie mit ihrem Programm „Wir kommen –  Die Rache der Chromosomen“ durch Bayern.

Schwule Liebe im Volkstheater

Damit sorgte Jürgen Kirner für eine echte Revolution: Mit „Bäcker braucht Frau“ schrieb Kirner das erste Mal ein Stück für den Volkstheater-Sendeplatz im BR-Fernsehen, bei dem es um schwule Liebe geht. Es wurde Anfang März zur Primetime am Sonntagabend ausgestrahlt. Für Jürgen Kirner war das Stück ein echter Befreiungsschlag:

"Ich jedenfalls gebe so lange keine Ruhe, bis das Thema so normal ist, dass wir uns gar nicht mehr darüber unterhalten müssen."

(AZ, 01.12.17)

BR-Fernsehdirektor Dr. Reinhard Scolik war voll des Lobes für die Inszenierung durch das „Tangrintler Volkstheater“:

"Mit solchen Produktionen geht der BR neue Wege im Bereich Volkstheater und öffnet sich aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen mit liebevoll satirischer Betrachtung. (…) Es ist ein guter Anfang, dass das Tangrintler Volkstheater mit seinem kreativen Kopf Jürgen Kirner erstmals das Thema schwule Liebe auf die Brettl des traditionsreichen Volkstheaters im BR-Fernsehen gebracht hat."

(Die Mittelbayerische, 14.03.18)


62