BR Fernsehen - Sonntags-Stammtisch


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Journalist Heribert Prantl

Er gilt als einer der besten Leitartikelschreiber und Autoren Deutschlands. 31 Jahre lang war Heribert Prantl bei der „Süddeutschen Zeitung“, die letzten acht Jahre Mitglied der Chefredaktion. In dieser Woche trat der 65-Jährige von seinen Ämtern zurück, bleibt der Zeitung aber als Kolumnist und Autor erhalten: „Ich darf die Pflicht beenden und mich nun der Kür widmen.“

Stand: 27.02.2019

portrait | Bild: picture-alliance/dpa

Der gebürtige Oberpfälzer entdeckte schon als Jugendlicher seine Liebe für den Journalismus und schrieb bereits als 15-Jähriger fast täglich Berichte und Reportagen für die Lokalzeitungen seiner Region. Prantls Vater, Oberamtsrat und Stadtkämmerer, förderte das Talent seines Sohnes.

"Du warst ein großer Mann in einer kleinen Stadt. Du hattest nicht Lehrer gelernt, aber Du warst einer – Du hast mir, mit zwei Fingern auf die Olympia-Schreibmaschine hackend, gezeigt, wie Zeitungsschreiben geht."

(Heribert Prantl über seinen Vater im SZ-Magazin, 20.09.18)

Vom Gerichtssaal in die SZ-Chefetage

Neben einer journalistischen Ausbildung wandte sich Heribert Prantl nach dem Abitur  vor allem den Rechtswissenschaften zu: Nach Staatsexamen und Promotion machte er zunächst Karriere als Richter und Staatsanwalt.

"Paragraphen sind Schlüssel zum Verstehen unserer Gesellschaft. Ich wollte nicht nur klappern und Lärm machen, sondern sie wirklich benutzen."

(domradio.de, 25.07.18)

Diese Schlüssel ermöglichten ihm 1988 den Einstieg im Ressort Innenpolitik der „Süddeutschen Zeitung“. Später übernahm er dessen Leitung. Weitere Karrieresprünge folgten: 2011 wurde er Mitglied der Chefredaktion und vor einem Jahr Leiter des neu geschaffenen Meinungsressorts.

Provokanter Meinungsmacher

Heribert Prantl bezieht in seinen Kommentaren und bei seinen öffentlichen Auftritten klar Stellung. Einmal kamen nach einer Talkshow noch in der Nacht über 500 E-Mails, zum Großteil Droh-Mails. Er findet stets klare Worte, egal ob es um Merkels Flüchtlingspolitik oder die Zukunft der CSU geht. Aktuell ist für ihn, dessen Kindheit von den katholischen Eltern geprägt war, der Ausgang des Missbrauchsgipfels im Vatikan ein besonderer Aufreger:

"Wir stehen nicht nur vor einer Krise, sondern die Kirche steckt in einer Jahrtausendkrise. Und um aus einer Jahrtausendkrise herauszukommen, braucht man Jahrtausendreformen."

(Anne Will, 24.02.19)

Von der Pflicht zur Kür

Nun also nahm Heribert Prantl seinen Hut von allen offiziellen Ämtern bei der „Süddeutschen Zeitung“. Von starren Regelungen über den Eintritt ins Rentenalter hält er aber nichts, besonders nicht im Journalistenberuf. Heribert Prantl will sich künftig ganz der Kür widmen, sprich seinen Kolumnen und seinen Büchern. Im letzten Jahr ist sein neuestes Werk Vom großen und kleinen Widerstand – Gedanken zu Zeit und Unzeit“.


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