BR Fernsehen - Sonntags-Stammtisch


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Kabarettist Helmut Schleich

Mehrfach ausgezeichnet für seine legendären Parodien: Helmut Schleich ist einer der besten Kabarettisten Bayerns. Jetzt hat er gegen die FFP2-Maskenpflicht geklagt. Denn einige Corona-Maßnahmen gehen ihm zu weit.

Stand: 18.02.2021

portrait | Bild: picture-alliance/dpa

„Kultur ist Lebensmittel! Auch und gerade in der Krise“, schreibt Helmut Schleich auf seiner Webseite. Wie seine Kolleginnen und Kollegen der Branche musste auch er im vergangenen Jahr die meisten seiner Veranstaltungen Corona-bedingt verschieben oder absagen. Grundsätzlich hat er für die Einschränkungen Verständnis – sieht in einigen Bereichen die Verhältnismäßigkeit jedoch nicht gegeben und fordert mehr Unterstützung für Kulturschaffende.

Klage gegen FFP2-Maskenpflicht

Gegen die in Bayern verordnete FFP2-Maskenpflicht in ÖPNV und Handel hat Helmut Schleich im Januar sogar Klage am Verwaltungsgerichtshof eingereicht.

"Die FFP2-Masken gelten selbst nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung für den Privatgebrauch grundsätzlich als nicht geeignet. Wie sollen denn Herr Müller und Frau Meier die Masken sachgerecht aufsetzen? Hier ist die bayerische Staatsregierung eindeutig über das Ziel hinausgeschossen."

(AZ, 20.01.21)

Das Gericht lehnte den Eilantrag jedoch ab. Die FFP2-Masken böten "einen erhöhten Selbst- und Fremdschutz". Eine Gesundheitsgefahr sei dadurch nicht zu erwarten, auch die Kosten für die Anschaffung seien "grundsätzlich zumutbar", hieß es in der Entscheidung.

Paraderolle Franz Josef Strauß

Immerhin im BR Fernsehen kann Helmut Schleich auch während der Pandemie weiter Kabarett machen. Seine Sendung „SchleichFernsehen“ hat eine große Fangemeinde. Für seine Bühnenprogramme und künstlerische Leistung wurde der 53-Jährige bereits mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem 2015 mit dem Hauptpreis des „Bayerischen Kabarettpreises“ und 2017 mit dem „Salzburger Stier“.

Besonders legendär ist seine Rolle als Franz-Josef Strauß. 2010 schlüpfte er im Singspiel auf dem Nockherberg in die Rolle des bayerischen Landesvaters und landete damit einen vollen Erfolg.

"Vitalität - Brutalität - Sentimentalität. Aus diesen drei Quellen speist sich die Figur Strauß. Sprachgewalt kommt noch dazu. Was will man als Satiriker mehr? Damit kann man jeden und alles abwatschen. Herrlich!"

(Bayerische Staatszeitung, 27.09.18)

Kabarett als Selbstschutz

Helmut Schleich wuchs im oberbayerischen Schongau bei seinen Großeltern auf. Als seine Großmutter überraschend starb, verlor er als Sechsjähriger den Boden unter den Füßen. Er blühte nur auf, wenn er seine Verwandtschaft imitierte – oder später seine Lehrer.

In der 8. Klasse gründete er zusammen mit seinen Freunden Christian Springer und Andreas Rüttenauer die Kabarettgruppe „Fernrohr“. Mit seinen beiden Mitstreitern spielte und schrieb er bis 1997 zehn Bühnenprogramme, darunter auch „Die Geile Messe“, die wegen ihres kirchenkritischen Inhalts für Furore sorgte. Der Beruf des Kabarettisten ist für ihn auch eine Art Selbstschutz:

"Es ist sicher kein Zufall, dass ich diesen Beruf habe, weil der Beruf natürlich auch eine Ritterrüstung fürs Leben ist."

(BR Lebenslinien, 11.02.19)


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