BR Fernsehen - Sonntags-Stammtisch


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CSU-Politiker Erwin Huber

Er war Bayerischer Wirtschafts- und Finanzminister, CSU- Chef und Stammtisch-Gast der ersten Stunde. Nun tauschte Erwin Huber seinen Platz im Bayerischen Landtag gegen einen Platz im Hörsaal ein. Seit diesem Wintersemester studiert er Philosophie in München. 40 Jahre lang prägte er die Politik im Freistaat maßgeblich mit.

Stand: 12.12.2018

portrait | Bild: picture-alliance/dpa

Der Niederbayer stammt aus einfachen Verhältnissen. Nach der mittleren Reife ließ er sich zum Finanzbeamten ausbilden und holte das Abitur auf dem Abendgymnasium nach. Anschließend studierte er Volkswirtschaft an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

Politisches Multitalent

1978 wurde er erstmals in den Bayerischen Landtag gewählt. 1988 stieg Erwin Huber zum Generalsekretär der CSU auf. Der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber berief ihn zum Staatsminister und Leiter seiner Staatskanzlei. 14 Jahre lang gehörte er dem Kabinett in verschiedenen Funktionen an – darunter auch als Wirtschaftsminister und zuletzt als Finanzminister. Seinen Aufstieg schreibt er einem anderen großen Bayerischen Ministerpräsidenten zu:

"Mein Aufstieg war nur möglich, weil Strauß die CSU in eine moderne Volkspartei umgebaut hat. Aber natürlich muss ein erfolgreicher Mensch auch ehrgeizig sein. Und das bin ich."

(AZ,25.09.18)

Höhen und Tiefen der Politik

Im September 2007 dann sein politischer Höhepunkt: Er wurde als Nachfolger von Edmund Stoiber zum CSU-Parteivorsitzenden gewählt. Doch dieser Höhenflug war nicht von langer Dauer: Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl im Herbst 2008 trat er vom Parteivorsitz zurück. Wenig später gab er auch sein Amt als Finanzminister auf.

"Ich will nichts beschönigen, aber die Wunde 2008 ist vernarbt, ist Teil meines Lebens. Wer mit Niederlagen nicht leben kann, ist für dieses Metier nicht geeignet. Mit einem Rücktritt wird man nicht dümmer, eher noch schlauer."

(Die Welt, 30.09.18)

Kritik an Horst Seehofer

Dicke Freunde waren die beiden CSU-Größen Erwin Huber und Horst Seehofer noch nie. Und so fand Erwin Huber klare Worte, als im Sommer die Union am Asylstreit zu zerbrechen drohte: Der Rücktritt von Horst Seehofer sei „unausweichlich“. Nach dem schlechten Abschneiden der CSU bei der Landtagwahl resümierte er trocken über die Personaldiskussion:

"2018 gibt es niemanden, der bisher freiwillig seinen Rücktritt angeboten hat. Das ist ein Unterschied."

(Bayern2 15.10.18)

Abschied vom Landtag

Er habe sein Amt bis zum Schluss nicht als Austragshäusl verstanden. Trotzdem wolle er „nicht als seniler Greis im Landtag herumschlurfen“. Nach 40 Jahren machte Erwin Huber Schluss mit seiner Arbeit im Parlament Nun aber will er einen Studienabschluss in Philosophie machen, Klavierunterricht nehmen und  sich um seine Enkel kümmern. Der umtriebige Niederbayer betont:

"Ich werde aber kein unpolitischer Mensch sein."

(Augsburger Allgemeine, 23.09.18)


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