BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Das ViFest! Ein neuer kultureller Höhepunkt

„Event-Funkstille“ in Berlin? Nicht beim ViFest!, dem Festival von und für Jung und Alt. Das Besondere daran? Die Vielfalt der Gebärdensprache steht im Fokus – und nicht der Hörstatus. Sehen statt Hören war natürlich dabei.

Stand: 08.05.2019

Zwei Tage, verschiedene Bühnen, ein großes Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, zudem ein Wettbewerb – und Platz für über 850 Besucher: Das ViFest! ist neu und verspricht jetzt schon eine ganz besondere Dimension in der Gehörlosenkultur zu werden. Und das im Eiltempo: Nicht einmal ein Jahr hat es gedauert von der Idee des Festivals, dem Unterstützungsantrag bei „Aktion Mensch“ und nun der wirklich erfolgreichen Umsetzung des Festes.

Schon ab der Ankündigung für das ViFest waren Neugier und Interesse dafür in den Sozialen Netzwerken extrem groß. Kein Wunder, dass die Veranstaltung seit Wochen ausverkauft war.

Augenmerk auf den Nachwuchs

Eigentlich fing alles damit an, dass das traditionelle Gebärdensprachfestival „Goldene Hand“ nach 2010 nicht mehr zustande kam. Doch der Wunsch nach einem solchen Festival war immer noch da. Ludwig Leonhardt brachte schließlich den Stein ins Rollen als er Jolanta Paliszewska von Jubel3 e.V. seine Idee eines neuen Gebärdensprachfestivals schrieb.

Ab dann ging alles sehr schnell – und der Zuspruch war enorm: Alleine 65 Personen von jung bis alt haben sich angemeldet, um sich auf der Bühne zu präsentieren. Das Augenmerk legten die Organisatoren ganz klar auf den Nachwuchs: Kinder und Jugendliche sollten eine Bühne bekommen, ganz ohne  den Druck einer Jury. Das Motto des Festes sagt alles: „Sei mutig, sei kreativ, sei ViFest!“

Und für die „Alten“ steht ganz klar fest: Mit Veranstaltungen wie dem ViFest wird das kulturelle Erbe der Gebärdensprache von den „Jungen“ weitergetragen.

"Es geht um Identifikation und Vorbilder, von denen sie lernen können und das ohne Wettbewerb."

Ludwig Leonhardt

"Vor allem ist es für die Kinder und unsere Zukunft wichtig. Sie müssen gefördert werden, egal ob gehörlos oder hörend. Es geht um Gebärdensprache und das Miteinander."

Jolanta Paliszewska

Preise – vom Publikum

 Natürlich wurden  Preise vergeben, insgesamt vier: je einen für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen und einen Sonderpreis. Die ersten drei Preise wurden vom Publikum vergeben. Eine ganz bewusste Entscheidung der Initiatoren. Nur der Sonderpreis wurde vom Vorstand von Jubel³ verliehen. Damit soll eine außergewöhnliche Darbietung ausgezeichnet werden.

Beeindruckendes auf der Bühne

Eines kann man verraten: Die Entscheidung fiel allen schwer. Denn das, was da auf die Bühne gebracht wurde, war beeindruckend und enorm vielfältig: Theater, Solo – und Gruppenauftritten, Visual Vernacular und Poesie. Es war lustig und ernsthaft, mutig und berührend, es gab eindeutige und versteckte Botschaften. Am Ende der beiden Tage waren alle restlos begeistert.

Das Fazit: Eine Fortsetzung des ViFestes ist mehr als gewünscht.

Statements zum ViFest!

„Klar, wenn so ein ViFest einmal im Jahr ist, und Gehörlose so selten zusammenkommen, muss ich dabei sein. Hier kann ich gebärden und es ist meine Kultur. Ich brauche die Gebärdensprache. Immer nur bei den Hörenden etwas zu machen, ist nicht meins. Ich find es schön, hier bei den Gehörlosen zu sein.“

Dominik Nimar

„Mich beeindruckt die Vielfalt. Von jung bis alt, mischt sich hier alles miteinander. Bisher war es typisch, dass immer die Älteren aufgetreten sind und Beachtung fanden. Hier können die Kleinen auf die Bühne schauen und bekommen die Chance, selber im Rampenlicht zu stehen. Es geht auch um Selbstverwirklichung. Das ist schön und unterstütze ich sehr.“

Giuseppe Giuranna

„Die Organisatoren des ViFestes haben einen Ansturm von Teilnehmern erlebt. […] Früher war es bei den Gebärdensprachfestivals so, dass man die Leute gezielt ansprechen musste und dann auswählte. Hier werden alle eingeladen mitzumachen. Und so kommt es zu diesem Ansturm.“

Susanne Genc

Die Kinder waren super. Ich war hin und weg. Es ist – na klar – einfach immer schön, wenn Kinder gebärden. Was man aber sehen kann, ist, dass sie immer weniger Angst haben. Da war ich erstaunt. Damals war man ganz aufgeregt, vor so großem Publikum zu stehen, aber jetzt stehen sie ganz selbstbewusst auf der Bühne. Wahnsinn. 

Christina Schönfeld

„Was ich heute auf der Bühne gesehen habe, hat mich beeindruckt. Diese vielen Ideen, das Selbstbewusstsein - ich ziehe da meinen Hut, wie viel improvisiert wurde und wie stark all diejenigen sind  und es auch wie ein kulturelles Erbe, das wir weitergeben. Wir Alten, die früher aktiv waren, treten langsam zurück und geben das Erbe weiter. Die Jungen haben viel mehr Power und Stärke. Darüber freue ich mich wirklich sehr. So kann es weitergehen und darauf hoffe ich sehr.“

Alexandra Giuranna

„Ich würde mir wünschen, dass so ein Fest öfters stattfindet und nicht nur einmal und dann nie wieder. Denn die ganz Kleinen muss man unbedingt fördern.“


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