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Thomas Mitterhuber ... ... und die „neue“ DGZ

1950 wurde die Deutsche Gehörlosenzeitung (DGZ) als Mitteilungsorgan des Deutschen Gehörlosenbundes gegründet. Mittlerweile ist sie viel mehr als das: Sie ist ein modernes, professionelles und unabhängiges Blatt geworden. Maßgeblich beeinflusst hat das der derzeitige Chefredakteur Thomas Mitterhuber.

Stand: 16.01.2019

Ein wuseliges Großraumbüro mit vielen Rechnern und einer Menge tippender Autoren: Wer sich die Redaktion der Deutschen Gehörlosenzeitung so vorstellt, der irrt. Es ist ein kleines Büro, in dem die DGZ entsteht.

Thomas Mitterhuber in seinem Büro

Hier laufen die Fäden bei Thomas Mitterhuber zusammen: 38 Jahre alt, seit 2014 Chefredakteur der DGZ und studierter Kommunikationswissenschaftler. Diese professionelle Grundlage sieht er auch als Grund dafür, dass die Auflage des Blattes gestiegen ist.

"Die Umsetzung dieser Kenntnisse spiegelt sich in der journalistischen Arbeit wider – das hebt die Qualität. Ich denke, das schätzen auch die Leser, die so das Gefühl haben „mehr zu bekommen“. So haben sich die Zahlen positiv entwickelt – stimmt!"

Thomas Mitterhuber

Zielgruppe

Auch wenn das journalistische Handwerk eine wichtige Grundlage des Erfolgsrezepts ist. Als besondere Herausforderung sieht Thomas Mitterhuber, der gesamten Zielgruppe gerecht zu werden – also von jung bis alt.

"Früher hatten wir mehr ältere Leser, und ich wollte wieder mehr Jüngere gewinnen durch Themen, die für sie interessant sind, so dass für jeden was dabei ist."

Thomas Mitterhuber

Die Mischung macht‘s

In verschiedenen Rubriken wie Gebärdensprache, Bildung, Kultur, Politik, Sport und Leben werden die neuesten Nachrichten für die monatlich erscheinende Zeitung aufgeteilt. Dabei haben nicht nur Schwerpunktthemen sondern auch Ausgefallenes Chancen. Thomas Mitterhuber orientiert sich auch daran, was die Community in den Sozialen Medien diskutiert oder welche Leserbriefe ihn erreichen. Dabei setzt er vor allem auf eine gute Recherche und eine objektive Herangehensweise. Eigene Meinung hat für den Journalisten in seiner professionellen Arbeit nichts zu suchen. Dafür ist er offen für Kritik.

"Wenn man Kritik nur an sich abprallen lässt, ist das nicht professionell. Und das Schlüsselelement für guten Journalismus ist ohnehin, eine kritische Haltung zu haben, bei der Wahrheit zu bleiben und die Dinge nicht zu verschleiern oder um den heißen Brei herum zu reden – einfach die Fakten für sich sprechen zu lassen."

Thomas Mitterhuber

Auch selbst unterwegs

Thomas Mitterhuber sitzt natürlich längst nicht nur in seiner kleinen Redaktion und fasst die Berichte der quer über Deutschland verteilten Autoren in der DGZ zusammen: Er geht auch raus, sammelt Geschichten, ist vor Ort, unterhält sich, gewinnt Eindrücke, sieht sich mit offenen Augen den Alltag anderer Gehörlosen an – und bringt dann alles in eine schriftliche Fassung.

Die Historie der Deutschen Gehörlosenzeitung

1872

Der Gründer des ersten Gehörlosenvereins in Deutschland, Eduard Fürstenberg, hat damals auch die erste Zeitung im deutschsprachigen Raum herausgegeben. Da er selbst gehörlos war, war es also ein Angebot von Gehörlosen für Gehörlose –  mit dem Titel “Der Taubstummenfreund”.

1950

Nach dem zweiten Weltkrieg erschien die Deutsche Gehörlosenzeitung erstmals unter ihrem heutigen Namen als Verbandsblatt des Gehörlosenbundes. Ihre Redakteure - damals Schriftleiter genannt - waren zugleich auch Funktionäre von Gehörlosenverbänden. Friedrich Waldow war Redakteur der Deutschen Gehörlosenzeitung von 1950 bis 2010.

2010

Kerstin Reiner-Berthold übernimmt die Deutsche Gehörlosenzeitung als Herausgeberin und beginnt erste Modernisierungsprozesse.

2014

... holt die Herausgeberin Thomas Mitterhuber zur Deutschen Gehörlosenzeitung und macht ihn zum Chefredakteur.

Enge Zusammenarbeit mit Herausgeberin

Kerstin Reiner-Berthold

Thomas Mitterhuber ist nicht alleine verantwortlich für die DGZ: Er arbeitet in enger Abstimmung mit der Herausgeberin Kerstin Reiner-Berthold, die 2010 diese Position übernommen hat. Sie war es, die Thomas Mitterhuber 2014 eingestellt hat – und diese Entscheidung nie bereute. Im Gegenteil: Die saubere und professionelle Arbeitsweise und seine Stärken wie Geduld, Ausdauer, Ruhe und Ausgeglichenheit lobt Kerstin Reiner-Berthold auch nach fünf Jahren.

Kurzvita Thomas Mitterhuber

Thomas Mitterhuber ist in der Welt der Gehörlosen aufgewachsen. Er hat gehörlose Eltern, eine Schwester. 1986 wurde er in München an der Gehörlosenschule eingeschult. Im Laufe der Schulzeit widmete er sich schon dem Medium Zeitung, hat aktiv an der Abiturzeitung mitgearbeitet. Eine weitere Leidenschaft ist das Deutsche Gehörlosentheater, bei dem er aktiv mitgearbeitet hat. Studiert hat Thomas Mitterhuber zunächst Bio-Informatik. Doch das passte nicht so recht zu ihm. Am Ende entschied sich Thomas MItterhuber für Kommunikationswissenschaften – eigentlich ein Studiengang, der eher der hörenden Welt zugeschrieben wird. Das Studium beendete er mit dem Bachelor und arbeitete anschließend bei einem Online-Portal für Menschen mit Behinderungen. Hier wurde er später Redaktionsleiter. 2014 wechselte er schließlich zur DGZ. Thomas Mitterhuber ist verheiratet, hat mit seiner Frau Katharina drei Töchter, arbeitet in HomeOffice in einem Büro seines Zuhauses und kann so Familie und Beruf gut vereinen.

Wünsche für die Zukunft

Thomas Mitterhuber ist Meinungsvielfalt und personelle Vielfalt bei den Autoren wichtig: Sie sollen aus verschiedenen Städten kommen, Frauen und Männer sollen dabei sein – und möglichst auch unterschiedliches Alter haben. Hier hapert es noch ein wenig: Bislang besteht das Autorenteam vor allem aus jungen Leute. Ältere werden gesucht.

"Eine Zeitung kann nicht die Gesellschaft verändern. Ihre bzw. meine Aufgabe ist es, Inhalte zu vermitteln. Aber ich glaube doch, sie kann etwas in Bewegung setzen. Unsere Leser erhalten tiefere Einblicke in die verschiedenen Lebensbereiche Gehörloser: Wir berichten vom Deutschen Gehörlosenbund und Gehörlosen-Sportverband. Wir erzählen Geschichten von Menschen, die man sich zum Vorbild nehmen kann oder die besondere Barrieren zu überwinden hatten. Das bringt Prozesse ins Rollen. Ich merke an den Rückmeldungen, dass wir mit der Deutschen Gehörlosenzeitung schon etwas bewegen können."

Thomas Mitterhuber


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