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Die ersten Absolventen Studiengang Gebärdensprachdolmetschen in Landshut

Es beginnt im Wintersemester 2015/16: Erstmals können in Bayern Studierende das Handwerkszeug für den Beruf des Gebärdensprachdolmetschers erlernen. Jetzt haben die ersten Studenierenden ihren Abschluss gemacht – und werden sehnsüchtig auf dem Arbeitsmarkt erwartet. Doch kommen sie auch da an, wo sie am dringendsten gebraucht werden?

Stand: 06.03.2019

Aufregend waren sie, die Prüfungen der insgesamt 14 Absolventen: Nach sieben Semestern an der Hochschule Landshut konnten sie unter Beweis stellen, was sie in dieser Zeit in Sachen Gebärdensprachdolmetschen und Gehörlosenkultur  alles gelernt haben. Als erster Jahrgang in Landshut haben Studierende und Lehrende  sozusagen gemeinsam das neue Konzept der Hochschule getestet und bei Bedarf weiterentwickelt. Und damit sind die Absolventen natürlich etwas ganz Besonderes.

"Wenn ich insgesamt so zurückblicke… natürlich gab es am Anfang das ein oder andere. Ich war oft im Austausch mit den Kollegen anderer Hochschulen, die mir mit ihren Erfahrungen und ihrem Feedback sehr geholfen haben. Insgesamt hat die Umsetzung des Konzepts gut geklappt. Selbstverständlich gibt es immer Dinge, die man verbessern kann. […] Insgesamt kann ich sagen, dass diese 7 Semester gut gelaufen sind."

Prof. Dr. Uta Benner, Studiendekanin und Leiterin des Studiengangs „Gebärdensprachdolmetschen“.

Am Ende haben alle Landshuter Absolventen bestanden. Und sie werden bereits sehnsüchtig erwartet.

"Wir haben einen sehr hohen Bedarf an Dolmetschern. Deshalb hoffe ich, dass das Interesse an diesem Studium weiterhin groß bleibt und wir somit jedes Jahr einen Schwung von 15 – 20 neuen Dolmetschern bekommen. […] In ganz Bayern sind es nur etwa 100, das sind viel zu Wenige. Wir haben einfach einen hohen Bedarf."

Bernd Schneider, Landesverband Bayern

Mangel auf dem Land

Besonderer Mangel besteht in den ländlichen Regionen. In der Oberpfalz gibt es beispielsweise nur zwei Dolmetscher. Dabei wird der Bedarf mit zunehmender Inklusion noch weiter anwachsen.

"Ich hoffe natürlich zum einen, dass die Absolventen in Bayern bleiben und zum anderen, dass einige auch aufs Land gehen. Wenn alle nach München ziehen, bleibt die Versorgung auf dem Land weiterhin schlecht. Da hoffe ich auf eine bessere Verteilung."

Bernd Schneider, Landesverband Bayern

Doch die Absolventen haben ihre eigenen Pläne: Manche verlassen Bayern, andere ziehen Richtung oder direkt nach München. Für Dr. Uta Benner keine große Überraschung.

"[…] Als Berufsanfänger auf sich allein gestellt zu sein, ist nicht leicht. Gerade am Anfang braucht man die Unterstützung und Erfahrung von Kollegen. Wahrscheinlich ist es deshalb für Berufsanfänger leichter, sich in der Stadt niederzulassen, wo viele Kollegen sind, wo man Hilfe und Unterstützung erfährt. Vielleicht gehen dann ja später ein paar aufs Land…"

Prof. Dr. Uta Benner, Leiterin Studiengang Gebärdensprachdolmetschen

Mentoren für die Anfänger

Eine besondere Unterstützung erhalten die Berufsanfänger durch ein berufsbegleitendes Mentoring-Programm. Initiiert wurde es vom Bundesverband der GebärdensprachdolmetscherInnen Deutschlands (BGSD). Dabei hat jeder Dolmetscher einen Mentor an seiner Seite, den er jederzeit um Hilfe bitten und von dessen Erfahrung er profitieren kann. Und umgekehrt: Der Mentor bleibt durch die Hochschulabsolventen immer auf dem aktuellsten Stand der Forschung. All das dient der Qualitätssicherung und ist für alle Beteiligten – auch die gehörlosen Auftraggeber – von Vorteil.

Personalwechsel

Sabine Fries übernimmt die Stelle von Uta Benner

Nach den ersten Absolventen erfolgt an der Hochschule Landshut ein Personalwechsel: Zum Sommersemester übernimmt Prof. Sabine Fries die Studiengangsleitung von Prof. Dr. Uta Benner, die sich nun voll auf ihre Aufgaben als Studiendekanin konzentrieren kann. Ein Wechsel, der von Anfang an geplant war – um immer wieder frische Impulse und neue Ideen in den Studiengang zu bringen. Frau Prof. Fries wird sich engagiert dafür einsetzen, in Landshut perspektivisch einen Masterstudiengang Gebärdensprachdolmetschen anbieten zu können.  


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