BR Fernsehen - Sehen statt Hören


0

sportlich und inklusiv Radrennen für Jedermann in Landshut

Inklusion im Radrennsport – die hat beim Gehörlosensportverein Landshut bereits Tradition. Schon zum 6. Mal hat er ein „Radrennen für Jedermann“ organisiert. 100 Teilnehmer haben sich angemeldet, darunter 17 Gehörlose. Sehen statt Hören war dabei.

Stand: 11.06.2018

Alte Radrenn-Hasen, sogar eine deutsche Meisterin, aber auch absolute Neulinge, hörend, gehörlos, männlich, weiblich, alt, jung: Die buntgemischte Teilnehmerschar fiebert bereits auf das Rennen hin, während die Organisatoren die Strecke vorbereiten.

Und die hat es durchaus in sich! Deswegen werden an den kritischen Stellen wie engen Kurven und steilen Bergen Strohballen zum Schutz bei Stürzen platziert.

Wie alles begann …

Zum Organisationsteam des Gehörlosensportvereins Landshut gehören sechs Leute – eine gemischte Gruppe von Gehörlosen und Hörenden. Unter ihnen ist Gottfried Paulus, der von Anfang an dabei ist und das Rennen vor 6 Jahren mit initiiert hat. Wie kam die Idee überhaupt auf?

"Ich habe schon viele Jahre Radrennsport für Gehörlose organisiert. Als es bei den hörenden Radsportlern Probleme gab – die standen kurz vor der Auflösung – hat mich der Vorsitzende des hiesigen Radsportvereins gefragt, ob es möglich wäre, dass auch hörende Fahrer bei meinem Rennen mitfahren. Ich war sofort einverstanden. Probleme gab es nur mit dem Bayerischen Radsport-Verband, weil wir dort keine Mitglieder waren. Aber da hat sich der Vorsitzende drum gekümmert und seitdem läuft es super. Wir haben von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer."

Gottfried Paulus

Komplett gemischt

Die Teilnehmergruppe ist nicht nur gemischt gehörlos und hörend, sondern auch Männer und Frauen treten gemeinsam in die Pedale. Nur bei der Startaufstellung wird ein wenig „sortiert“: So starten die gehörlosen Radler aus der ersten Reihe, dahinter dann die Para-Cycler – und der ganze Rest im Anschluss. Ansonsten zählt Respekt und Rücksichtnahme. Es gilt 63 Kilometer zurückzulegen – das sind insgesamt 15 Runden.

"Dass hier die Hörenden mitfahren dürfen, ist gelebte Inklusion. […] Und wir in Landshut sind auch prädestiniert dafür, wir haben ja an der Hochschule, ich glaube, in Bayern den einzigen Studiengang für Gebärdensprachdolmetscher. Von daher ist das Thema für mich überhaupt kein neues."

Alexander Putz, Oberbürgermeister Landshut

Wie geht es aus?

Wie hat das Rennen schließlich geendet? Gab es Stürze oder Verletzungen? Das "Radrennen für Jedermann" ist auf jeden Fall ein sehr gutes Beispiel für gelebte Inklusion – das mit Sicherheit wiederholt wird.

"Für mich ist dieses Rennen sehr wertvoll. Es ist für uns Gehörlose insgesamt von  Vorteil. Denn damit zeigen wir auch: Es gibt den Gehörlosen-Radrennsport in Deutschland und wir freuen uns über Nachwuchs in diesem Bereich! Hörende Sportler sind bei diesem Rennen eingeladen. Sie können Gehörlose kennenlernen und sehen, wie sie fahren. So ist die Veranstaltung gewachsen: letztes Jahr waren es 60, dieses Jahr haben wir 95 Fahrer. Es werden immer mehr! Es ist ganz selbstverständlich, dass Gehörlose mit helfen – zum Beispiel auch durch Kuchenspenden - das klappt super!"

Thomas Hanke, GSV Landshut

Die Platzierungen

Gehörlose Frauen

Platz 1: Bianca Metz
Platz 2: Claudia Platzek
Platz 3:Barbara Brummer

Gehörlose Männer

Platz 1: Max Jehle
Platz 2: Stefan Kneer
Platz 3: Steffen Kern

Senioren

Platz 1: Volker Marks
Platz 2: Gerrit Besselink
Platz 3: Philipp Eisenmann


0