BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Integration Muslime in Deutschland

Die tägliche Berichterstattung wird aktuell beherrscht von Nachrichten über den hohen Flüchtlingsstrom nach Deutschland. Manche Bürger sind verunsichert, weil Menschen aus anderen Kulturen mit anderen Sprachen und vor allem einer anderen Religion herkommen. Doch wie leben muslimische Familien hier bei uns? „Sehen statt Hören“ hat eine besucht…

Stand: 19.06.2017

In Deutschland leben etwa 4 Millionen Muslime. Einer von ihnen ist Haci Bekir Günes. Er wohnt mit seiner Familie in einem Ort in der Nähe von Köln. In Deutschland haben sie ihre zweite Heimat gefunden.

Canan und Haci Bekir

Haci Bekir Günes lebt seit 13 Jahren in Deutschland. Geboren und aufgewachsen ist er in der Türkei.

Das Hochzeitsfoto

Als er seine zukünftige Frau Canan kennenlernte, war sie gerade 16 Jahre alt – und er alles andere als der Traumschwiegersohn für ihre Eltern. Sie wollten für ihre gehörlose Tochter einen hörenden Mann. Auch die Entscheidung des Paares, in Deutschland zu leben, war für die Eltern schwer zu verkraften – und das, obwohl auch Canans Familie zeitweise in Deutschland gelebt hat. Canan selbst ist in Deutschland zur Schule gegangen, hat eine Ausbildung als Raumausstatterin absolviert und immer fleißig gearbeitet. Als sie ihren Ehemann aus der Türkei nach Deutschland holen wollte, musste sie nachweisen, dass sie für ihren Lebensunterhalt sorgen konnte. Das konnte sie.

Zuhause bei den Kindern

Familie Günes

Obwohl Canan ihren Mann gut unterstützen konnte, war der Start für Haci Bekir im fremden Land schwer. Auch wenn er sehr schnell die Deutsche Gebärdensprache gelernt hat, gab es viele Hürden.  Er fand keine Arbeit. Als die beiden Kinder kamen, blieb also er zuhause, wurde Hausmann.

Haci Bekir Günes ist ein guter Schweisser

Das war für die beiden kein Problem, schließlich machen das viele so in Deutschland. Die anderen Türken im Freundeskreis redeten über die Günes – über diese sehr moderne  Form der Gleichberechtigung. Nach sieben Jahren bekam Haci Bekir die Gelegenheit, einen Lehrgang zu machen: Er wurde Schweißer, ein guter Schweißer und hat seitdem eine feste Stelle.

Haci Bekir Günes mit seiner Fußballtruppe

In seiner Freizeit ist er auch längst in Deutschland angekommen: So spielt Haci Bekir voll Begeisterung und mit vollem Einsatz in einer völlig durchmischten Fußballtruppe – für Herne.

Verein gegründet

Der muslimische Glaube ist  für Haci Bekir wichtig. Zunächst trifft er in der Moschee nur auf Hörende. Als er schließlich andere gehörlose Muslime kennenlernt, gründen sie zusammen  2010 den Verein „Deaf Islam e.V.“ in Köln – einen sehr aktiven Verein, der unter anderem über den Islam informieren will und sich für den Austausch mit Menschen anderer Religionszugehörigkeit einsetzt. Die Integration läuft insgesamt sehr gut – nur in der letzten Zeit ist ein leichter Umschwung spürbar: Die Stimmung bezüglich muslimischer Migranten sei in Teilen der Bevölkerung aggressiver geworden.

"Man bringt die Migranten mit der Terrormiliz in Verbindung. Dass ein solches Bild verbreitet wird, macht mich sehr traurig – es ist der falsche Weg."

Haci Bekir Günes

Integration geht weiter

Die Günes spüren in Deutschland vor allem eine offene und vielfältige Gesellschaft. Und so geht die Integration weiter: Die drei Söhne, alle gehörlos, absolvieren ihre Ausbildung in Deutschland. Wo sie später leben wollen – in der Türkei oder in Deutschland – das überlassen ihnen ihre Eltern aber selbst.


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