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Der Mauerlaufweg 100 Meilen gegen das Vergessen

28 Jahre lang trennte sie auf rund 160 Kilometer Länge die Menschen: die Berliner Mauer. Seit 2011 vereint sie einmal im Jahr noch anders – im Sport: Beim Mauerlaufweg liefen bislang Hunderte die ehemalige Grenzlinie entlang. In diesem Jahr sind erstmals über 2.700 Läufer aus 25 Ländern im Rennen. Das Team „Deaf Marathon“ ist auch mit am Start.

Stand: 06.09.2018

Mauerlaufweg 2018 in Berlin | Bild: BR

100 Meilen auf den Spuren der deutschen Geschichte laufen.

Das ist eine enorme sportliche Herausforderung: Der Ultramarathon kann als Einzelläufer in höchstens 30 oder als Staffel in 27 Stunden zurückgelegt werden. Das ist für trainierte Läufer zu schaffen. Die zweite Herausforderung ist sicher emotionaler Natur: Wer einmal rund um West-Berlin läuft, ist hautnah an vielen Schicksalen dran.

Erinnerung an die Mauer-Opfer

Die Mauer, die von 1961 bis 1989 dort stand, trennte nicht nur Familien und Freunde, sondern forderte auch zahlreiche Todesopfer. 138 sind es laut der „Stiftung Berliner Mauer“ mindestens. Und genau an die will der Lauf erinnern: Jeder, der das Ziel erreicht, erhält eine Medaille, auf der das Konterfei (= das Gesicht) eines Maueropfers geprägt ist. In diesem Jahr ist es Jörg Hartmann, der mit 10 Jahren als jüngstes Opfer sein Leben an der Berliner Mauer verlor.

Das jüngste Maueropfer

Jörg Hartmann war das jüngste Opfer, das an der Berliner Mauer sein Leben verlor. Am 14. März 1966 wurde Jörg im Alter von 10 Jahren gemeinsam mit seinem 13-Jährigen Freund Lothar Schleusener nach Einbruch der Dunkelheit im Grenzgebiet im Berliner Stadtbezirk Treptow als Schatten von einem Grenzsoldaten wahrgenommen. Beide Jungen wurden von dem Grenzsoldat erschossen. Der Vorfall wurde vom DDR-Regime verschleiert: Der Großmutter des Jungen wurde offiziell mitgeteilt, dass Jörg ertrunken sei. Erst nach der Maueröffnung wird die wahre Todesursache aufgedeckt. Ein Mahnmal erinnert heute an Jörg Hartmann, das auch die Mauerläufer passieren. Sie legten dort Spielzeug zum Gedenken und als Spende für Kinder ab.

Auch mancher Läufer hat eine persönliche Verbindung zum getrennten Deutschland.

"Meine Eltern sind gehörlos, die Mama stammt aus Polen, der Vater aus der DDR. Ich hatte dadurch die doppelte Staatsbürgerschaft. Als Kind durfte ich ein paar Mal mit meiner Mutter nach Westberlin. Ich erinnere mich noch an die Friedrichstraße und wie bunt da alles war. Mein Vater durfte uns leider nicht begleiten. Erst nach dem Mauerfall hat er das erste Mal den Westen sehen können. Erst später haben wir dann von den vielen Mauertoten erfahren, das ist schrecklich, einfach unvorstellbar."

Robert Boyde-Wolke

Das Deaf-Marathon-Team

Das Deaf-Marathon-Team besteht aus 16 Läuferinnen und Läufern, darunter auch große Namen wie Claudia Platzek (dreifache Deutsche Meisterin im Trathlon der Gehörlosen), Jörg Rosenbaum (Deaf-Weltrekordhalter über 100 Kilometer) und Dieter Norf (zweifacher Staffelweltmeister von 1989). Sie sind Teil der „Deaf Marathon“-Gruppe, die sich im Internet gefunden hat.

"Am Anfang stand die Idee und dann haben sich noch zwei Freunde gefunden, die auch mitmachen wollten. Die haben es dann weitererzählt und so hat es sich wie ein Lauffeuer verbreitet und es wurden immer mehr. Jetzt sind wir 30 Läufer aus ganz Deutschland und wir treffen uns oft auf verschiedenen Veranstaltungen in Berlin, Leipzig, München oder Hamburg."

Frank Lepach

Mauerweglauf als besondere Herausforderung

Die Organisation des Mauerweglaufs ist trotz der gemeinsamen Erfahrung etwas schwierig, denn gerade beim Staffellauf muss hier alles genau passen: Von der Orientierung über den zeitlichen Ablauf bis hin zu den strengen Regeln des Laufs muss vieles vorbereitet und beachtet werden. Und dann wird es ja auch irgendwann Nacht.

"Ich bin der letzte Läufer – und zwar zum ersten Mal nachts. Tagsüber bin ich schon gelaufen, letztes Jahr war ich bei den 42 Kilometern dabei, aber morgen laufe ich zum ersten Mal nachts. Ich bin total aufgeregt. Mit Stirnlampe und Warnweste. Da muss man viel vorbereiten."

Martin Vahemäe-Zierold

Am Vorabend sind die Läufer nervös.  Wie es wohl gelaufen ist?

Ganze Sendung zum Nachschauen


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