BR Fernsehen - Sehen statt Hören


14

Teil 2 Die 6. Kulturtage in Potsdam

Und nochmal 30 Minuten, Kulturtage „XXL“ – das verspricht der zweite Teil des Berichts, den das „Sehen statt Hören“-Team während der drei vielfältigen und informativen Tage in Potsdam aufzeichnete. Die Moderatoren Anke Klingemann, Ace Mahbaz und Thomas Zander haben auch hinter die Kulissen geschaut, mit den Beteiligten und Besuchern gesprochen und einige Besonderheiten entdeckt.

Stand: 05.06.2018

Gleich zu Beginn war Ace Mahbaz hinter der Bühne mit dabei: Wie bereitet sich  Luis als Sidekick (englisch:  Kumpel) von Andreas Costrau  auf seinen ersten großen Auftritt in der Talkshow vor? Luis war einer der ganz wenigen Jugendlichen, die bei den Kulturtagen auf den Bühnen standen.  

"Beim Gebärdensprachfestival ist mir schon aufgefallen, dass die Jugendlichen auf der Bühne fehlen und ich habe angefangen zu überlegen, wie man das ändern könnte. Ich habe Luis durch Tomato kennengelernt und da kam mir die Idee ihn mit auf die Bühne zu holen. Er hat sofort ja zu der Idee gesagt, ich war total überrascht. Damit fing es an und wir haben am Konzept gearbeitet und uns immer wieder getroffen und noch besser kennengelernt und Ideen ausgetauscht. Ich bin noch immer begeistert."

Andreas Costrau

Die Einbindung des Jugendlichen fand großen Anklang – und könnte ein Startschuss für eine „Verjüngung“ auf der Bühne sein.  Luis Vater, Tomato, ist begeistert vom Auftritt seines Sohnes. Er selbst ist mit „Trio Art“ bereits sei 1994 auf den Bühnen unterwegs. Seither hat sich seiner Meinung nach viel verändert.

"Ich habe das Gefühl, dass wir früher viel mehr gesellschaftliche Themen auf die Bühne gebracht haben. Heute ist es viel abstrakter. Natürlich hat sich auch die Technik unheimlich weiterentwickelt und es gibt dadurch noch viel mehr Möglichkeiten, moderne Medien einzubinden. Dadurch hat sich viel verändert. Es passt sich eben alles auch an die jeweiligen Umstände an."

Tomato

Politik gehört zur Kultur

Politisches darf auf den Kulturtagen schon traditionell nicht fehlen – schließlich war die auch irgendwie der Startschuss für die kulturelle Veranstaltung vor 25 Jahren. Damals gab es eine große Protestbewegung. Die Forderung: die Anerkennung der Gebärdensprache. Dieses Ziel ist erreicht – ein großer Durchbruch. Doch auch heute gehört Politik dringend zur Gehörlosenkultur.

Zitate zur Politik bei den Kulturtagen

Jürgen Stachlewitz

„[…] die Politik ist jetzt vielschichtiger in Zeiten der Inklusion. Es gibt viele Unklarheiten und verschiedene Wege, die eingeschlagen werden können. Ich glaube, vielen fehlt es an ausreichendem, politischem Verständnis, leider. Sie denken mit der Anerkennung der DGS ist alles erreicht, aber das stimmt nicht, es sind noch viele Fragen offen.“

Björn Blumeier

„Ganz klar, wir müssen uns aufraffen. Selbstverständlich gibt es unterschiedliche Meinungen und Diskussionen, aber wir haben alle ein gemeinsames Ziel: Barrierefreiheit. Dazu müssen wir über Differenzen hinwegsehen und zusammenarbeiten, dann können wir es schaffen.“

Stefan Goldschmidt

„Politik ist nach wie vor ein Thema und wird es auch bleiben. Aber anders als damals, wo es hauptsächlich um die Anerkennung der Gebärdensprache und damit verbunden die hochemotionale Identitätsfindung ging, hat es sich im Laufe der Zeit auf ganz unterschiedliche Ebenen verlagert und ist dadurch vielseitiger geworden.“

Ein Garant für gute Unterhaltung

Das ist Eyk Kauly. Ob als Gretchen oder doch Conchita Wurst II., wie böse Zungen behaupten: Mit Eyk auf den Kulturtagen ist ein ganz besonders unterhaltsamer Genuss!

Und zum krönenden Abschluss wurde  auf der Abschlussparty lange und sehr ausgelassen gefeiert.

Näher zusammen

Ein weiterer, sehr erfreulicher „Nebeneffekt“ der Kulturtage: In vielen Hotels Potsdams sind größere Gruppen gehörloser Gäste einquartiert – und viele haben bereits vor der Veranstaltungshalle sehr guten Kontakt untereinander geschlossen – eine weiterer Schritt in Richtung funktionierende Vernetzung.


14