BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Mehrwert oder nicht? Musikdolmetschen - ein neues Angebot für Gehörlose

In der Gehörlosengemeinschaft wird das Thema Musikdolmetschen gerade heiß diskutiert.

Stand: 19.12.2018

Es scheint, als wäre die Begeisterung groß, wenn Hörbehinderte, die sonst kaum einen Zugang zur Musik haben, auf Konzerte gehen können, weil Veranstalter ihre Konzerte mit Gebärdensprachdolmetscher*innen anbieten. Songtexte, Rhythmen, Melodien und Geräusche werden auf einmal auf der Bühne in Gebärdensprache sichtbar. Die Freude ist nicht nur bei den interessierten Gebärdensprachnutzer*innen groß. Auch diejenigen Konzertbesucher, die keine Gebärdensprache beherrschen, sind von der simultanen Übersetzung fasziniert. Ein Gewinn für alle – könnte man meinen.

Martin*a Vahemäe-Zierold hat die Debatte angestoßen

In letzter Zeit wurden zunehmend auch Stimmen laut, die das Musikdolmetschen kritisch sehen. Die einen finden die Übersetzungsleistung nicht gut genug, die anderen haben ein Problem damit, dass man nicht mehr unterscheiden könne, ob ein Musikstück nur gedolmetscht wird oder die Dolmetscher auf der Bühne als Künstler agierten. Im Fokus der Kritik steht häufig eine Person - die Gebärdensprachdolmetscherin, Laura M. Schwengber. Sie dolmetscht seit vielen Jahren kleine und große Konzerte. Dabei bleibt es aber nicht. Denn Medien sind von ihrer Tätigkeit beeindruckt. Und so ist sie häufig zu Gast in verschiedenen Sendungen und Talkshows. Ein vehementer Kritiker von Laura M. Schwengber ist der Berliner Grünen-Politiker, Martin*a Vahemäe-Zierold. Sein Vorwurf: „Kulturelle Aneignung“. In einem taz-Artikel, mit dem Titel „Eine optische Täuschung“ schildert er seine Argumente. 

Der Artikel, mit dem alles begann

Doch was meinen andere dazu?

Stellungnahmen

Der Bundesverband der Gebärdensprachdolmetscher Deutschlands…

erklärt in einer Stellungnahme, dass Musikdolmetschen eine ganz besondere Form des Dolmetschens darstelle und man sich in der Musik gut auskennen müsse, um das übersetzen zu können. Zugleich sei das Musikdolmetschen auch eine Chance, weil Gebärdensprache so für alle wahrgenommen werde.

Der Berufsverband der tauben Gebärdensprachdolmetscher …

ist der Ansicht, dass Taube durchaus Musik verdolmetschen könnten und dies bei Gehörlosen sogar besser ankäme.

Dolmetscher …

die anonym bleiben wollen, haben ebenfalls Stellung bezogen: Ihnen geht es gar nicht so sehr um das Musikdolmetschen allein. Man müsse vielmehr darauf schauen, welche Rollen und welche Machtverhältnisse gegeben seien. Die Diskussion müsse aus einer anderen Perspektive geführt werden.

Stellungnahme Bundesverband der Gebärdensprachdolmetscher/-inn​en Deutschlands e.V. Format: PDF Größe: 220,92 KB

Stellungnahme des Berufsverbands der tauben Gebärdensprachdolmetscher Format: PDF Größe: 1,37 MB

Stellungnahme einer Gruppe anonymer Gebärdensprachdolmetscher Format: PDF Größe: 82,47 KB

Eine Podiumsdiskussion

Sehen statt Hören-Moderatorin Anke Klingenbach besuchte eine Podiumsdiskussion in Köln, auf der das Thema kontrovers und emotional diskutiert wurde.

Was dabei herauskam? Seht selbst …


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