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Geschichten, Poesie, Märchen Das Kindergebärdensprachfestival

Märchen zum Staunen, witzige Geschichten zum Lachen, Originelles und Abenteuerliches und ganz viele Gänsehautmomente: Für die fünf Jurymitglieder keine leichte Entscheidung bei insgesamt 34 tollen Beiträgen in drei Altersstufen. Auch Amelie ist wieder dabei. Aber sie ist noch unschlüssig, welche Geschichte sie präsentieren soll: Die Zoogeschichte oder doch lieber S.O.S?

Stand: 11.09.2018

Amelie beim Kindergebärdensprachfestival | Bild: BR

Amelie hat schon bei den ersten beiden Kindergebärdensprach-Festivals mitgemacht: Mit ihrer Hundegeschichte hat sie 2016 sogar den 1. Platz belegt. Im letzten Jahr hat sie „Die Froschkönigin“ präsentiert. 

Amelie sucht ihre Geschichte aus

Aber in diesem Jahr fällt ihr die Auswahl wahnsinnig schwer. Amelie ist inzwischen 7 und damit in der Altersgruppe der 6- bis 9-jährigen. Die Kinder sind aufgeregt. Alle sind hochmotiviert und geben ihr Bestes.

Sie haben sich poetische, originelle oder abenteuerliche Geschichten ausgedacht oder ausgesucht – und viel geübt: Beim Kindergebärdensprachfestival dürfen sie nun zeigen, wie gut sie erzählen können. Bereits zum dritten Mal wurde das Festival in diesem Jahr von Biling e.V. organisiert.

Was ist Biling e.V.?

Biling e.V. ist eine Interessengemeinschaft bestehend aus hörenden, schwerhörigen und gehörlosen Menschen, die sich für die Förderung und den Ausbau von bilingualen Informations- und Bildungsangeboten einsetzt. Viele der Mitglieder sind Eltern von gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Kindern. Der Name „BILING“ steht für bilinguale Bildung, in diesem Fall ist speziell die Zweisprachigkeit mit Deutscher Laut- und Gebärdensprache gemeint.

Begeistertes Publikum

Rund 240 Besucher sind nach Dörnfeld in Thüringen gekommen, um die jungen Gebärdensprachkünstler zu sehen.  Für welche Geschichte sich hat sich Amelie entschieden und kann sie damit gewinnen?

Fachvorträge, Vernetzung, Engagement

Rund um den Geschichtenwettbewerb gibt es für die Eltern interessante Fachvorträge und Workshops.  Dabei ging es in diesem Jahr beispielsweise um die Erfahrungen im bilingualen Unterricht Diskussionen und ein anschließender Austausch sind dabei ausdrücklich erwünscht. Denn das Elternengagement ist wie z.B. die von Magdalena Stenzel aus Dresden initiierte Petition „Gebärdensprache umsetzen! Bilingual - bimodal - endlich normal!“ gerade im Bildungsbereich eine wichtige Komponente.

Väter und Mütter oder Großeltern sind es vor allem, die gemeinsam oder als Einzelkämpfer Neuerungen für ihre Kinder durchsetzen, die sich mit Behörden und Politikern auseinandersetzen und keinen Weg und Widerstand scheuen. Denn sie sehen ganz klar die Vorteile, die ihre Kinder daraus ziehen, wenn sie beispielsweise bilingual unterrichtet werden – und wenn immer mehr Menschen die Gebärdensprache beherrschen. Am Ende profitieren alle. Da sind sich die engagierten Eltern sehr sicher.

"[…] das Recht auf aufwachsen mit Gebärdensprache und auf Bildung mit Gebärdensprache und auch auf entsprechende Pädagogen ist eigentlich da, wir haben die UN-Behindertenrechtskonvention und trotzdem wird es nicht umgesetzt und darauf wollen wir eben hinweisen: Politiker, Verwaltung – die müssen das wissen, dass es da ein Problem gibt. Und dieses Problembewusstsein wollen wir gerne eben schaffen. Und deswegen haben wir die Petition gestartet. Und da kann jeder mitmachen, uns unterstützen, und eben was für die Zukunft tun."

Magdalena Stenzel

So endet das Kindergebärdensprachfestival auch im dritten Jahr mit beeindruckenden  Ergebnissen: Neuen Vernetzungen, viel entfachtes Engagement – und natürlich glücklichen Kindern und stolzen Preisträgern.


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