BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Geburt Gehörlos im Kreißsaal

Eine Geburt – was für ein großer, emotionaler Moment, wenn der neue Erdenbürger endlich das Licht der Welt erblickt. Damit bei der Geburt alles glatt geht, ist eines besonders wichtig: Kommunikation.

Stand: 30.07.2018

Die werdende Mutter muss sich mit Hebamme und Arzt schnell und unkompliziert austauschen können, damit alle nötigen Maßnahmen schnell getroffen und Anweisungen umgesetzt werden können. Wie funktioniert das aber, wenn die Schwangere gehörlos ist? Unter starken Schmerzen funktioniert Lippenlesen oder das Ablesen von Zetteln nicht. Anke Klingemann begleitet für Sehen statt Hören zwei Paare in den Kreißsaal.

Marlene und Fabio

Marlene Schneiderbanger und Fabio Del Tufo bekommen ihr erstes Kind. Doch während sich der Nachwuchs nicht an den errechneten Geburtstermin hält, steigt die Aufregung bei den werdenden Eltern: Fabio kann etwas hören und sich so mit Ärzten und Hebamme austauschen. Er übernimmt die Übersetzung  zu Marlene. Aber um mit Marlene kommunizieren zu können, muss er Blickkontakt zu ihr haben – auch während der Wehen. Die beiden vertrauen auf ihren Frauenarzt Dr. med. Mohammed Massarue, den sie bereits seit sieben Jahren kennen – und auf die Hebamme, die sie vorbereitet hat. Im Hebammenzentrum arbeitet Edith Nagy, eine Verwaltungsmitarbeiterin, die gebärden kann. So hat das Zentrum einen Kurs eingerichtet, extra für gehörlose Schwangere.

"Ziel ist von unserem Kurs für die gehörlosen Frauen ist, dass sie so gut vorbereitet sind, dass in der Situation, in der die Kommunikation möglicherweise nicht funktioniert, sie auf diese Vorbereitung, diese Erfahrung zurückgreifen können und im Notfall auch alleine durch die Geburt kommen und sich sicher fühlen und informiert fühlen."

Verena Spence, Hebamme

Doch ist Marlene tatsächlich gut vorbereitet? Und wie klappt die Kommunikation während der Schmerzen? Wird alles glatt laufen?

Kelly und Tom

Kelly und Tom Staudt erwarten bereits ihr zweites gemeinsames Kind. Sohn Viktor kam vor zwei Jahren per Kaiserschnitt zur Welt. Sie wissen also, dass bei Geburten auch Unvorhergesehenes passieren kann. Damals lief die Kommunikation nicht optimal. Umso wichtiger ist es den beiden jetzt, schon bei den Vorbesprechungen mit dem Arzt, aber auch bei der Geburt selbst eine Dolmetscherin dabei zu haben.

Und das ist bei dieser Geburt dann auch tatsächlich wichtiger als gedacht: Dolmetscherin Sabine Goßner erlebt einen Marathon-Einsatz.

Stand-by-Dolmetscher

Manche Dolmetscher bieten für solche Situationen einen Bereitschaftsdienst an. „Stand-by-Dolmetscher“ organisieren sich für solche Situationen untereinander und wechseln sich mit der Bereitschaft ab. Bezahlt wird dieser Einsatz von der Krankenkasse, egal wie  lange die Geburt dauert.


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