BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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20 Jahre, 7 Preise, 6 Gruppen Das DEGETH 2017

1997 trafen sich erstmals verschiedene deutsche Gebärdensprachtheatergruppen zu einem Festival– dem DEGETH-Festival. In diesem Jahr fand das Festival bereits zum siebten Mal statt. Und es wurden wieder viele Preise vergeben. Sehen statt Hören war dabei.

Stand: 07.11.2017

Sechs Gruppen aus ganz Deutschland standen beim DeGeTh-Festival in Unterföhring bei München innerhalb von zwei Tagen auf der Bühne: die Theaterlöwen, Kat & Mat, Gestus, BLACO, Alphatanztheater und das Berliner Tauben Theater.

Ein ausverkaufter Saal

Schon Wochen zuvor waren alle Plätze im Zuschauerraum restlos ausverkauft – und die Schauspieler ganz aufgeregt in ihren Proben. Kein Wunder: Die meisten Gruppen haben sich erst vor kurzem gegründet, manch einer der Schauspieler stand zum ersten Mal auf der Bühne. Sogar Kinder waren mit dabei, die Jüngste ist gerade einmal acht Jahre alt. Alleine Gestus aus München kann als Ensemble auf eine lange Erfahrung zurückblicken – seit 18 Jahren spielen sie miteinander.

Neuer Trend?

Ist das eine normale Erneuerung der Theaterlandschaft oder ein tiefgreifender Wandel hin zu kleinen spontanen Formationen? Darüber ist man sich in der Szene nicht ganz einig. Um Theaterformationen länger zu erhalten oder auch ambitionierte Schauspieler zu motivieren neue Gruppen zu bilden, denkt man im Rahmen des DEGETH bereits darüber nach, ob und wie finanzielle Unterstützung  organisiert werden kann.

Vom Serienmörder zum Smartphone-Junkie

Blaco widmete sich der schnelllebigen Zeit ...

Auch die Themen der Stücke hätten unterschiedlicher wohl nicht sein können: Ein Serienmörder berichtet einer Therapeutin von seinen Taten, ein krisengebeutelter junger Mann wird in eine Sekte hineingezogen. Es geht um die Einsamkeit, die man mitten in einer Gruppe verspüren kann oder das stark veränderte Leben mit dem Smartphone. Identität ist ebenfalls ein großes Thema. Und das Leben einer einsamen Frau, die ihren gewalttätigen Mann umgebracht hat.

Preise

Die Trophäe des DeGeTh

Für all die besonderen Aufführungen wurden natürlich auch Preise verliehen. In diesem Jahr sogar noch zwei mehr: Ausgezeichnet wurden wie immer die beste Schauspielerin (Bettina Kokoschka) und der beste Schauspieler (Dominik Nimar) sowie die beste Theatergruppe (Alphatanztheater) und die beste Kulisse (Berliner Tauben Theater). Zum zweiten Mal wurde der Publikumspreis verliehen, der in diesem Jahr an BLACO ging – und zum ersten Mal verlieh die Jury auch den DeGeTh-Preis – der an BLACO und Kassandra Wedel ging.

"Den „DEGETH Preis“ kann man auch mit einem ganz kurzen Auftritt bekommen, der aber vielleicht besonders beeindruckend war. Ganz egal ob groß oder klein oder stellvertretend für eine ganze Gruppe. Darum geht es bei diesen beiden neuen Preisen."

Ralph Brauns, Juryleiter DeGeTh

Exklusiv: Die Theaterstücke des DEGETH zum Nachschauen:

Jury

Die Jury bei der Beratung

Die sechsköpfige Jury hatte sich ihre Entscheidungen nicht leicht gemacht. Die Preisrichter waren in diesem Jahr wieder international und hochkarätig besetzt: Neben Jury-Leiter Ralf Brauns stimmten auch Schauspieler, Regisseur und Autor Ace Mahbaz, die türkischstämmige norwegische Schauspielerin und Leiterin eines kulturellen Informationskanals Ipek Mehlum, Katja Fischer - Hochschuldozentin für Gebärdensprachdolmetschen und leidenschaftliche Aktivistin in sozialpolitischen Belangen, Stefan Goldschmidt, Soziologe, Lektor und Preisträger des letzten DEGETH sowie Rafael Ugarte Chacón, einziges hörendes Mitglied, der eine theaterwissenschaftliche Doktorarbeit über Theater für Gehörlose und Hörende europaweit verfasste. Und natürlich durfte auch das Publikum wieder seinen Preis verleihen.

Alles in allem: Wieder ein großartiger Erfolg – und ein großes Jubiläum.

Mehr Infos zum Festival findet man unter


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