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Tattoos Unter die Haut ...

Tattoos sind in: Immer mehr Menschen lassen sich tätowieren. Haut wird zur Fläche für Kunstmotive, Lebensmottos, Erinnerungen, Bilder und Sprüche der Liebsten. Und auch Deaf Tattoos sind inzwischen im Trend.

Stand: 20.03.2018

Deaf Tattoo | Bild: BR

Deaf Tattoos? Ja, zum Beispiel ein „ILY“-Symbol am Hals, der Brust oder dem Oberarm. Oder ein durchgestrichener Lautsprecher hinter dem Ohr, ein Hörgerät oder ein Schriftzug „Out of Order“.

Tätowierer Björn zeigt sein "Deaf Life"-Tattoo

All diese Symbole bringen zum Ausdruck: Gehörlose sind stolz auf ihr Leben, fühlen sich keinesfalls minderwertig sondern ebenbürtig, stark und selbstbewusst – und zeigen das auch mit ihren Tattoos.

"Gehörlose möchten damit zeigen: „Ich bin gehörlos und nicht krank!“ Meine Ohren sind defekt, na und? ICH kann‘s … Ich habe zum Beispiel eine Sprache, ich bin gesund!"

Deaf Kat Night

Rund ums Tätowieren

Die Vorschriften für Tätowierer sind streng: Auf die Hygiene muss penibel geachtet werden, damit keine ansteckenden Krankheiten übertragen werden. Bevor die Nadel anfängt zu stechen, muss außerdem abgeklärt sein, ob Allergien, Diabetes oder eine Schwangerschaft beim Kunden vorliegen – und bei Jugendlichen unter 18 müssen die Eltern einverstanden sein. Alle Farben, die verwendet werden, müssen geprüft und zertifiziert sein. Die Schmerzen, die die Nadel mit ihren 150 Bewegungen pro Minute verursacht, muss jeder selbst ertragen. Weh tut es vor allem dort, wo die Nadel auf den Knochen trifft oder die Haut eher fein ist. Ein bis zwei Stunden dauert so ein Termin schon mal.

Nach dem Stechen sollte man das Tattoo erst einmal sorgfältig pflegen. Mit speziellen Cremes und Salben.  Wegen der Entzündungsgefahr darf man auch erst einmal nicht Schwimmen. Worauf man sonst noch achten muss, sollte unbedingt mit dem Tätowierer besprochen werden.

Deaf Tattoos – weltweit

Weltweit gibt es etwa 30 gehörlose Tätowierer. Sie kommen aus Amerika, Japan, Taiwan, Italien, Frankreich und anderen Ländern zu internationalen Eventszusammen, um sich auszutauschen. Zur Deaf Tattoo Expo „Silent Tattoos“ im Mai in Nürnberg werden wieder viele Besucher erwartet.

Gehörlose Tätowierer in Deutschland

Björn Blumeier

Keiner kennt die Deaf-Tattoo-Szene so gut wie der Berliner. Er liebt die Gehörlosenkultur und lebt für sie. „DEAF-LIFE“, dafür brennt er. Deshalb hat er auch die Deaf Tattoo Expoins Leben gerufen, die in diesem Jahr in Nürnberg stattfindet. Das Besondere daran: die Kommunikation. Hier können sich alle  klar verständigen  und ihre Erfahrungen und Ideen austauschen.  Die Atmosphäre ist warmherzig und familiär. Kein Wunder also, dass der Andrang groß ist.

Juliane Kohler

Sie lebt in Eberhardszell in Baden-Württemberg, kommt aus einer künstlerischen Familie und hat bereits als Kind leidenschaftlich gern gezeichnet und gemalt. Später im Internat ist die Malerei wichtiger Halt gegen die Einsamkeit. Nur in ihrer Kunst habe sie sich damals wohlgefühlt, sagt sie heute. Künstlerisch sollte auch der Beruf sein: Sie machte eine Ausbildung zur Glas-und Porzellanmalerin, eine weitere zur Malerin und Lackiererin, lernte Modedesign, wurde auch noch Diplom-Airbrusherin und arbeitete als Bühnenmalerin am Theater. Schließlich versuchte sie es als Tätowiererin – und blieb dabei.

Gabor Gerely

Der gebürtige Ungar arbeitet seit über 20 Jahren als Tätowierer. Gelernt hat er den Beruf in Belgien, lange arbeitete er in Ungarn und seit 2014 ist er in Köln. Schon in der Kindheit liebte er es zu malen, und in seinen Zeichnungen entstanden immer phantasievollere Welten. Sein Berufswunsch war schon früh klar: Künstler! Als er eines Tages Menschen mit Tattoos in prachtvollen Farben sah, kam ihm der Gedanke, als Tätowierer zu arbeiten.


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