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Eine Ära geht zu Ende Das Clubheim in der Schönhauser Allee muss gehen

Berlin, Schönhauser Allee. In der Kulturbrauerei hat der Förderverein der Gehörlosen der neuen Bundesländer e.V. seinen Sitz. Und das bereits seit 50 Jahren. Doch diese Ära geht nun zu Ende.

Stand: 22.05.2018

Umzug Clubheim Schönhauser Allee | Bild: BR

Karlheinz Kunze ist seit vielen Jahren  das Gesicht des Vereins und hat mit ihm den Aufbau, die Wende und viele weitere geschichtsträchtige Veränderungen erlebt. Die jüngste Veränderung, die ansteht, ist jedoch sehr schmerzhaft: Der Verein muss  die Kulturbrauerei  verlassen.

Enorme Mietpreiserhöhungen

Der Eigentümer des gesamten Grundstückes der Kulturbrauerei mit einer Fläche von 30.000 Quadratmetern ist die TLG Immobilien AG. Sie ist ein börsennotiertes  Unternehmen und zählt zu den größten Immobilienanbietern in den neuen Bundesländern. Die TLG hat das Mietverhältnis mit dem Förderverein überprüft. Ihre Feststellung: Der Mietpreis, der bislang bezahlt wurde, sei nicht mehr tragbar.  Doch die vorgeschlagenen Mietpreiserhöhungen sind enorm. Der Prenzlauer Berg gehört mittlerweile zu den  begehrtesten Bezirken Berlins: 20 Euro als Quadratmeter-Mietpreis sind hier keine Ausnahme mehr. Nicht nur der Förderverein kann sich das nicht leisten – auch andere Anwohner des Viertels protestieren gegen die enormen Mietsteigerungen.

Die Erhöhung

Es gab viele Diskussionen innerhalb des Fördervereins.

Der Verein bezahlt bisher für 566 Quadratmeter inklusive Betriebskosten eine Miete von 4.342 Euro. Die TLG macht den Vorschlag, den Mietpreis auf 9.150 Euro zu erhöhen - befristet auf 3 Jahre. Danach käme eine weitere Erhöhung auf ungefähr 12.500 Euro pro Monat. Und das, obwohl die TLG bei der Übernahme der Kulturbrauerei nach der Wende eine Mischnutzung auch für gemeinnützige Vereine zugesichert hat.

Was bedeutet das für die Mitglieder?

Das Clubheim ist für die meisten Mitglieder wie ein zweites Zuhause. Viele kommen schon seit Jahrzenten in die Kulturbrauerei. Der bevorstehende Umzug ist für viele ein Schock.

"Das ist wirklich sehr schade. Ich bin jetzt hier seit 50 Jahren Mitglied. Es ist gemütlich hier und eine enge Gemeinschaft. Dann wohne ich auch noch in der Nähe. Ja, ich kann nur sagen: sehr schade."

Christiane Ruppert

Kann ein Heimatgefühl umziehen?

"Ich mache mir langsam Sorgen, denn bisher war es mit dem Nachwuchs etwas schwierig. Die meisten Mitglieder sind über 60 Jahre alt. Sie haben einen starken Zusammenhalt und pflegen ihren Verein über all die Zeit. Aber wenn die Mitglieder in Zukunft weiter älter werden und nicht viel nachkommt? Auffällig ist, dass viele Eltern, wenn sie Kinder haben, diese hierher mitnehmen. Oder vor kurzem wurde eine Coda-Gruppe gegründet und eine Gruppe für Kinder. Aber wie verhält es sich mit den Zwanzig- bis Fünfzigjährigen? Da kommen bisher nur sehr wenige."

Tina Fiberg  

Neuanfang

Umzug!

Unterstützung bekommt der Verein vom Berliner Senat durch einen monatlichen Zuschuss. Der Rest der laufenden Kosten muss durch Eigenmittel erbracht werden. Die enorme Mietsteigerung müsste über eine massive Anhebung des Mitgliederbeitrags abgefedert werden. Das ist nicht möglich. Der  Auszug ist unumgänglich. Die Mitgliederversammlung fällt eine klare Entscheidung: Der Verein zieht nach Hohenschönhausen . Der Abschied fällt schwer – und trotzdem hoffen alle auf einen guten Neuanfang. Vielleicht auch mit einigen neuen Ideen und innovativen Konzepten…


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