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Neue Anlaufstelle Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit

Das Thema Barrierefreiheit. Oft wird es schlichtweg vergessen. Seit 2016 gibt es eine Bundesfachstelle. Die Ansprechpartner dort beraten vorrangig öffentliche Stellen. Mehr als Empfehlungen kann die Behörde allerdings nicht aussprechen…

Stand: 12.03.2018

Eine zentrale Anlaufstelle zu Fragen der Barrierefreiheit – das ist neu. Und gut. Sie entstand im Zuge der Novellierung des Gesetzes zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (Behindertengleichstellungsgesetz - BGG). Es sind vor allem Bundesbehörden, die von dieser Fachstelle beraten werden. Die Experten dort stehen auch der Privatwirtschaft zur Verfügung und theoretisch auch der Zivilgesellschaft - wenn die Kapazitäten dafür ausreichen.

Lösungsansätze werden gefunden

Ein Gewinn? Auf jeden Fall. Zwei Beispiele: Im letzten Jahr haben Fahrverbote für Gehörlose in Freizeitparks für große Aufregung gesorgt. Anfang des Jahres kamen bei der Behindertenbeauftragten des Bundes die Verantwortlichen der Freizeitparks an einem Runden Tisch zusammen und haben über Lösungsansätze zugunsten gehörloser Besucher diskutiert. Die Bundesfachstelle nahm an diesem Runden Tisch teil. Ein weiteres Thema sind die Gebärdensprachdolmetscher-Einblendungen im Deutschen Bundestag. Die sind nicht optimal, da sie aus München oder sogar aus den USA nach Berlin kommen – und so nicht immer alles erfassen können, was im Sitzungssaal los ist. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit hat sich der Problematik angenommen und mögliche Lösungen aufgezeigt.

"Die Überlegung ist, ganz einfach Gebärdensprachdolmetscher aus der Umgebung einzubinden, weil die Nähe und der Kontakt hier wichtig sind. Eine andere Möglichkeit ist, die Dolmetscher direkt im Bundestag einzusetzen, dann könnten sie auch alles mitbekommen."

Sven Niklas, Experte für Hörbehinderte in der Bundesfachstelle Barrierefreiheit

Empfehlungen – keine Vorgaben

Was schließlich umgesetzt wird? Das liegt nicht in der Hand der Bundesfachstelle. Die kann nämlich nur Empfehlungen aussprechen. Verbindliche Vorgaben kann sie nicht beschließen.

Experte für Hörbehinderte an Bord

Sven Niklas

Mit Sven Niklas gibt es in der Fachstelle auch einen Experten für hörbehinderte Menschen. Und der ist häufig im Einsatz. Auch mit den Architekten im Haus arbeitet er zum Thema Barrierefreiheit in den Behörden zusammen. Seine Meinung ist beispielsweise gefragt, wenn es um die Ausstattung mit Rauchmeldern geht – für die zahlreichen gehörlosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen akustische Signale in irgendeiner Art visualisiert werden.

Expertenkreis und Schlichtungsstelle

Zudem veranstaltet die Bundesfachstelle Barrierefreiheit den so genannten Expertenkreis. Dieser wurde im Zuge der Gründung der Bundesfachstelle Barrierefreiheit als beratendes Gremium gegründet. Der Deutsche Gehörlosenbund war hier von Anfang an dabei.

Ebenfalls relativ neu ist die Schlichtungsstelle des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: Seit 2016 können sich Betroffene, die sich durch eine Bundesbehörde oder einen Sozialversicherungsträger benachteiligt fühlen, wehren und hier einen Antrag auf kostenfreie außergerichtliche Klärung stellen. Online und barrierefrei. Auch diesen Service gibt es seit 2016.

Es hat sich also einiges getan. Es gibt nun eine spezielle Behörde, die für besondere Bedürfnisse und Herausforderungen sensibilisieren kann. Ein Gewinn.


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