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Bilingual in Europa? Ergebnisse der EU-Bildungstagung

Über 100 Menschen haben sich in Berlin bei einer Tagung mit der Umsetzung des bilingualen Unterrichts in der Praxis beschäftigt. Mit interessanten Ergebnissen.

Von: Elke Marquardt (Film), Claudia Erl (Online-Text)

Stand: 14.11.2017

Die Erfahrungen der Lehrer sind unterschiedlich – und meist haben Erfolg und Misserfolg des Konzeptes etwas mit der personellen Ausstattung zu tun. Es gibt Schulen, da unterrichten Lehrer im Team, gehörlos und hörend. Manchmal arbeiten Lehrer auch allein. Manchmal wird ausschließlich mit DGS gearbeitet, manchmal mit LBG, manchmal gibt es Mischformen davon. Insgesamt existieren viele parallele Modelle bilingualen Unterrichts. Mit unterschiedlichem Erfolg.

Der europäische Vergleich

Doch nicht nur der Erfahrungsaustausch stand auf der Tagesordnung in Berlin: Es wurden auch die Ergebnisse einer europaweiten Studie zu bilingualen Bildungsangeboten präsentiert. Im Projekt "De-Sign bilingual" wird online in einer Karte der aktuelle Stand von insgesamt 39 Ländern dargestellt.

"Das Projekt hat zwei Ziele: Wir haben uns zum einen europaweit angeschaut, wie ist der Stand der bilingualen Bildung? An wie vielen Schulen gibt es entsprechende Angebote? Und wenn es sie gibt, wie sieht die Umsetzung in der Praxis aus? Das war der erste Teil. Im zweiten Teil haben sich Vertreter von Forschung und Lehre zusammengesetzt und gemeinsam Unterrichtsmaterialien für die bilinguale Bildung entwickelt."

Prof. Claudia Becker, Humboldt-Universität Berlin

Unterrichtsmaterialien

Ein Problem des bilingualen Unterrichts: Es gibt kaum Lehrmaterial für die Schulen. Das ändert sich nun dank des EU-Projekts: Hier werden adäquate Materialen für die Schule entwickelt, zudem noch Tipps für den Unterricht gegeben – und das alles kann man im Internet abrufen und herunterladen.

Der Stand in Deutschland

Und wie steht Deutschland nun da, im Vergleich zu den anderen Ländern? Ganz unterschiedlich. Manche Schulen sind bereits weit voraus, haben eine fest verankerte bilinguale Bildung, ein festes Konzept. Und andere fangen gerade erst an. Aber die klare Tendenz ist, dass es immer mehr Schulen gibt, die ein bilinguales Angebot umsetzen wollen. Zwei deutsche Schulen haben sogar europaweit eine Vorreiterposition: die Eschke-Schule in Berlin und die Hamburger Elbschule. An der Berliner Schule entstanden seit 2015 rund 750 Gebärdenvideos für den Unterricht – eine riesige Datenbank, die gemeinsam mit den Schülern erschaffen wurde.

Ein Resümee

Die gute Nachricht der Tagung: In den meisten europäischen Ländern gibt es Angebote für bilinguale Bildung. Die schlechte Nachricht allerdings: Sie sind trotzdem noch immer die Ausnahme. Gehörlose und schwerhörige Kinder werden in den meisten Fällen nach wie vor lautsprachlich unterrichtet. Aber vielleicht können mehr Erfahrungsaustausche zum Thema bilinguale Bildung daran in Zukunft etwas ändern.

Links zum Projekt


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