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Versprochen. Gebrochen?! (K)Ein barrierefreier Notruf

In der Notsituation zählt jede Sekunde. Schnelle Hilfe entscheidet manchmal über Leben und Tod. Menschen mit Hörbehinderung können allerdings mit dem gängigen Notruf nichts anfangen – sie müssen vorrangig über Fax oder SMS alarmieren. Eine unvorstellbare Lücke in unserer digitalisierten Welt. Dabei hat die Politik längst Abhilfe versprochen.

Stand: 11.01.2017

Die Einrichtung eines bundesweiten barrierefreien Notrufs – das fordern verschiedene Verbände. Schon lange. Die technischen Voraussetzungen für einen barrierefreien Notruf sind längst vorhanden. Wo hakt es also? Um diese Frage zu beantworten, hat der Deutsche Gehörlosen-Bund eine Fachtagung zum Thema in Berlin mit der Politik einberufen.

Wer ist zuständig?

Diskussionen bei der Fachtagung

Für die Organisation von Polizei und Rettungswesen sind die Länder zuständig. Für die Daseinsfürsorge ist jedoch die Kommune verantwortlich. Für den Katastrophenschutz wiederum der Bund. Ein großer Wirrwarr bei den Zuständigkeiten also. Zudem hapert es noch an der Technik: Die Notrufleitstellen müssen an die modernen Notrufsysteme angepasst und umgerüstet werden. Bislang können die derzeitigen Systeme nur Telefonanrufe gleich an die richtige Leitstelle zuweisen.

Bedürfnisse

Und wie sehen die Bedürfnisse der Gehörlosen aus? In Notsituationen wollen sie gebärden, um einen Notruf abzusetzen – und nicht schriftlich kommunizieren.  So können Betroffene sicher sein, dass sie auch verstanden wurden. Außerdem sollte der barrierefreie Zugang zum Notrufsystem genauso über die 110 oder die 112 erfolgen.

Zwischenlösung: Apps

Thomas Zeidler beim App-Test

Zwischenlösungen sind bereits auf dem Markt: die Notruf-Apps freier Anbieter. Voraussetzung: Man muss ein Smartphone oder ein Tablet besitzen – und das passende Betriebssystem. Auch die Apps an sich sind sehr unterschiedlich: Für die einen muss man bezahlen, die anderen funktionieren trotzdem am Ende nur mit einem Telefonat. Manche orten das Handy gleich via GPS und leiten die Information weiter, andere teilen den Helfern von vornherein mit, dass der Hilfesuchende gehörlos ist.  Thomas Zeidler hat einige Apps getestet und Vor- und Nachteile der verschiedenen Apps entdeckt.

Das Ergebnis

Das Ergebnis der Fachtagung: Es wurden Bedürfnisse ausgetauscht, die Dringlichkeit und Notwendigkeit des barrierefreien Notrufs   bekräftigt. Nun wurde vereinbart, dass es ein Nachfolgetreffen zur Klärung der nächsten Schritte geben wird. Der barrierefreie Notruf scheint also immer noch in weiter Ferne. Obwohl sich alle einig sind, dass eine einheitliche Lösung hermuss. Und zwar schnell.

"Es kann ja wohl auch nicht wahr sein, dass die einzigen, die Angebote machen können, die freien Anbieter in der Marktwirtschaft sind. Das darf nicht sein, dass Leute für ihre Sicherheit bezahlen müssen."

Corinna Rüffer, Grünen-Bundestagsabgeordnete

"Wir haben eine Arbeitsgruppe der Innenminister und koordiniert wird das vom Wirtschaftsministerium. Dann ist auch noch das Arbeits- und Sozialministerium dabei. Viele Köche verderben ja auch häufig den Brei. Also, ich würde sagen, der Wirtschaftsminister sollte es [...] in die Hand nehmen. Nochmal:  Er sollte es zur Chefsache machen, wenn ihm die Menschenleben wichtig sind, die dort gefährdet sind. Und dann denke ich, wird es eine Lösung geben. Und wenn dann ein Bundesland dagegen ist, dann wissen wir ja, wer dagegen ist. Das Land möchte ich mal sehen, das sich gegen eine Lösung wendet, das Menschenleben rettet."

Hubert Hüppe, CDU-Bundestagsabgeordneter


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