BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Ratgeber & Seelsorger Audiotherapeuten

HNO-Ärzte werfen bei Hörschädigungen als Mediziner einen Blick in die Ohren. Akustiker betrachten die Fälle von der technischen Seite. Und Audiotherapeuten? Verquicken das alles – und beachten auch noch das Seelenleben des hörgeschädigten Patienten.

Stand: 30.10.2018

Wie komme ich im Alltag mit Schwerhörigkeit zurecht? Wie löse ich Kommunikationssituationen? Wie funktioniert das mit der Technik? Es gibt viele Fragen, die sich schwerhörige Menschen stellen. Weiterhelfen könnten ihnen dabei Audiotherapeuten. Die Idee zu dieser besonderen Form der Unterstützung entstand im  Deutschen Schwerhörigenbund.

"Ein Audiotherapeut ist wichtig, dass man lernt, mit dieser Hörbehinderung umzugehen. Eine Akzeptanz zu bekommen, um einfach zu sagen: Ja, ich bin hörbehindert. Ich habe diese Probleme, aber mit gewissen Bausteinen aus der Audiotherapie kann ich aber meinen Weg gehen und auch positiv gehen."

Mathias Weihbrecht, Audiotherapeut

Wie wird man Audiotherapeut?

Man sollte bereits einen Beruf haben. Vorteilhaft ist natürlich, wenn dieser Beruf schon  mit dem Thema Hörschädigung zu tun hat – wie zum Beispiel Hörakustiker. Aber auch Sozialarbeiter oder Seelsorger können in einer 250stündigen Weiterbildung Audiotherapeuten werden. Angeboten wird die Weiterbildung vom Deutschen Schwerhörigenbund e.V..   Etwa 180 Audiotherapeuten hat der Deutsche Schwerhörigenbund seit 1999 bereits ausgebildet.  Betroffene und Hörakustiker sind  sich mehrheitlich  einig, dass Audiotherapie eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen Angeboten ist.
Größtes Problem: Die Kosten für Audiotherapie werden von den  Krankenkassen  bislang nicht übernommen …

"Diejenigen, die selbst Betroffenen, die zum Beispiel bei uns in der Klinik, aber vielleicht auch im ambulanten Sektor Kontakt mit einem Audiotherapeuten haben, sind sehr, sehr dankbar für dieses Angebot. Bei den Menschen, die für die Versorgung zuständig sind, sei es HNO-Ärzte, sei es Gesundheitspolitiker, sei es Kostenträger, die kennen das Problem gar nicht. Die können gar nicht nachvollziehen, dass es da eine Versorgungslücke gibt. Hören ist irgendwo selbstverständlich für uns alle. Und was es bedeutet, nicht zu hören, das merkt man nämlich erst, wenn mans verloren hat. Und dann denke ich, wäre noch sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig, zum Beispiel die Audiotherapie zur Kassenleistung zu machen, dass es nicht nur im stationären Bereich, in der Reha, sondern dass jeder schwerhörige Mensch Zugang zu einem Audiotherapeuten hat."

Dr. Roland Zeh, Kaiserberg-Klinik


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