BR Fernsehen - Sehen statt Hören


0

15 Jahre Die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache

2002 wurde in Deutschland die Deutsche Gebärdensprache (DGS) offiziell anerkannt. Ein wichtiger, hart und lange erkämpfter Schritt für die Gehörlosen in der Bundesrepublik. Doch wie sieht es in Sachen Gebärdensprache in anderen Ländern aus? In Dänemark zum Beispiel? Georgina Schneid trifft einen dänischen TV-Moderator um das herauszufinden.

Stand: 27.04.2017

 Benjamin Trock und Georgina Schneid vergleichen die Fakten. Hier eine Zusammenfassung:

Ein Vergleich ...

Zahlen

  • In Deutschland gibt es etwa 80.000 Gehörlose. Ihnen stehen ungefähr 850 Dolmetscher zur Verfügung. Die Gebärdensprache ist seit 2002 anerkannt.
  • Im deutlich kleineren Dänemark leben gerade mal 4.000 Gehörlose, denen 250 Dolmetscher gegenüberstehen.  Die Gebärdensprache ist seit 2014 anerkannt.

Anerkennung Gebärdensprache

  • In den 1980er-Jahren wurde in Deutschland das Bewusstsein für die Gebärdensprache immer stärker, sodass in den 1990er-Jahren bereits für die Anerkennung der Gebärdensprache demonstriert wurde. Bis zur vollständigen Anerkennung dauerte es noch lange  – zunächst  erkannten die Bundesländer nach und nach die Gebärdensprache an. Das erste Land war Berlin im Jahre 1998. Auf Bundesebene folgte die Anerkennung 2002.
  • Auch wenn in Dänemark die Gebärdensprache offiziell erst seit 2014 anerkannt ist, wurde sie dort schon lange vorher selbstverständlich genutzt – in den Gehörlosenschulen etwa. Und es werden seit Jahren Dolmetscher ausgebildet. Auch in Dänemark musste lange für die Anerkennung gekämpft werden: Es gab viele Aktionen bevor über  die Anerkennung im Dänischen Parlament entschieden wurde. Die Abstimmung erfolgte schließlich einstimmig.

Dolmetscher

  • Die Anzahl der Dolmetscher in Deutschland ist mit ca. 850 gering – auf einen Dolmetscher kommen nahezu 100 Gehörlose. In Deutschland gibt es ein monatliches Budget an Dolmetscherstunden, das einem Gehörlosen zur Verfügung steht.  Oftmals reicht das aber bei weitem nicht aus. Außerdem ist es  gerade bei kurzfristigen Anfragen sehr schwer, einen Dolmetscher zu bekommen. Dieses Problem wurde erkannt und deshalb sollen jetzt mehr Dolmetscher an den deutschen Hochschulen ausgebildet werden.
  • In Dänemark gibt es ca. 250 Dolmetscher. Damit kommen auf einen Dolmetscher gerade mal 16 Gehörlose. Die Verfügbarkeit ist gut: Wenn man hier als Gehörloser einen Job hat, bekommt man pro Woche 20 Stunden einen Dolmetscher an die Seite gestellt.   Teilweise müssen sich die Gehörlosen nicht selbst um die Bereitstellung von Dolmetschern kümmern. Z.B. im Krankenhaus – dort werden Dolmetscher bereitgestellt und auch finanziert.

Barrierefreiheit

  • In Deutschland stoßen Gehörlose auf vielfältige Barrieren. Zumeist im Kontakt mit ihrer hörenden Umgebung.  Der Grund: Hörende wissen meist nicht viel über Gehörlosigkeit. Auch im öffentlichen Leben, wie etwa in Zügen und der Bahn gibt es so gut wie keine Hinweise in Gebärdensprache. Allmählich bieten öffentliche Einrichtungen wie z.B. Ministerien und Behörden auf ihren Internetseiten Informationen auch in Gebärdensprache an. Im  privaten Umfeld  ist  Gehörlosigkeit heutzutage meist  kein  großes Problem: Die Gebärdensprache wird als natürliche Kommunikation genutzt.
  • In Dänemark ist das sehr ähnlich: Wie eine kleine Straßenumfrage zeigt, wissen die meisten Menschen, dass Gehörlose in Gebärdensprache kommunizieren. Ansonsten wissen Hörende auch in Dänemark meist wenig über Gehörlose. Auch in Dänemark werden in Bussen und Bahnen viele aktuelle Hinweise nur per Lautsprecherdurchsage bekannt gegeben. Privat  und in der Gehörlosen-Community läuft alles sehr gut.  

Fernsehen und Kino für Gehörlose

  • Im Deutschen Fernsehen muss man zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Programmen unterscheiden: Während ARD und ZDF schon über 90 Prozent  ihrer Sendungen untertiteln, liegt die Quote bei den  Privatsendern nur bei 7 Prozent Untertitel.  Für Gehörlose ist das Ziel 100 Prozent Untertitelung und 5 Prozent Gebärdensprache. Im Moment werden die Gebärdenspracheinblendungen jedoch  überwiegend ins Internet verlagert. „Sehen statt Hören“ ist derzeit das einzige Fernsehformat in Deutscher Gebärdensprache  für  Gehörlose. Im Kino laufen in Deutschland nur wenige Filme mit Untertiteln. Es werden zwar für immer mehr Filme Untertitel zur Nutzung über  eine App  produziert, diese Technik hat sich aber noch nicht in allen Kinos durchgesetzt, sodass die meisten gehörlosen Deutschen Filme zuhause schauen.
  • In Dänemark  gibt es im Fernsehen zwei Möglichkeiten: Die eine nennt sich „Gebärden der Zeit“ und ist Gehörlosen-Fernsehen von Gehörlosen für Gehörlose, direkt in Gebärdensprache moderiert. Zusätzlich gibt es auf einem Kanal jeden Abend verdolmetschte Nachrichten. Im Kino laufen in Dänemark ohnehin meist Filme auf Englisch mit dänischen Untertiteln, sodass Gehörlose problemlos alle Filme schauen können.

0