BR Fernsehen - Schönes Mittelfranken


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Schönes Mittelfranken Rund um Erlangen, Fürth und Ansbach

"Paris is for lovers"  heißt es ja, nicht ganz zu Unrecht. Und wofür stehen Erlangen? Fürth? Ansbach? Zunächst einmal für zusammengenommen rund 265.000 Menschen. In Erlangen sitzen die Akademiker (Universität, Siemens), in Fürth die Arbeiter (mittelständische Unternehmer wie etwa „Uvex“ – Skibrillen, Fahrradhelme und so), in Ansbach die Angestellten und Beamten (Bezirkshauptstadt von Mittelfranken). So könnte man es verkürzt sagen. Aber in der Realität ist da natürlich viel mehr...

Von: Dr. Michael Zehetmair

Stand: 07.08.2017

ERLANGEN

„Die französischste aller bayerischen Städte“

„Die französischste aller bayerischen Städte“ ist Erlangen. Sagt Siegfried Balleis, der Oberbürgermeister. Und, was soll man sagen: es stimmt. Früher und heute. Französische Hugenotten haben Erlangen einst aus- und aufgebaut. Um die 400 Menschen zählt die französische Gemeinde Erlangens heute. Es gibt ein gut etabliertes „Deutsch-Französisches Institut“ (dessen Leiterin Rachel Gillio im Film mehr über das „frankophile“ Erlangen erzählt), das nach einer französisch-hugenottischen Familie benannte „Café Mengin“, die Hugenottenkirche ziert ein Uhrenziffernblatt in den Farben der Tricolore, im Schlossgarten steht der Hugenottenbrunnen. C´est bon!

Gutes Einkommen, hohes Zukunftspotential – und fahrradfreundlich noch dazu

Fahrradfreundlcihes Erlangen

Wo hat man das sonst? Erlangen ist die Großstadt (rund 106 000 Einwohner) in Deutschland mit der geringsten Arbeitslosenquote und dem größten Zukunftspotential (laut „Kieler Institur für Weltwirtschaft“). Und da man nicht immer Erster sein muss, sei auch erwähnt, dass man nach München die zweitgrößte Kaufkraft hat. Nicht nur in Bayern, unter allen großen Städten in ganz Deutschland wohlgemerkt. Und, ganz wichtig, nach Münster ist man die zweitfahrradfreundlichste Stadt in Deutschland. Woran immer sich das bemisst?  Jedenfalls sind augenscheinlich viele Radler in der Innenstadt unterwegs.

„Himbeerpalast“ und „Roter Platz“

„Himbeerpalast“, „Roter Platz“ und dann noch ein Gebäude, das wie eine „Banane“ aussehen soll (Ansichtssache)? Findet man alles auf engstem Raum in Erlangen. Alles Gebäude, in denen „Siemensianer“ einen Platz zum Arbeiten und Forschen finden. weit mehr als 20 000 „Siemensianer“ (die „Siemensianerinnen“ in keinem Fall zu vergessen!) arbeiten in Erlangen.

Bayerns größtes Krebszentrum – und andere Spitzenwissenschaft

Erlangen ist Universitätsstadt. Die „Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg“ zeichnet sich nicht nur durch die vielen Bindestriche in Ihrem Namen (Spaß!) aus, vor allem durch exzellente Wissenschaft. Da wir davon nicht alles zeigen können, liegt der Focus im Film – pars pro toto – auf der Medizin. Wir stellen Bayerns größtes Krebszentrum vor (12 000 behandelte Fälle im  Jahr), erklären, warum die Erlanger Nabelschnurdatenbank beim Kampf gegen Leukämie unentbehrlich ist. Deutschlands erste „Ronald-McDonald-Kinderoase“ gibt es in Erlangen – für schwerkranke Kinder und ihre Familien in oft lebensbedrohlicher Zeit – und nicht weit davon findet sich das „Ronald-McDonald-Haus Erlangen“. Wo man alles dafür tut, dass Eltern und ihr schwerkrankes Kind wenigstens vor und nach der medizinischen Behandlung ein halbwegs normales Leben führen können und sich ein bisschen wohlfühlen.

Sand – so weit das Auge reicht

Urwildpferde in Erlangen

Sucht der gestresste Erlanger Uni- oder Siemensmitarbeiter Ausgleich, so kann es gut sein, dass man zum  Joggen durch den Tennenloher Forst aufbricht. Und dabei, ohne daran zu denken, das größte zusammenhängende Sandgebiet Süddeutschlands betritt. Denn teils ist der Sand von Grünem überwachsen. Teils ist er aber auch offen sichtbar. Und um die Sandflächen frei zu halten, setzt man natürliche Helfer ein – eine Herde Urwildpferde.

Der Schlossgarten Erlangens – Musik und Lebensgefühl

Schlossgarten in Erlangen

Wenn man einmal spüren möchte, warum sich die Erlangerinnen und Erlanger so wohl fühlen in ihrer Stadt (was viele von ihnen auch genau so in unsere Kamera gesagt haben), dann ist ein Besuch bei einem der (noch dazu kostenfreien!) sommerlichen Konzerte im Schlossgarten sehr nützlich. Da tanzt ein Ingenieur aus Moskau mit seiner Tochter zu französischen Chansons, nebenan „flakkt“ (wie man umgangssprachlich-bayerisch so sagt) ein junges Paar im Gras, ein paar Meter weiter picknicken zwei ältere Damen auf ihrer Decke.  Und vielleicht nicht dauernd, aber auch nicht komplett ausschließbar, verläuft sich auch ein asiatischer Tourist hierher.  Warum auch nicht?  Ja, so sind sie, die Menschen in Erlangen. Ein buntes Volk halt – viele Altersklassen, viele Nationalitäten, ein gemeinsames „Savoir Vivre“.

Antikensammlung und ganz viel mehr andere Kultur

Nun ist Erlangen keine Römerstadt, beileibe nicht, liegt ja auch ordentlich nördlich des Limes. Und doch ist hier eine große Antikensammlung zu finden – 450 Gipsabgüsse, 900 Originalwerke, das ist schon was. Da die Sendezeit in unserer Überblicksfilmreihe „Schönes Mittelfranken“ leider endlich ist, werden andere Orte der Kultur in Erlangen im Film nur mündlich erwähnt – Kunstpalais, „E-Werk“ (für die jungen Leut!), und vieles mehr.

FÜRTH

Der schönste Krempelmarkt weit und breit“

„Das hier ist der schönste Krempelmarkt weit und breit“, sagt der junge Mann uns in die Kamera. Und seine Augen leuchten dabei. Er wirkt wie einer dieser passionierten Flohmarktbesucher, die wissen, wovon sie reden, und –vermutlich- auch schon mal die großen Flohmärkte in Paris, London und anderswo durchstöbert haben. Aber braucht der Fürther Grafflmarkt überhaupt Lob? Wohl nicht, denn er strahlt so viel Lebensfreude und entspannte Energie aus, da bedarf es nicht mehr vieler Worte, das spürt man. Oder, wie es Organisator André Hollitzer, ausdrückt: „Der Grafflmarkt gehört zu Fürth, genauso wie die Spielvereinigung („Spielvereinigung Greuther Fürth“, für alle Fürth-Nichtkenner)“. Stimmt auch, und ob man nun den zweimal jährlich stattfindenden Grafflmarkt oder die   Jahrhunderte alte Michaeliskirchweih (1,5 Millionen Besucher pro  Jahr!) lieber mag? Am besten beide, beziehungsweise „alle drei“.

Grünes Fürth

Dass man von überall in Fürth nur ein paar Minuten ins Grüne hat, mag zunächst selbstverständlich klingen. Ist aber gar nicht so selbstverständlich, bedenkt man, dass Fürth mit seinen rund 120 000 Einwohnern die siebtgrößte Stadt in Bayern ist. Unter den vielen grünen Ecken im Fürther Stadtgebiet legen wir im Film den Schwerpunkt auf den Stadtpark Fürth. Der in seiner heutigen Erscheinung Anfang der 1950er  Jahre  von Stadtgartendirektor Hans Schiller anlässlich der  Gartenschau "Grünen und Blühen" geschaffen wurde. Und das allgegenwärtige Fürther Kleeblatt paßt natürlich auch zum Stichwort „Grünes Fürth“.

Der „Fürth Faktor“

„Fürth Faktor“ heißt eine Broschüre, in der viele kleine Kreativ-Unternehmen, Handwerksläden, Geschäfte, Restaurants, Cafés vorgestellt werden. Fürth ist eine kreative Stadt. Zwei junge Ein-Frau-Unternehmerinnen (im wesentlichen, manchmal hilft auch wer mit) stellen wir im Film vor. Da ist zum einen Verena Röthlingshöfer. Die junge Frau ist Geschäftsführerin von „My Oma“. Die Idee ist fast schon zu naheliegend, um wahr zu sein: Omas (echte Omas!) stricken, was man halt auch selbst so stricken würde (würde man stricken, aber man hat nie Zeit, oder?): Kleidung, Hauben und anderes. Und am Ende kann man das Ganze kaufen, übers Internet bestellen. Und bekommt auch noch ein Foto und ein paar Informationen zu „seiner“ Oma mitgeschickt. Nach dem Motto: eine Frau, ein gestricktes Teil. Die andere Fürther Jungunternehmerin in unserem Film heißt Nicole King. Klingt nicht nur amerikanisch vom Namen her, das Produkt ist es auch – von „Brownies“ bis zu „Cinnamon Buns“ und anderer Konditorware. Entweder frei Haus geliefert für Kiudergeburtstage und andere Feiern. Oder „live“ konsumierbar im „Columbia Bakery Café“ in Fürth.

Fürth lächelt

„Fürth lächelt“ heißt eine vor einiger Zeit schon fürs Stadttheater Fürth durchgeführte Fotografieraktion. Geht ganz einfach: die Fotodesignerin Karin vogel zieht mit ihrer Kamera los, sagen wir mal in die Fürther Fußgängerzone. Sie fragt Passanten, ob sie ihr ihr Lächeln schenken würden. Und da ein Lächeln ja bekanntlich nichts kostet, machen das auch die allermeisten. Fehlt nur noch, im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. „Fürth lächelt“.

Eine sehr geschützte Stadt

Eine sehr geschützte Stadt – das ist Fürth in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist es die Großstadt in Bayern mit der niedrigsten Kriminalitätsrate. Was sich – hoffentlich nicht! – auch mal wieder ändern kann. Was sich nicht so schnell ändern wird, ist, dass Fürth die Stadt in Bayern mit den meisten denkmalgeschützten Gebäuden ist. So um die 2000 mögen es sein. Besonders schön sind die Gebäudefronten entlang der Königswarter Strasse und der Hornschuhpromenade. Fast könnte man meinen, man sei in Paris.

Erhard, Kissinger, Ullstein

Schaut man bei manchen Städten nach bekannten, gar berümten Bürgerinnen und Bürgern aus, so landet man öfter mal bei Personen, die für die individuelle Stadtgeschichte ganz, ganz wichtig erscheinen, aber im nächsten Ort schon Achselzucken auslösen. Bei Fürth ist das anders. Ein deutscher Bundeskanzler, ein US-Außenminister und ein deutscher Verleger sind hier gebürtig: Ludwig Erhard, Henry Kissinger, Leopold Ullstein. Den Ullstein-Verlag gibt es heute noch als feste Größe am deutschen Buchmarkt, dass unter Ludwig Erhard die soziale Marktwirtschaft salonfähig wurde in Deutschland, das haben wir alle in der Schule gelernt. Und Henry Kissinger ist - Gott sei Dank – weiter unter den Lebenden. Er wurde sogar vor ein paar Monaten als Gast bei einem Fußballspiel der SpVgg Greuther Fürth gesichtet.

„Norma“, „Uvex“ und andere Mittelständler

Norma-Filiale

„In Fürth, da wird noch etwas hergestellt“ sagt Oberbürgermeister  Dr. Thomas  Jung stolz. Zum Beispiel Skibrillen, Fahrradhelme und anderes von der Firma „Uvex“ – mit mehr als 2000 Mitarbeitern weltweit. Oder beim 1926 gegründeten Spielwarenunternehmen „Bruder“ in Fürth-Burgfarrnbach. Ein anderes großes Unternehmen, das eigentlich jeder von uns kennt, aber vermutlich kaum jemand weiß, dass es von einem Fürther (Manfred Roth hieß der Mann) gegründet wurde, ist die Handelskette „Norma“. „Die Norma“, wie man im Volksmund sagt. Für unseren Film haben wir eine „Norma“-Filiale in Nürnberg besucht. Einfach deshalb, weil auf deren Dach auch noch ein Kindergarten integriert ist und das Gesamtensemble schon ziemlich einzigartig wirkt: unten gehen die Leute zum Einkaufen, während auf dem Dach drüber die Kinder spielen, essen, schlafen.

Eine reiche jüdische Geschichte

Fürth hat eine reiche jüdische Geschichte, seit vielen  Jahrhunderten. Heute kann man hiervon einen hervorragenden Eindruck im „Jüdischen Museum Franken“ bekommen. Schon allein das Haus, in dem das Museum zuhause ist, atmet Geschichte. Es ist das ehemalige Wohnhaus des jüdischen Gemeindevorstehers. So dass man im Keller auch noch das Bad, die „Mikwe“, findet. Wie vor Jahrhunderten, gespeist vom Grundwasser. Ein faszinierender Ort, über den Dr. Christiane Twiehaus vom „Jüdischen Museum Franken“ zurecht sagt: „Das ist schon sehr besonders.“ Ebenso wie das ganze Museum, das alte Treppenhaus, die Laubhütte, die Exponate.

ANSBACH

Viele kleine Kaspar Hausers

Mit dem Tod endet das Leben, und so ist es rein spekulativ, was danach passieren mag. Hätte der in Ansbach ums Leben gekommene Kaspar Hauser geahnt, dass 180 Jahre danach ein Nürnberger Kunstprofessor die Ansbacher Innenstadt mit vielen kleinen Kaspar-Hauser-Figuren „übersprenkeln“ würde? Seiner Eitelkeit hätte es sicher geschmeichelt. Für unsere Kamera im Jahr 2013 waren es sehr inspirierende impressionen, die wir mittels des Films gerne an Sie weitergeben. So ein „rätselhafter Findling“ ist halt eine Dauerfaszination, auch wenn keiner von uns sein Leben geführt haben möchte.

Wir wollen ein Theater!

Theater in Deutschland – das hört sich in den letzten  Jahren meist nach Kürzungen, schwierigen Arbeitsbedingungen, Schrumpfen und Rückgang an. Nicht so in Ansbach. Die Stadt  wollte  vor wenigen  Jahren ein Theater – und sie bekam es. Mit einem Intendanten Jürgen Eick, der Leben reinbrachte und im Film auch von besonderen Aktionen erzählt. Wie etwa „Häuser erzählen“, wobei man leerstehende Häuser in der Ansbacher Innenstadt mit Theater bespielte. Und sogar einen Preis dafür gewann.

Einst preußisch, heute längst bayerisch, vor allem aber fränkisch

Einst preußisch, heute längst bayerisch, vor allem aber fränkisch – so kann man die wechselnde Herrschaftsgeschichte Ansbachs zusammenfassen. Mit einem Benediktinerkloster am Onoldsbach (Namenerklärung „Ansbach“!) ging es im 8.  Jahrhundert los. Heute ist Ansbach die Bezirkshauptstadt von Mittelfranken, hat um die 40 000 Einwohner, eine Hochschule, US-amerikanische Truppen in ihren „Barracks“, eine schöne Residenz, eine Orangerie, einen Hofgarten. Zusammengefaßt: eine große Vielfalt, oder auch – salopper ausgedrückt – alles, was man so braucht.

Beim Aufstellen des „Kerwa“-Baums

Ansbach ist nicht nur ehemalige Markgrafenstadt, es ist auch ein Ort der reich an bodenständiger, ländlicher Kultur ist. Was zu seiner Funktion als Kreisstadt des flächenmäßig größten Landkreises in ganz Bayern dazugehört. Mit fast 2000 Quadratkilometern Fläche ist der Landkreis Ansbach gerade mal um 600 Quadratkilometer kleiner als das ganze Bundesland Saarland. Ein zentrales Ereignis in der Alltagskultur ist hier und anderswo das Aufstellen des „Kerwa“-Baums. Wir waren mit der Kamera dabei und erzählen im Film auch von den Bräuchen rund um den „Kerwa“-Baum.

Mittelfrankens größte Barockorgel

Mittelfrankens größte Barockorgel

Nun ist Größe kein Wert an sich, aber wenn Größe mit Wohlklang parallel schreitet, ist die Sichtweise schon wieder etwas anders. Und das tut die auch optisch sehr eindrucksvolle Wiegleb-Orgel in der Ansbacher Sankt-Gumbertus-Kirche. Sie ist nicht nur die größte Orgel Mittelfrankens, sie ist auch ein akustischer Genuss. Den uns Kirchenmusikdirektor Rainer Goede zu Ohren führt. Er erzählt auch über die historischen und bautechnischen Zusammenhänge rund um die Orgel. Und der optische Genuss kommt auch nicht zu kurz, die Orgel steht in einem der schönsten Kircheninnenräume in Bayern. Ganz in zurückgenommenem, wohl gerade deshalb aber umso edler wirkendem Hellgrau gehalten.

Playmobil

Manchmal reicht ein Wort, dann ist „alles klar“. Unser Zauberwort heißt „Playmobil“. Mehr muss man eigentlich nicht sagen, schon schießt Ihnen, mir, uns allen die Erinnerung an das Spielen auf dem Teppichboden des eigenen Kinderzimmers ins Gedächtnis. Der edle Ritter, die Schlossherrin, die Kutsche – alles aus Kunststoff, was der Faszination keinen Abbruch tut. Vielleicht auch deshalb nicht, weil das Design der Figuren so sympathisch und zugleich kindgerecht ist, dass man an alles, nur nicht ans Material denkt. Welches Geheimnis wiederum hierhinter steckt, und wie man es als erwachsener Designer schafft, in die Gedankenwelt der Kinder möglichst perfekt einzudringen, das erfahren Sie in unserem Film. Playmobil – eine Zirndorfer Firma. Aus Prinzip auch, denn das Motto des Firmengründers ist bis heute: „Einen Franken verpflanzt man nicht.“


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