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Tropen am Haus Pflanzenpflege im Wintergarten

Langsam wird’s draußen wärmer und die Pflanzen fangen das Wachsen an. Zeit, sich auch seine Zimmerpflanzen nochmal genauer anzuschauen. Wie das in einem Wintergarten vonstattengeht, haben wir uns in Goldhausen bei Gerhard Haimerl angeschaut.

Stand: 09.04.2018

Der Wintergarten

Gerhard Haimerl hat einen tropischen Wintergarten – eigentlich. Denn um offiziell als solcher zu gelten, müssten im Wintergarten durchgehend 28 Grad herrschen. Aus energetischen und finanziellen Gründen ist das aber eher als kritisch zu betrachten. Gerhard Haimerl hat seine ganz eigene Lösung für dieses Problem gefunden: im Winter herrschen nachts in seinem Wintergarten statt 28 Grad nur 16. Eine Temperatur, mit der viele Tropenbewohner gerade noch zurechtkommen. So sucht man Schmetterlingsorchideen hier vergeblich, dafür aber andere Vertreter wie Wanda oder Cymbidium.

Grüne Wand

Ein- bis zweimal im Jahr greift Gerhard Haimerl zur elektrischen Heckenschere. Denn eine Wand in seinem tropischen Wintergarten ist komplett zugewachsen mit nur einem Exemplar von Ficus pumila, der Kletter-Feige. Zimperlich muss er dabei nicht sein, die Pflanze ist enorm schnittverträglich. Und außerdem robust und gesund. So kneift der Gärtner gern ein Auge zu, wenn die Pflanze am anderen Ende des Glasanbaus auftaucht und entfernt die Ausläufer ohne weitere Beschwerden, denn wie Gerhard Haimerl selbst sagt: „…wenn es mal so stimmt, darf man das nicht mehr ändern. Das wär Dummheit!“

Tillandsien vermehren

Auch die Tillandsien hier wachsen so üppig, dass sie regelmäßig unters Messer kommen. Alles, was er ihnen abschneidet, verwendet Gerhard Haimerl als Pflanzennachschub. Dazu entfernt er das trockene Laub, bündelt mehrere Teilstücke und fixiert sie mit Draht. Dann noch kopfüber aufhängen, fertig ist die Jungpflanze. Denn Tillandsien können komplett ohne Erde wachsen. Wasser und Nährstoffe beziehen sie aus der Luft.

Cymbidien teilen

Normalerweise teilt Gerhard Haimerl seine Cymbidien alle 2-3 Jahre. Ein Exemplar hat er beim letzten Mal übersehen. Dementsprechend dicht ist der Wurzelballen. Auch steht er schon etwas über den Topf hinaus. Es ist also höchste Zeit, sich der Pflanze näher anzunehmen. Und so geht’s:

1. versuchen, sie aus dem Topf zu bringen
2. altes Substrat und kaputte Wurzeln und Pflanzenteile entfernen
5. die Mutterpflanze in zwei oder mehrere Teilstücke teilen, die jeweils so viele Wurzeln haben, dass sie gut weiterwachsen können
4. eine Drainageschicht aus Holzkohle und groben Kiefernrindenstücken in den neuen Topf geben
5. etwas Substrat einfüllen, dann die Pflanze einsetzen und die restlichen Lücken mit Substrat füllen, dabei den Topf immer wieder aufklopfen, dass sich die letzten Luftlöcher schließen

Das Substrat zum Topfen mischt Gerhard Haimerl selbst: je ein Teil Holzkohle, Kiefernrinde, Buchenlaubkompst und Torf.

Regelmäßige Kontrolle

Einmal pro Woche streift Gerhard Haimerl mindestens durch seinen Wintergarten. Währenddessen kontrolliert er auf Nährstoffmangel, überprüft die Wasserversorgung und schaut, ob irgendwo Schädlinge sitzen. Gegossen und gedüngt wird bedarfsgerecht. Wenn er einen Schädling findet, greift der Gärtner erst zum Lappen und dann zur Schere, denn Chemie kommt für ihn nicht zum Einsatz. Wenn das Abschneiden der befallenen Pflanzenteile nicht mehr ausreicht, muss eine Pflanze kompromisslos weichen.