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Klassiker Schnittrosen aus Bayern

Viele Schnittblumen, die importiert werden, lassen sich auch in Bayern kultivieren. Die Gärtnerei Reichert in Pettstadt macht es vor. Seit den 1950er Jahren wachsen hier Schnittrosen. Jetzt sind sie erntereif.

Von: Julia Schade

Stand: 30.04.2021

Ernte und Aufbereitung

Die Rosen werden im beheizbaren Gewächshaus kultiviert. Geheizt wird aber gerade einmal auf 5 Grad. So haben die Rosen auch im Winter gute Kulturbedingungen und können je nach Witterung schon Mitte bis Ende April geerntet werden. Für Gärtnermeister Michael Reichert gilt es dabei, den richtigen Erntezeitpunkt zu erwischen. Zu knospig geerntete Rosen würden in der Vase später nicht mehr aufblühen. Haben sich hingegen die ersten Blütenblätter sichtbar von den Knospen gelöst, sind die Rosen reif für den Schnitt.

Wichtig ist es, dabei die Wage zu finden: Einerseits sollen die Stiele möglichst lang sein, andererseits muss die Pflanze so viel Laub behalten, dass sie weiter Photosynthese betreiben und wieder gut austrieben kann. Kurz danach bilden sich neue Triebe in den Blattachseln. 2-4 Blätter bleiben stehen. Schwache Triebe werden weiter unten geerntet, kräftigere weiter oben. So können die Gärtner bis zu vier Mal im Jahr ernten. Zudem blühen nicht alle Rosen zur gleichen Zeit auf und es gibt kontinuierlich Nachschub. Schluss mit der Ernte ist Ende Oktober.

Ständig überarbeitet und verbessert Michael Reichert das Sortiment. Mittlerweile umfasst es 25 verschiedene Sorten. Die frisch geernteten Schnittrosen kommen sofort in die Kühlung. Das erhöht ihre Haltbarkeit. Vermarktet werden sie in zwei regionalen Supermärkten, befreundeten Gärtnereien und im eigenen Laden. Und genau das ist der Vorteil der regionalen Produktion: kurze Transportwege und dadurch besonders hohe Qualität und Haltbarkeit!

Anbau und Kultur

Etwa 6 Jahre lang lässt sich ein Stock ernten. Danach ist Schluss und die Rose wird durch eine neue ersetzt. Bei Neupflanzungen im Garten muss dann normalerweise der Boden großräumig ausgetauscht werden, da er unter sogenannter Rosenmüdigkeit leidet. Doch jedes Mal den kompletten Gewächshausboden austauschen ist für Michael Reichert keine Option. So bekommt jede Rose beim Pflanzen frische Erde ins Pflanzloch und Michael Reichert unterstützt die Bodengesundheit zudem durch regelmäßige Düngergaben und Untersaaten.

Zum Düngen verwendet er organischen Mehrnährstoffdünger, der besonders fein gemahlen ist. Dieser wird schnell umgesetzt und regt das Bodenleben an. Einarbeiten muss er den Dünger nicht. Einmal Bewässerung einschalten reicht und der Dünger wird in den Boden geschwemmt. Unter den Rosen sieht es zudem auffällig grün aus. Was auf den ersten Blick wie lästige Beikräuter wirkt, ist bewusst gesäter Klee. Diese Untersaat verhindert, dass sich unerwünschte Pflanzen ansiedeln. Zudem bindet Klee Stickstoff aus der Luft und lagert ihn mit Hilfe von Knöllchenbakterien im Boden ein. Weiterer Vorteil: der Boden erwärmt sich nicht so stark und trocknet weniger aus. Das alles kommt den Rosen zugute.

Vorsicht Wildtriebe

Wie die meisten Gartenrosen sind auch die Schnittrosen in der Gärtnerei Reichert veredelt. Da kommt es schon mal vor, dass die Unterlage durchtreibt. Ein Problem, das auch im Hausgarten oft auftritt. Greift man nicht rechtzeitig ein, kann es passieren, dass die Unterlage die Edelsorte überwächst und letztere einfach verschwindet. Michael Reichert entfernt solche Wildtriebe daher regelmäßig. Am liebsten mit der Hand und dann, wenn sie noch schön frisch und jung sind. Entfernt man diese mit einem leichten Zug nach unten und erwischt sie genau an der Stelle, an der sie ausgetrieben sind, besteht so die geringste Gefahr, dass sie weiterwachsen.

Kontakt

Gärtnerei Reichert
Bahnstraße 17
96175 Pettstadt
Telefon: 09502 244
Email: mail@gaertnerei-reichert.de