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Buntes Treiben Ein Garten für Schmetterlinge

Distelfalter, Landkärtchen, Admiral, Kleiner Fuchs – sie alle gehören zu den Edelfaltern. Im Garten von Barbara Krasemann in Dixenhausen sind sie häufig anzutreffen, denn hier ist ein perfekter Rückzugsort für Schmetterlinge.

Stand: 13.06.2018

(Über)-Lebensraum?!

Über 60 Prozent der heimischen Falter stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten!
Der Grund: viele ihrer Lebensräume sind zerstört, Futterpflanzen für die Raupen nur noch schwer zu finden. Doch zum Glück gibt es Gärten, in denen nicht jedes Beikraut entfernt wird und Raupen deshalb noch Nahrung finden. Zum Beispiel im Naturgarten von Barbara Krasemann im mittelfränkischen Dixenhausen im Landkreis Roth. Dort gedeihen viele wertvolle Futterpflanzen, rund um einen kleinen Weiher, im Bereich der Hecken und sogar im Gemüsegarten. Disteln, Brennnesseln und Wilde Möhre locken jedes Jahr viele Falter an.

Flatternde Gesellen

Fast jedes Jahr kann man hier auch den Distelfalter beobachten. Ab Mai legen Distelfalter ihre Eier ab, im Juni fressen die Raupen der 1. Generation ganze Disteln kahl. Nach dem letzten Häuten hängen sich die Tiere kopfüber auf und Verpuppen sich. Distelfalter imitieren dabei ein vertrocknetes Blatt. Die schutzlosen Puppen sind somit perfekt getarnt. Aus den Puppen schlüpfen dann die Schmetterlinge. Direkt nach dem Schlupf sind deren Flügel noch knittrig und weich. Innerhalb von 2-3 Stunden härten sie aus und strecken sich dabei auf ihre endgültige Größe von 50 bis 60 Millimeter. Bald darauf kann der Schmetterling seinen Jungfernflug starten. Nach der ersten Generation muss man nicht lange auf die nächste warten.

Im August sind fast alle ‚Beikräuter‘ an Barbara Krasemanns Weiherhügel von Raupen besetzt.
Gerade die Große Brennnessel gilt als Futterpflanze für über 30 verschiedene Falterarten. An ihr ist der Nachwuchs der Schmetterlinge zugleich vor Fressfeinden geschützt. Zusätzlich schützen sich die Raupen mit stacheligen Auswüchsen.
Der Nachwuchs von Landkärtchen und Tagpfauenauge wirkt aus der Nähe betrachtet fast schon bedrohlich. Häufig treten die Raupen in Kolonien auf, 20 bis 40 Stück besiedeln zusammen eine Pflanze.

Raupen an Gemüse?

Von Mai bis Oktober finden an jedem 1. und 3. Sonntag eines Monats Führungen in Barbara Krasemanns Garten statt. Entdecken Besucher während eines Rundgangs Raupen an Gemüse- oder Zierpflanzen, fragen sie häufig nach Bekämpfungsmöglichkeiten. Verwundert und auch etwas ungläubig reagieren sie dann häufig auf Barbara Krasemanns Antwort, denn sie meint: ‚Die Raupen können ruhig ein paar Blätter haben, es bleibt immer noch genug übrig, das gilt sowohl im Gemüse- als auch im Steingarten!‘ In einem gut funktionierenden Ökosystem reguliert sich ein starkes Raupenaufkommen tatsächlich schnell von selbst, denn Raupen dienen vielen Vögeln als nahrhaftes Aufzuchtfutter für ihre Brut.

Pflanzenvielfalt für Schmetterlinge

Um möglichst viele Schmetterlinge im Garten anzusiedeln, lässt Barbara Krasemann nicht nur passende Pflanzen für deren Raupen stehen, sondern pflanzt auch möglichst viele blühende Gewächse als Nektarspender für die ausgewachsenen Tiere. Von Juni bis in den Herbst hinein blüht der Schmetterlingsflieder, botanisch Buddleja davidii. Der ursprünglich aus China stammende Strauch besitzt pro Blütenstand hunderte Einzelblüten. Schmetterlinge gelangen mit ihrem langen Rüssel problemlos in die 15 bis 20 Millimeter tiefen Blütenkelche. Die Blüten von Zwiebeln, Thymian und Kamille sind im Spätsommer eine willkommene Nektarquelle.

Falter aus der Familie der Bläulinge naschen hier oft. 41 verschiedene Arten gibt es von ihnen. Doldengewächse wie den Wiesenkümmel und die Möhre hat der Nachwuchs des Schwalbenschwanzes zum Fressen gern. Bis zu sechs Zentimeter lang und einen Zentimeter dick werden die Raupen.
Ob Schwalbenschwanz, Bläuling oder Distelfalter - zum Erhalt der Artenvielfalt können Gartenbesitzer viel beitragen. Dazu einfach manchmal ein Auge zudrücken und ‚Beikräuter‘ und Raupen als faszinierende Lebewesen betrachten.

Kontakt

Barbara Krasemann
Dixenhausen 23
91177 Thalmässing
Telefon: 09173 78886