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Für Nachwuchs sorgen Saatguternte bei Stauden

Viele Stauden kann man über Aussaat vermehren. Dazu muss man ihr Saatgut jetzt ernten. Wie das geht, haben wir uns in der Staudengärtnerei Gaißmayer in Illertissen angeschaut.

Stand: 06.11.2020

Warum selbst vermehren?

Hobbygärtner machen das, weil es ihnen einfach Spaß macht. Für Erwerbsgärtner ist das Staudenvermehren über Saatgut eigentlich eher unwirtschaftlich. Doch es gibt Gründe, die durchaus dafür sprechen. Zum einen lassen sich längst nicht alle Pflanzen vegetativ, also über Stecklinge, Wurzelschnittlinge oder ähnliche Methoden vermehren, zum anderen wachsen vor allen in der Staudengärtnerei Gaißmayer viele Pflanzen, die es andernorts nicht gibt. Raritäten, die sonst vom Markt verschwinden würden. Und zu guter Letzt handelt es sich beim vorgestellten Betrieb um eine Biogärtnerei. Beim Gemüse- und Obstbau ist das Gang und Gäbe, dementsprechend groß ist die Auswahl an Saatgut. Staudensaatgut in Bioqualität zu bekommen, ist nicht ganz so leicht, daher macht man’s in Illertissen einfach selbst.

Engelshaar, Chinesisches Süßholz und Schnitt-Knoblauch

Diese drei sind gute Beispiele für Pflanzen mit trockenem Saatgut. Ihre Fruchtstände unterscheiden sich stark voneinander, das Vorgehen bei der Ernte ist aber immer dasselbe: Wenn die Fruchtstände trocken sind, kann geerntet werden. Bei filigranen Samen wie denen vom Engelshaar, kämmt man das Saatgut einfach mitsamt der Grannen aus den Grashorsten. Das Chinesische Süßholz erntet man im Ganzen, wenn die Fruchtstände richtig schön klappern beim Dagegen-Schnipsen.

Beim Schnitt-Knoblauch werden ebenfalls die ganzen Samenstände abgeschnitten. Hier macht es auch nichts, wenn ein paar davon noch nicht ganz trocken sind. Man kann sie gut nachreifen lassen, indem man sie an einen trockenen, warmen Ort legt. Im Anschluss muss man die Samen von den Pflanzenresten befreien. Das geschieht von Hand. Zunächst vorsichtig die Samen von den Fruchtständen lösen und dann alles mehrmals sieben. Das erste Sieb hat eine größere Maschenweite als die Samen. Hier fallen Samen und kleine Pflanzenreste hindurch. Große Stücke bleiben im Sieb. Die Maschenweite des zweiten Siebs ist kleiner als die Samen. Hier fällt alles durch, was ebenfalls kleiner ist als die Samen. Diese beiden Vorgänge wiederholt man so oft, bis fast nur noch Samen über sind.

Chinesischer Maiapfel

Das Saatgut vom Chinesischen Maiapfel erinnert ein wenig an das von Tomaten. In den Früchten befinden sich die einzelnen Samen, umgeben von einer schleimigen gallertartigen Masse. Um sie davon zu befreien, muss man den Schleim quasi vergären lassen. Dazu mit der Hand oder einem Löffel das Saatgut aus den Früchten lösen, in ein Glas geben und mit so viel Wasser auffüllen, dass es gerade bedeckt ist.

Dann stellt man das Ganze für ein paar Tage warm auf. Wenn das Wasser-Samen-Gemisch anfängt, Blasen zu werfen, wird weiter gereinigt. Man füllt das Gefäß mit Wasser. Der Schleim löst sich und die Samen sinken nach unten. Jetzt kann man den Schleim abgießen. Diesen Vorgang wiederholt man so oft, bis die Samen gereinigt sind. Dann das Ganze nur noch auf Papierservietten oder Küchenrolle legen und die Samen trocknen lassen.

Die Aussaat

Die meisten Stauden werden jetzt, direkt nach dem Reinigen ausgesät. Denn sie sind Kaltkeimer. Das heißt, sie benötigen einen Kältereiz, um überhaupt keimen zu können. Dazu die Aussaatschalen im Winter ins Freie stellen. Einmal gekeimt, sind Staudensämlinge ebenso empfindlich wie andere Ansaaten. Daher kommen sie bis zum Auspflanzen zurück ins Gewächshaus. Wer dazu tendiert, zu viel zu gießen, könnte Probleme mit Trauermücken bekommen. Das sind kleine schwarze Fliegen, die ihre Eier in die Blumenerde legen und deren Larven die Sämlinge und Stecklinge anknabbern. In der Staudengärtnerei Gaißmayer werden die Aussaatschalen einfach mit Blähgrus abgedeckt, das hindert die lästigen kleinen Fliegen daran, ihre Eier ins Substrat abzulegen. Die Keimlinge sind so kräftig, dass sie problemlos durch die Splitt-Abdeckung wachsen.

Kontakt

Staudengärtnerei Gaißmayer
Jungviehweide 3
89257 Illertissen

Telefon: 07303 7258
Telefax: 07303 42181
Email: info@gaissmayer.de