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Zu Besuch beim Apfelzüchter Rot-rote Äpfel

Äpfel mit roter Schale kennt jeder. Doch Äpfel mit knallrotem Fruchtfleisch? Auch die gibt es mittlerweile. Gezüchtet wurde ‘Baya Marisa‘ in Bayern, genauer gesagt in Hallbergmoos. Dort kreuzt Michael Neumüller jedes Jahr neue Apfelsorten.

Von: Sabrina Nitsche

Stand: 01.10.2019

Eine Apfelsorte – viele Ansprüche!

Steht in seiner Obstanlage im oberbayrischen Hallbergmoos die Ernte an, geht’s nicht nur um die Früchte, sondern auch um das, was in ihnen steckt: Die Kerne. In ihnen steckt das Potenzial für neue Apfelgenerationen. Die Mutterpflanze ist 'Baya Marisa‘ – die erste rot-rote Apfelsorte von Michael Neumüller. Deren rotes Fruchtfleisch hat eine unschlagbare Farbe, aber der Apfel hat dennoch zwei Nachteile. Er lässt sich nicht lange lagern und ist zudem eher säuerlich.
Geschmack, Farbe, Lagerfähigkeit, Gesundheit, Form, Zuckergehalt, Verträglichkeit – Äpfel müssen viele Kriterien und Wünsche erfüllen, damit sie beim Kunden gut ankommen. Für Apfelzüchter Michael Neumüller bedeutet das eine große Herausforderung und viel Arbeit. 10 bis 20 Jahre dauert die Züchtung einer neuen Apfelsorte. Los geht’s immer im Frühjahr, während der Blüte.

Wenn der Züchter zur Biene wird…

…dann geht’s um die gezielte Kreuzung zweier Sorten. Dafür erntet Michael Neumüller Pollen von lagerfähigen und vor allem süßen Apfelsorten, trocknet diese und bestäubt dann die Blüten der ‘Baya Marisa‘ damit. Alles von Hand. Damit kein Insekt dazwischenfunkt, tütet der Züchter die Blüten in Gazesäckchen ein. So stellt er sicher, dass das gewünschte Erbgut die Blüten bestäubt hat und keine fremde Sorte mit hereinspielt. Eine Garantie, dass die gewünschten Eigenschaften dann vererbt werden und sich dann im neuen Apfel auch durchsetzen gibt es nicht.

Sind die Äpfel im Herbst reif, werden die Kerne geerntet und ausgesät. Aus jedem einzelnen Apfel-Kern entsteht ein neuer Baum und damit eine neue Sorte. Mehrere tausend Bäume sät Micheal Neumüller jedes Jahr. Sind die Bäume ein Jahr alt, erfolgt die erste Selektion, das heißt Auslese. Nur Bäume mit rot gefärbtem Laub haben eine Chance, alle Sämlinge mit grünem Laub werden aussortiert, landen auf dem Kompost. Die rotlaubigen bekommen eine Nummer, werden auf schwachwüchsige Unterlagen veredelt und auf ein Feld gepflanzt.

Die ersten Früchte!

Nach drei bis vier Jahren ist es soweit – die jungen Apfelbäume tragen ihre allerersten Früchte. Noch nie hat sie jemand probiert. Jetzt zeigt sich Erfolg – oder Misserfolg. Rotfleischige, süße, lagerfähige Äpfel sind das Ziel. Zum Beurteilen müssen die Früchte reif sein. Erkennbar ist das an den Kernen. Sind sie braun, ist die Frucht reif. Und schon beim ersten Aufschneiden haben viele Bäume ihre Chance vertan – denn nur wenn die Farbe des Fruchtfleisches stimmt, haben die Sorten eine Chance weiter vermehrt zu werden. Mehrere tausend Bäume stehen auf einem Feld und warten auf ihre Prüfung. Von September bis Ende Oktober ist Michael Neumüller jede Woche in der Anlage unterwegs. Immer auf der Suche nach rot gefärbten, wohlschmeckenden neuen Äpfeln.

Test, Test, Test…

Zeigt ein Apfel beim Aufschneiden ein attraktives rotes Fruchtfleisch und ist der Baum gesund, ist der erste Test bestanden. Als nächstes kontrolliert der Züchter den Zuckergehalt mit Hilfe eines Refraktometers. Mindestens 13-14 Grad Brix sollten die Äpfel bei der Ernte haben, nur dann sind sie süß genug. Ist auch dieses Kriterium erfüllt, geht’s an den Stärketest. Dafür wird der Apfel mit einer Lösung besprüht, die anzeigt, wie viel Stärke noch im Fruchtfleisch steckt. Denn Stärke wandelt sich beim Lagern in Zucker um, die Stärkeeinlagerung, sozusagen ein verstecktes Zuckerlager. Hat ein Apfel auch diesen Test bestanden, werden seine Nummer gescannt und einige Früchte gepflückt. Diese kommen dann für mehrere Wochen ins Lager. Dann wird erneut probiert.

"Der kann in zwei Wochen hervorragend sein, oder Durchschnitt. Aber den Durchschnitt brauchen wir nicht. Wir brauchen nur die allerbesten. Und das sind meist nur ein oder zwei von tausend. Das Erlebnis hat man halt nicht jeden Tag. Sondern nur manchmal."

Dr. Michael Neumüller

Mehrere Jahre muss die neue Sorte dann noch zeigen, wie sie sich entwickelt. Wie viele Äpfel sie trägt, wie gesund Baum und Frucht sind und wie sich der Geschmack im Lager verändert. Erst dann ist der Züchter in der Lage, seine Stärken und Schwächen zu beurteilen…

Mit der Apfelzüchtung begonnen hat Dr. Michael Neumüller vor über 20 Jahren, jetzt sind seine ersten Sorten im Handel. Darunter auch rotfleischige Äpfel.

Kontakt:

Bayerisches Obstzentrum GmbH & Co. KG
Am Süßbach 1
85399 Hallbergmoos
Telefon: 0811 99679323
Telefax: +49 811 996793-29
Email: info@obstzentrum.de