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Überlebenskünstler Besuch beim Pflanzenmaler

Eine heute seltene Kunst übt der Maler und Fotograf Stefan Caspari aus: er malt Pflanzen genau so wie die Natur sie zeigt. Es sind jedoch nicht nur botanisch korrekte und detailgetreue Wiedergaben, sondern Kunstwerke, die schön anzuschauen sind.

Von: Galina Kirsunova

Stand: 06.12.2019

Die Natur als Vorbild

Seine Vorbilder sucht er in der Natur – auf Wiesen, in Feldfluren, in Wäldern und in den Bergen. Oft zieht es ihn in den Münchener Botanischen Garten. Dort im Alpinum betrachtet Stefan Caspari Pflanzen, die er sich im Sommer in den Bergen angeschaut hat – nur wenige Zentimeter große Gewächse, die an der obersten Vegetationsgrenze der Hochalpen um ihr Leben kämpfen. Jedes Mal ist er erstaunt, wenn er auf engstem Raum einen Mikrokosmos aus diesen Winzlingen findet.

Der Künstler arbeitet in der Technik des trockenen Aquarells wie einst sein Vater Claus Caspari, einer der bekanntesten Pflanzenmaler seiner Zeit. Der brachte ihm Wissbegierde und das genaue Hinschauen bei, die Stefan Caspari immer wieder in ganz ungewöhnliche Lebensräume führt. 2018 bestieg er die Höhen von 1.500 bis 3.500 Meter für sein neues Buchprojekt über Überlebenskünstler.“. Dort porträtierte er 50 außergewöhnliche Alpenpflanzen – von der Zirbelkiefer bis zum Bayerischen Enzian.

Aussagekräftiger als Fotos

Er fotografiert Pflanzen, sowohl in seinem Studio als auch in der Natur, um auch im Winter malen zu können. Das reicht ihm aber nicht: Um eine Pflanze botanisch korrekt zu malen, muss er wissen, wie und wo sie wächst.

Die nächste Herausforderung: Als Fotograf und Maler weiß er, wo die Grenzen beider Medien liegen. Manche Pflanzen haben beispielsweise hundert Tausend Härchen an der Oberfläche, erzählt der Künstler. Die Fotoauflösung reicht nicht, um sie den Beobachter erkennen lassen zu können. Und genau dort ist seine Kunst gefragt: Dann zeichnet Stefan Caspari eben statt Hunderttausend Härchen vielleicht Hunderte, so fein er kann, aber so, dass sie zu erkennen sind. Und da muss Stefan Caspari mit den feinsten Pinseln, die es gibt, akribisch arbeiten. Die Gefahr dabei: Wenn die Konsistenz der Farbe, die er mischt, nicht stimmt, kann die untere Farbschicht verschmieren, und dann ist das Werk verloren.

Der weitere wertvolle Vorteil der Zeichnungen gegenüber dem Foto sind die Farben. Auch da versagt die Fotografie – nur mit den Pigmentfarben des Aquarells gelingt es dem Maler z.B. das Enzian- oder Ultramarinblau originalgetreu wiederzugeben. Aber seine Ausdauer und Fleiß lohnen sich. Die filigranen Werke von Stefan Caspari sind nicht nur wahre Hingucker sondern auch botanisch einwandfrei. Und obwohl die Malerei ihm viel Zeit nimmt, macht es ihn glücklich, wenn hinterher das Bild entsteht, das er sich vorgestellt hat.

Kontakt

Stefan Caspari
Lindenschmitstrasse 43
81373 München
Email: info@stefancaspari.de