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Gärtnern ohne Garten Mikrogrün und Sprossen

Wer eigenes Grünzeug ernten will, braucht dazu nicht unbedingt einen Garten. Für Mikrogrün und Sprossen reicht ein Fensterbrett. Harald Harazim nutzt diese Anbaumethode schon seit vielen Jahren und zeigt, worauf es ankommt.

Von: Julia Schade

Stand: 06.03.2020

Mikrogrün

Beim Mikrogrün fängt alles mit der Aussaat an. Die soll bei Gemüsepflanzen normalerweise nicht zu dicht erfolgen, damit sich die Pflanzen gut entwickeln. Hier ist das anders und man darf mit dem Saatgut großzügig sein. Denn die Pflanzen werden dann geerntet, wenn sie noch winzig sind und gerade einmal ihre Keimblätter und ein bis zwei weitere Blättchen entwickelt haben. Also genau in dem Stadium, in dem die meisten anderen Gemüsearten pikiert, also vereinzelt werden.

Harald Harazim verwendet für die Aussaat nährstoffarme Aussaaterde und deckt diese im Anschluss mit etwas Sand ab. Der sorgt für einen guten Bodenschluss der Pflanzen und verhindert gleichzeitig Schimmelbildung, da Wasser gut abfließen kann. Bis zur Keimung vergehen je nach Art ein bis zwei Wochen. Solange kommen die Pflanzen an einen warmen Ort. Dabei die Ansaat gleichmäßig feucht, aber nicht nass halten. Sobald die Keimung einsetzt, alles hell aufstellen. Die meisten Arten können etwa eine Woche nach der Keimung geerntet werden.Heute sät Harald Harazim Radieschen, Rosenklee, Alfalfa und Kresse. Vor einer guten Woche standen auch Alfalfa und Rosenklee, aber zudem noch Bockshornklee, Senf, Weizen, Hirse und Radies auf dem Plan. Im Prinzip kann man für diese Anbaumethode alle Gemüsearten verwenden, von denen die Blätter essbar sind.

Die Vorteile dieser Methode: eine Geschmacksexplosion im Mund. Denn das Mikrogrün einer Pflanze schmeckt oft deutlich intensiver als das ausgewachsene Gemüse. Außerdem wächst Mikrogrün sehr platzsparend, weil es geerntet wird, wenn es noch winzig ist. Es ist günstig, weil man nur Saatgut und etwas Erde braucht. Und es ist gesund, enthält oft sogar mehr sekundäre Pflanzenstoffe als ausgewachsenes Gemüse. Noch dazu macht es Spaß, ist praktisch, bio, umweltfreundlich, nachhaltig und abwechslungsreich.

Sprossen

Eine andere Variante fürs Gärtnern ohne Garten ist die Kultur von Sprossen. Die Sprossenkultur klappt mit nicht ganz so vielen Arten. Mit Senf z.B. hat Harald Harazim als Mikrogrün sehr gute Erfahrungen gemacht, im Sprossenturm hat es nicht geklappt: die Samen waren sehr schleimig und sind nicht gekeimt. Mit Radieschensamen, Trockenerbsen und Hirse hat es hingegen gut geklappt. Bezogen hat er sein Saatgut über einen Bioladen. Diese bieten meist ein großes Sortiment an Sprossensamen an. Dieses Saatgut ist oft günstiger als das für die normale Kultur, da auch hier die Pflanzen recht früh geerntet werden und Optik bzw. Sortenmerkmale eher zweitrangig sind.

Die einfachste Möglichkeit für den Anbau von Sprossen sind sogenannte Sprossentürme bzw. Keimgeräte. Die bestehen meist aus drei bis vier Etagen, die kleine Rillen haben, damit die Samen nicht weggespült werden. Einmal mit Wasser in Kontakt gekommen, beginnen die Samen zu quellen. Beim Ansetzen machen Sprossen also kaum Arbeit. Sind sie einmal gekeimt, ändert sich das allerdings. Bis die Sprossen erntereif sind, muss Harald Harazim sie zwei- bis dreimal am Tag gründlich mit kaltem Wasser spülen. Sonst könnten sich schnell gesundheitsgefährdende Pilze und Keime bilden. Bei 18-22 Grad aufgestellt, sind die Sprossen dann nach vier bis fünf Tagen erntereif.

Kontakt

Harald Harazim
Umweltpädagoge, Wald- und Naturlehrer
Am Neubruch 21
86199 Augsburg

Telefon: 0821 156794
Email: info@renate-hudak.de