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Staudenzüchter und Gartenphilosoph Karl-Foerster-Garten

„Wer der Gartenleidenschaft verfiel, ist noch nie geheilt worden.“ Nur eines von unzähligen Zitaten, mit denen der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph Karl Foerster seine Leidenschaft, wie so oft, treffend in Worte gefasst hat.

Stand: 16.11.2018

Stauden für das ganze Jahr

1910 zieht Karl Foerster mit seiner Gärtnerei von Berlin in den Potsdamer Stadtteil Bornim, ab 1912 entsteht der Garten. Dieser dient ihm als Versuchsfeld, hier testet er Stauden - sowohl zu seiner Zeit erhältliche Züchtungen als auch eigene Selektionen. Sein Ziel war es, die Vielfalt von Stauden und Gehölzen und deren Kombinationsmöglichkeiten aufzuzeigen. Ganz im Gegensatz zur damaligen Auffassung, Pflanzen lediglich als Farbgeber zu betrachten und nach der Blüte zu entsorgen, sieht Foerster in den Gewächsen mehr: den Duft, ihren Wuchs, die Statur, die Blüte, die Blätter. Kurz: das gesamte Erscheinungsbild. Und zwar das ganze Jahr hindurch. So ist es auch mit nur einem Besuch des Foerster-Gartens nicht getan; genau genommen müsste man ihn wohl zu jeder Jahreszeit besuchen, um alle Aspekte angemessen würdigen zu können.

Literarische Gartenklassiker

Auf dem 5.000 Quadratmeter großen Grundstück steht auch das Wohnhaus Karl Foersters, inmitten seines Gartens. Den Blick zu den Pflanzen gerichtet, bringt er hier seine Erfahrungen mit Stauden zu Papier. Karl Foerster gilt als scharfer Beobachter, der genau erkennt, welche Pflanzen seinen Ansprüchen genügen und welche nicht. Und hier entstehen auch seine Bücher. Über 30 Werke veröffentlicht er bis zu seinem Tod. Viele Titel sind bis heute Klassiker. 1957 erscheint sein Buch „Einzug der Gräser und Farne in die Gärten“. Seinen Appell für die Gräser fasst er dort in die Worte:

"Die Gärtner haben es bisher nur in geschorenem Zustand gefeiert; auch dann ist es unersetzbar schön und bleibt unvergängliches Gartengut. Heute aber beginnen wir, die ungeschnittenen Staudengräser in die Gärten zu ziehen, von den Zwerggräsern bis zu den Riesengräsern."

Karl Foerster

Gräser adelt er als „Haar der Mutter Erde“ und ohne die Astern sei der „Herbst in einem der wichtigsten Punkte sang- und klanglos. Sie verklären den Mollklang des Herbstes.“

Und über die Sonnenflüchter vermerkt Foerster:

"Eigentlich erst durch Farne verschreibt man sich der letzten und vollsten Bejahung des Gartenschattens. Diese Wunderwelt rhythmischer Filigranentfaltung aus schönstem Grün von Frühling bis Herbst."

Karl Foerster

Gartenzitate ohne Verfallsdatum

"Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, werde ich wieder Gärtner, und das nächste Mal auch noch. Denn für ein einziges Leben ward dieser Beruf zu groß."

Karl Foerster

Es sind Zitate ohne Verfallsdatum, die Karl Foerster in Gärtnerkreisen unsterblich machen. Nach seinem Tod 1970, im Alter von 96 Jahren, folgen wechselhafte Jahre, 1990 nimmt sich Tochter Marianne des Gartens an. Sie stirbt 2010, seitdem bewahrt eine Stiftung das Vermächtnis der Familie Foerster und ermöglichst es so Besuchern, das Erbe Karl Foersters zu erleben.