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Skulpturen aus Holz Besuch beim Bildhauer

Mit kleinen Figuren, die Bernhard Schmid als Kind gemeinsam mit seinem Vater schnitzte, begann alles. Seitdem lässt ihn die Faszination für Bäume und Holz nicht mehr los. Er absolvierte eine Ausbildung zum Schreiner und seit 2003 arbeitet Bernhard Schmid hauptberuflich als Holzkünstler.

Stand: 29.10.2018

Bäume aus dem ganzen Land

Die Bäume, die in Bernhard Schmids Atelier in Rettenbach bei Günzburg landen, stammen aus ganz Deutschland. Ehrwürdige Gewächse mit einer langen Geschichte, die meist einem Sturm zum Opfer gefallen sind oder aus Sicherheitsgründen gefällt werden mussten.

Die Energie eines Baumes

Bernhard Schmid möchte an das Innere des Baumes gelangen, an das, was an Kraft in ihm steckt. Dies könne man nur erkennen, wenn man sich auf den Baum einlässt, versucht mit ihm zu kommunizieren, sagt der schwäbische Holzkünstler. Das beginnt bereits beim Aufsägen des Baumes. Anhand der Faserstruktur erkennt der Künstler Verspannungen und Wirbel im Holz, die ihm den Weg für den nächsten Schnitt zeigen. Der Dialog mit dem Baum sei wichtig, nur so könne man die eigentliche Kraft aus den Pflanzen herausholen.

Ist der Baum aufgeschnitten, entfernt Bernhard Schmid mit Holzhammer und Hohleisen die Stellen, die ihm unpassend erscheinen. Das ist nicht zwangsläufig morsches Holz, oft ergeben gerade diese Stellen ein prächtiges Farbenspiel.

Schritt für Schritt

Bernhard Schmid arbeitet nicht konstant an nur einem Werkstück, sondern an mehreren, in verschiedenen Stadien. Denn es sei wichtig, den Bäumen Ruhe zu gönnen. Sind die Bäume für den nächsten Schritt bereit, wird die Oberfläche geschliffen, 20 bis 30mal – ausschließlich in Handarbeit. Denn laut Bernhard Schmid verleiht nur die Reibung dem Baum Glanz, Tiefe und Wärme. Wie bei einem Diamanten, der von Schliff zu Schliff schöner wird.

Anschließend wird der Baum geölt. So lange, bis „eine Oberfläche in der Oberfläche“ entstanden ist, so der Künstler. Die genaue Rezeptur des Öls verrät Bernhard Schmid nicht. Nur so viel, dass jeder Baum eine andere Mischung benötige. Das Herrichten der Oberfläche nimmt gut die Hälfte der Zeit in Anspruch, die der Holzkünstler insgesamt an einem Baum arbeitet. Bis zur fertigen Skulptur vergehen mehrere Monate.

Ein Andenken an den Urgroßvater

Bäume seien niemals tot, sagt Bernhard Schmid, sie änderten nur ihren Zustand. Während des Wachsens haben sie die Einflüsse ihrer Umgebung gespeichert: Licht und Wasser, aber auch Gedanken oder Ereignisse. Und genau die möchte der Künstler nach dem vermeintlichen Ableben der Bäume mit seiner Arbeit zum Vorschein bringen.

Der ehemalige Kletterbaum von Bernhard Schmid steht als Skulptur im Wohnzimmer. Dieser weckt bei Bernhard Schmid nicht nur Erinnerungen an die Kindheit, sie ist auch ein Andenken an seinen Urgroßvater, der den Obstbaum einst pflanzte.

Kontakt:

Bernhard Schmid
Silbermannstr. 36
89364 Rettenbach (bei Günzburg)

Telefon: 08224 804999
Email: bernhard@singold36.de