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Paradies am Bodensee Der Garten von Hermann Hesse

Fast 4 Millionen Touristen überqueren jährlich den Bodensee. Am westlichen Seeufer entdecken sie dabei die Ortschaft Gaienhofen. Wie viele von ihnen dorthin wohl einen Abstecher machen würden, wenn sie wüssten, dass sich dort der Garten Hermann Hesses verbirgt?

Stand: 14.09.2018

Hermann Hesse in Gaienhofen

1904 kam Hermann Hesse nach Gaienhofen, wohnte mit seiner Frau Mia zur Miete in einem Bauernhof. 1907 schloss er den Bau des ersten eigenen Hauses ab und verschrieb sich der Gartenlust. Er schrieb „Beinahe wichtiger als das Haus wurde mir der Garten…Aus meinen ländlichen Grundsätzen ergab sich, dass ich“ den Garten „selber anlegen, bepflanzen und pflegen musste.“ Und das nicht zu knapp. Der Garten misst schon damals 9.000 m², die es zu bewirtschaften galt. Doch Hesse sah darin keineswegs nur Arbeit, für ihn hat das Gärtnern vielmehr etwas Schöpferisches, da man „ein Stückchen Erde nach seinem Kopf und Willen gestalten“ kann.

Naturnah und nachhaltig

Erbaut wurden Haus und Garten in einer Zeit des gedanklichen Umbruchs, der Lebensreform. Einer Bewegung, die an der Schwelle zum 20. Jahrhundert entstand. Anhänger der Lebensreform verpönten Landflucht, Industrialisierung und Materialismus.
Auch Hermann Hesse sympathisierte mit dieser Bewegung, bevorzugte spirituelle Offenheit und eine naturgemäße Lebensweise. Das spiegelt sich auch in seinem Garten wieder: Ordnung ist zweitrangig, die erste Geige spielen Farbe und Duft im Duett. Völlig im Alleingang schafft das die Wilde Malve, botanisch Malva sylvestris. Waren sie reif, erntete Hermann Hesse ihre Samenstände, um die Aussaat fürs nächste Jahr zu sichern. Als er Gaienhofen 1912 verließ, hatte er eigenes Saatgut im Gepäck. Freilich nicht nur das der Malven.

Haus und Garten heute

Seit 2004 sind Haus und Garten in der Obhut Eva Eberweins. Die Diplom-Biologin wollte den ursprünglichen Garten wiederherstellen. Abgesehen von aufwendigen Recherchearbeiten ging das erstaunlich gut, denn Hermann Hesse hat seinen Garten vorbildlich dokumentiert. Ein Gartenplan zeigt den langen Mittelweg, der vom Eingang zum Haus führte. Auch Beete und Bäume auf derselben Seite und den Nutzgarten auf der gegenüberliegenden Hausseite hat er eingetragen. So weiß man heute, dass sein Garten überwiegend der Selbstversorgung diente, denn Sparsamkeit war für Hesse vielmehr Lebenseinstellung als einfach nur eine Tugend. So ist auch der Gartenplan selbst quasi ein Recyclingprodukt. Gezeichnet hat Hesse ihn auf eine alte Kostennote der Münchner Neusten Nachrichten.

Geschlossene Kreise

Beim Streifzug durch Hermann Hesses Garten kommt man nicht umhin, sich näher mit dem Schriftsteller und seiner Philosophie auseinander zu setzen. Denn enger, deutlicher und einleuchtender als im Garten kann man den Kreislauf des Lebens wohl nirgends begreifen:

"Kein Sommer, der sich nicht vom Tode des vorigen nährt. Und kein Gewächs, das nicht ebenso still und sicher zu Erde wird, wie es aus Erde zur Pflanze ward (...) und nur zu weilen kommt es mir im Säen und Ernten für Augenblicke in den Sinn, wie merkwürdig es doch ist, dass von allen Geschöpfen der Erde nur allein wir Menschen an diesem Lauf der Dinge etwas auszusetzen haben…"

Hermann Hesse

Zitate

Die Zitate stammen aus folgenden Büchern von Hermann Hesse:

Freude am Garten
Erschienen im Insel Verlag

Jahre am Bodensee – Erinnerungen, Betrachtungen, Briefe und Gedichte
Erschienen im Insel Verlag

Kontakt

Hermann-Hesse-Haus
Hermann-Hesse-Weg 2
78343 Gaienhofen

Telefon: 07735-440 653
Email: info@hermann-hesse-haus.de

Besichtigung auf Anfrage oder zu festen Führungsterminen.