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Beim Profi abgeschaut Gurken veredeln

Zum Gurken veredeln braucht man natürlich Gurkenjungpflanzen, aber auch Kürbisse. Denn auf die wird veredelt. Wie genau das geht, haben wir uns im Jungpflanzenbetreib Gernert in Albertshofen angeschaut.

Von: Julia Schade

Stand: 05.03.2021

Wozu überhaupt veredeln?

Auf Kürbisse veredelte Gurken haben einen entscheidenden Vorteil: Gurken sind anfällig für viele bodenbürtige Krankheiten, Kürbisse nicht. Wachsen Gurken also auf den Wurzeln von Kürbissen, entstehen deutlich wüchsigere und kräftigere Pflanzen als ohne Veredelung. Außerdem sind solche Gurken resistent gegenüber Schädlingen, mehltauresistent, ertragreicher und leistungsfähiger. Und veredelte Gurken bilden früher mehr Ertrag mit besserer Fruchtqualität.

Und so geht’s:

Wichtige Voraussetzung für die Veredelung von Gurken sind Gurken- und Kürbisjungpflanzen in derselben Stängeldicke. Um immer ausreichend Nachschub zu haben, wird im Jungpflanzenbetrieb Gernert jeden Tag gesät, Gurken und Kürbisse. So haben die Gärtner jeden Tag genügend Auswahl, um passende Kandidaten zu finden. Wer das zuhause nachmachen will, sät erst die Gurken und, wenn diese keimen, die Kürbisse.

Dann geht’s ans eigentliche Veredeln:

Die Kürbisjungpflanzen dazu mit einer Rasierklinge oder einem scharfen Messer etwa 5 cm unterhalb der Keimblätter mit einem geraden Schnitt von den Wurzeln trennen. Die Gurken mit einem schrägen Schnitt etwa 2-3 cm unterhalb der Keimblätter abschneiden.

Dann den Kürbissen vorsichtig das Herz entfernen. Das Herz bezeichnet den Vegetationskegel, an dem neue Blätter gebildet werden. Ihn löst man vorsichtig mit einem gezielten Schnitt vom Rest der Pflanze. Was übrig bleibt, ist ein Stück Kürbisstängel mit einem Keimblatt. Das Herz auch unbedingt mit einem schrägen Schnitt herausschneiden. Jetzt die beiden schrägen Schnitte von Kürbis und Gurke so aufeinanderlegen, dass der Kürbis unten und die Gurke oben ist und alles mit einer speziellen Klammer fixieren. Die gibt’s im Internet.

Damit Kürbis und Gurke auch wirklich zusammenwachsen können, darf der Kürbis keine Wurzeln haben. Die würden Wasser saugen und durch den Stängel transportieren. An seinem Ende würde sich ein Wassertropfen bilden, der das Zusammenwachsen verhindert. Außerdem die Klammer gut festdrücken, damit nichts auseinanderrutscht.

Dann die frisch veredelten Gurken in nährstoffarme Aussaaterde stecken und an einen Ort mit hoher Luftfeuchte stellen. Im Jungpflanzenbetrieb ist das ein Folientunnel mit nahezu 100% Luftfeuchte. Daheim tut es ein Minigewächshaus oder eine Plastiktüte.
Nach 6-7 Tagen sollte alles soweit verwachsen sein, dass die Folie entfernt werden kann. Nach 2-3 Tagen ist die Veredelungsstelle sicher verwachsen, die restlichen Tage sind für die Wurzelbildung da.

Bis die Gurken dann aber endlich ins Gewächshaus – oder nach den Eisheiligen ins Freiland – gepflanzt werden können, dauert es weitere 6 Wochen. Die Pflanzen haben dann etwa fingerdicke Stiele und 3-4 Blattpaare.

Kontakt

Jungpflanzen Gernert GbR
An der Lohwiese 9
97320 Albertshofen

Telefon: 09321 9304 10
Telefax: 09321 9304 111
Email: info@gernert-jungpflanzen.de