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Besuch bei der Floristin Gestecke zu Allerheiligen

Allerheiligen und Allerseelen sind Gedenktage für die Toten, aber keine Trauertage. Deshalb gibt’s in der Gärtnerei Berchtenbreiter auch Gestecke in fröhlichen, knalligen Farbtönen.

Von: Sabrina Nitsche

Stand: 16.10.2019

Farbig wird’s zum Schluss

Bevor ausgesteckt werden kann, muss die Basis stimmen. Über 100 Bund Blaufichte warten vor der Gärtnerei deshalb auf ihre Verarbeitung. Jedes Zweigbündel wiegt etwa 10 Kilo. Alexandra Berchtenbreiter und ihre Mutter Karin schnappen sich jeweils zwei und legen los. Als erstes geht’s ans Aussortieren. Zweige, die nicht vollständig blau sind, kommen weg. Denn diese Zweige könnten vorzeitig nadeln.

Ist alles sortiert, geht’s ans Ausstecken der Basis. Und zwar in Serie. Das heißt: jeder steckt fünfzehn bis zwanzig Gestecke in einer Größe vor. Die langen, dichten Nadeln der Blaufichte füllen gut und verdecken den Steckschaum. Mit Thuja-, Buchs- oder Wachholderzweigen die letzten Lücken schließen und fertig ist das Grundgesteck.

Pink fürs Grab?

Passt die Grundform, beginnt das Ausschmücken. Mit Trockenblumen, Fruchtständen, Zapfen, naturbelassen oder gefärbt. Wichtig bei den Materialien: Sie dürfen nicht abfärben oder ausbleichen. Schließlich stehen die Gestecke über Wochen auf den Gräbern, bei jedem Wetter. Die Farbpalette ist groß. Die Floristinnen arbeiten gerne mit natürlichen Braun-, Gelb,- und Orangetönen, und wie passt da Pink dazu?

"Ich habe im Bekanntenkreis eine ältere Dame und die ist fast blind‘, erzählt Alexandra Berchtenbreiter. ‚Irgendwann hat sie angefangen sich komplett in Pink zu kleiden, weil sie diese Farbe gut sehen kann, andere Farben sieht sie nur noch in Graustufen. Solche Erfahrungen übertrage ich dann auch auf klassische Gestecke und denke mir, du musst auch Farben verarbeiten, die man auch im hohen Alter noch gut sieht."

Alexandra Berchtenbreiter

Zudem sind Allerheiligen und Allerseelen keine Trauertage, es sind Gedenktage. Viele Kunden bestellen dann Gestecke in den Lieblingsfarben oder mit den Lieblingsblumen der Verstorbenen, oder sie geben auch ein „Lustiges Gesteck“ in Auftrag, um sich an einen sehr humorvollen und fröhlichen Menschen zu erinnern.

Frisch oder getrocknet?

In den zwei Wochen vor Allerheiligen produzieren Karin und Alexandra Berchtenbreiter hunderte solcher Trocken-Gestecke. Kurz vor dem Feiertag kommen die in der eigenen Gärtnerei für diesen Termin gezogenen Chrysanthemen zum Einsatz. 10 bis 15 Zentimeter groß sind die Blütenbälle der Schnittblumen.
Bis Allerheiligen müssen alle Chrysanthemen verarbeitet sein. Das heißt arbeiten unter Zeitdruck. Macht es trotzdem Spaß?

"Wir sind halt Floristen und wir lieben Schnittblumen. Und frische Blumen haben auch eine ganz andere Power, als getrocknete. Ich finde es jedes Jahr schön, wenn wir in der Früh an Allerheiligen über den Friedhof gehen und alles ist so ein bisschen neblig und dann strahlen da die Gestecke mit den frischen Chrysanthemen oder Nelken raus."

Alexandra Berchtenbreiter

Kontakt:

Berchtenbreiter GmbH
Schwanseestraße 57
81549 München

Telefon: 089 6996853
Email: info@berchtenbreiter.de