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Bunte Geophyten Vorfrühlingsblüher im Topf

Sie sind bunt, sie sind schnell, sie sind hart – die zu den Geophyten zählenden Vorfrühlingsblüher. Normal bestäuben Hummeln und Bienen die Blüten, im Botanischen Garten in Würzburg spielt Udo Jäger Insekt und geht dabei ganz schön raffiniert zu Werke…

Stand: 12.03.2018

Biene auf zwei Beinen

Damit die Bestäubung auch im Gewächshaus klappt, braucht es je nach Pflanze spezielles „Werkzeug“. Ein pelziger Hummelleib lässt sich mit Hilfe von Pfeifenreinigern imitieren. Um Fremdbestäubung zu vermeiden, hat jeder Topf seinen eigenen. Mit diesem behaarten Draht zwängt sich der Gärtnermeister, so wie eine fette Hummel in der Natur, zwischen die Blütenblätter und sammelt dabei Pollen. Kurz darauf ist die Narbe mit den gelben Körnchen gepudert und Udo Jäger kann weiter zu nächsten Pflanze. Beim Alpenveilchen simuliert das Klopfen mit dem Finger den vibrierenden Flügelschlag von Insekten. Der Pollen streut und lässt sich von Blüte zu Blüte übertragen.

Pinsel verwendet Udo Jäger bei den über 70 Krokus- Arten. Bis April muss der Gärtner mehrmals pro Woche Biene spielen, um möglichst viele Gattungen und Arten zu bestäuben. Beginnen die Fruchtstände zu reifen, ist regelmäßiges Düngen und Gießen Pflicht.

Mehr tot, als lebendig…

…wirkt die Sammlung vier Monate später, im Hochsommer: Doch das täuscht. Während die Zwiebeln in der Erde auf das nächste Frühjahr warten, stecken in den vertrockneten Fruchtständen tausende von Samen. Damit die nicht wild ausfallen, geht’s jetzt an die Ernte: Bis aus den Samen blühfähige Pflanzen werden, vergehen viele Jahre. Deshalb sind die Samen auch nur eine Art Notreserve, wenn Pflanzen aufgrund von Alter oder Krankheit eingehen. Damit es gar nicht so weit kommt, topft Udo Jäger die Pflanzen regelmäßig um.

Steinreich im Topf

Alle Geophyten wachsen in derselben Erdmischung. Die besteht zu 90 Prozent aus mineralischem Material. Das heißt: es sind vor allem Lavasteine, Sand, Bims und andere Zuschlagstoffe dabei. Die haben den Vorteil, dass sie sich nicht im Laufe der Zeit zersetzen und lange einen guten Wasser-Luft-Haushalt bieten. Da stauende Nässe der sichere Tod für die Raritäten ist, kommt in jeden Topf zusätzlich eine Drainageschicht aus Kies. Mit Kies abgedeckt ruhen die Zwiebelblüher, bis im Frühjahr der Kreislauf erneut beginnt.

Jetzt, während der Blüte, ist die Sammlung nach Anfrage zu besichtigen. Die schönsten Exemplare stehen zudem immer in Vitrinen, sind bei einem Besuch des Botanischen Gartens jederzeit zu sehen.

Kontakt

Udo Jäger
Botanischer Garten der Universität Würzburg
Julius-von-Sachs-Platz 4
97082 Würzburg

Telefon: 0931 3186240

Öffnungszeiten

Freigelände
April bis September: 8 bis 18 Uhr
Oktober bis März: 8 bis 16 Uhr
Geöffnet auch an Wochenenden und Feiertagen.

Die Gewächshäuser schließen jeweils 30 Minuten vor Gartenschluss.
Der Eintritt ist kostenfrei