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“Pilz-Garten“ Schwammerlschwemme im Garten?!

Pilze isst Otmar Diez für sein Leben gern… Damit es immer ausreichend davon gibt, beimpft der Gärtner regelmäßig Holzstämme in seinem Garten. So entstehen ganze “Pilz-Gärten“ und das an Stellen, an denen sonst kaum eine Pflanze wächst.

Von: Sabrina Nitsche

Stand: 16.08.2019

Schattig und feucht…

…mögen es Pilze. Sie brauchen kein Licht und keine Wurzeln zum Wachsen. Deshalb lassen sich Pilze an Stellen zum Wachsen bringen, die sonst im Garten eher stiefmütterlich behandelt werden. Bei Otmar Diez wachsen die Pilze unter Sträuchern und Bäumen, im Schatten des Gartenschuppens und neben den Regentonnen. Alles Plätze, die kaum Sonne abbekommen. Die ersten Anbau-Versuche des Gärtners waren nicht immer von Erfolg gekrönt, doch Otmar Diez hat nicht aufgegeben. Unterschiedliche Hölzer, unterschiedliche Lager- und Impfmethoden – alles wurde ausprobiert. Mittlerweile gibt’s im Garten von Otmar Diez regelmäßig eine Pilzschwemme. Er verrät, worauf es ankommt, damit der Pilzanbau erfolgreich ist.

Von den Sporen zum Myzel

In der Natur verbreiten sich Pilze nebelartig über Sporen. Aus den Sporen wächst dann das Myzel, der vegetative Hauptteil der Pilze. Das Myzel wiederum besteht aus einer Vielzahl an Hyphen. Hyphen sind fadenartige Zellgeflechte. Sie dienen dem Pilz zur Nahrungsaufnahme. Denn anders als Pflanzen betreiben Pilze keine Photosynthese. Sie benötigen kein Licht zum Überleben, sondern die von anderen Lebewesen gebildeten organischen Nährstoffe. In der Biologie bezeichnet man das als heterotroph. Aus dem Pilzmyzel bilden sich später die Fruchtkörper, also das, was man gemeinhin als Pilze bezeichnet. Auch bei Speisepilzen funktioniert das nur, wenn das Myzel passende Bedingungen zum Wachsen findet.

Pilzbrut

Wer Speisepilze anbauen möchte, kann sich sogenannte Pilzbrut bestellen. Das sind Holzfasern oder Holzdübel, die bereits mit Myzel bewachsen sind. Mit dieser Pilzbrut lassen sich dann Baumstammstücke beimpfen. Es eignen sich Stücke von Eiche, Buche oder Pappel. Je härter das verwendete Holz ist, desto länger braucht das Pilzmyzel, um einzudringen. Andererseits kann man später härteres Holz länger beernten als weiches, da mit der Härte die Lebensdauer steigt. Ansonsten gilt: nur gesundes Holz verwenden, das noch nicht abgelagert ist.

Zwei bis sechs Wochen alt sollte das Holz sein. Und noch ein Hinweis: Damit Hölzer nicht von anderen Pilzen besiedelt werden, unbedingt vor dem Impfen die Hände waschen und sauberes Werkzeug verwenden! Mit der Bohrmaschine geht’s dann ans Löcher bohren. Im Abstand von zehn Zentimetern löchert Otmar Diez seine Stammstücke. In jedes Loch kommt dann ein Dübel. Je mehr Dübel, desto schnell schafft es das Myzel durch das Holz. Zum Abschluss macht der Gärtner noch Bienenwachs warm und versiegelt die Löcher. So kann kein Fremdpilz eindringen und das Myzel bleibt schön feucht.

Der richtige Platz

Sind die Stämme fertig beimpft, geht’s an einen schattigen Platz. Dort schlägt der Gärtner die Stammstücke in Sackleinen ein und übergießt dieses regelmäßig. Nach vier bis sechs Wochen geht’s dann für die Stämme an den endgültigen Platz. Dort werden sie etwa 10 Zentimeter tief in den Boden eingegraben. So kann der Pilz auch in den Boden wachsen und sich von dort mit Feuchtigkeit versorgen. Und dann heißt es: Geduld haben – 12 Monate und mehr dauert es nun, bis sich die ersten Fruchtkörper zeigen. Dafür muss man dann nur noch ernten und das mehrere Jahre lang.

Kontakt:

Otmar Diez
Am Lagberg 21
97717 Sulzthal
Telefon: 09704 600554
Email: service@naturschule-diez.de