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„Familienbaum“ Ein Baum – vier Apfelsorten!

Erntezeit bei Äpfeln ist von Juli bis Oktober, Lageräpfel halten dann bis Mai kommenden Jahres. Um die ganze Saison im Garten erleben zu können, braucht es drei bis vier Sorten – dafür fehlt allerdings oft der Platz. Eine Lösung gibt es trotzdem: Den Familienbaum.

Von: Sabrina Nitsche

Stand: 16.08.2019

Warum Familienbaum?

Familienbaum nennen die bayerischen Baumschulen ihren Viersortenbaum deshalb, weil nicht nur die Reifezeit abgedeckt ist, sondern auch jede Geschmacksrichtung und Farbe. Auf einem Baum mit schwacher Unterlage werden dafür vier Sorten veredelt. Mit jeder Sorte funktioniert das aber nicht, denn die Sorten müssen etwa gleichstark im Wuchs sein, sonst gerät der Baum mit den Jahren in Schieflage. Roman Döppler kennt die richtigen Sorten und weiß, wie das veredeln klappt. Schritt für Schritt verwandelt sich ein einfacher Apfelbaum in einen vielseitigen Familienbaum. Solche Bäume gibt es im Herbst in vielen bayerischen Baumschulen.

Frühlingszeit - Veredelungszeit!

Mitte März ging es los. Als erstes mit dem Aussortieren der Jungpflanzen. Es sind zweijährige Veredelungen vom Topaz-Apfel, die als Grundlage für die Familienbäume dienen. Die Grundsorte bleibt später erhalten, drei andere Apfelsorten kommen noch dazu. Damit das auf Dauer funktioniert, braucht es Jungbäume mit drei gleichmäßig gewachsenen und angeordneten Leitästen. Jeder Leitast bekommt dann eine eigene Sorte.

Saftwaage erhalten!

Die Leitäste kürzt Roman Döppler alle auf etwa gleicher Höhe ein, dadurch bleibt die „Saftwaage“ erhalten. Die Saftwaage sichert die gleichmäßige Versorgung der Leitäste mit Nährstoffen. Der Mitteltrieb endet etwas darüber. Dann erfolgt die eigentliche Veredelung. Im Fall der Familienbäume durch die Kopulation. Diese Art der Veredelung funktioniert dann, wenn Edelreis und Trieb gleich stark sind. Dabei schneidet man über eine Länge von fünf Zentimetern und macht anschließend eine Gegenzunge. Die Kopulation mit Gegenzunge bringt gleich zwei Vorteile: Zum einen stabilisiert sich die Verbindung, zum anderen vergrößert sich der Bereich, an dem beide Kambiumschichten überlappen - das erleichtert das Anwachsen. Gelingt der Schnitt perfekt, liegen die Kambiumschichten von Edelsorte und Unterlage auf ganzer Länge aneinander – Grundvoraussetzung dafür, dass das Edelreis anwachsen kann. Als Kambium bezeichnen Gärtner die Zellschicht zwischen Rinde und Holz. Sie besteht aus extrem teilungsfähigen Zellen und übernimmt unter anderem auch das Heilen von Wunden. Auch bei dieser Veredelung wird mit Veredelungsgummis gearbeitet und am Schluss mit Baumwachs verstrichen. Zum Schluss kürzt Roman Döppler alle Edelreiser auf etwa vier Augen ein. Aus diesen treibt der Apfelbaum im Frühjahr neue Zweige.

Sommerzeit – Erntezeit?

In diesem Jahr noch nicht. Denn die neu veredelten Bäume können frühestens im kommenden Jahr Blüten und damit Äpfel ansetzen. Dann gibt’s dafür vier verschiedene Sorten von nur einem Baum. Als erstes reift der ‘Klarapfel‘. Die Früchte dieser Frühsorte sind nicht lagerfähig, eignen sich aber für den Frischverzehr, für Kompott oder auch Kuchen. Dann folgen ‘Alkmene‘, ‘Topaz‘ und Roter Aloisius.

Familienbaum bei den Baumschulen

Den Familienbaum gibt es ab Herbst in vielen bayerischen Baumschulen. Eine Liste mit teilnehmenden Betrieben finden Sie hier:

Ein Baum – vier Apfelsorten! Format: PDF Größe: 11,24 KB

Kontakt:

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
An der Steige 15
97209 Veitshöchheim
Telefon: 0931 98010
Telefax: 0931 9801100
Email: poststelle@lwg.bayern.de

Bund deutscher Baumschulen (BdB) Landesverband Bayern e.V.
Dorpater Str. 14
81927 München
Telefon: 089 57938-911
Telefax: 089 57938-818
Email: bayern@gruen-ist-leben.de